Stickoxidbelastung Die Luft in deutschen Städten wird besser

Der Stickoxidgrenzwert wurde 2019 in 25 Städten überschritten, im Jahr zuvor waren es mehr als doppelt so viele. Nun liegt die am stärksten belastete Straße nicht mehr in Stuttgart - und es gibt neuen Streit über Fahrverbote.
Dieselfahrverbote wirken offenbar, 2019 sank die Zahl der Städte, in denen die Luft zu stark mit Stickstoffdioxid belastet war, deutlich

Dieselfahrverbote wirken offenbar, 2019 sank die Zahl der Städte, in denen die Luft zu stark mit Stickstoffdioxid belastet war, deutlich

Foto: Christoph Schmidt/ dpa

Die Belastung der Stadtluft mit gesundheitsschädlichem Stickstoffdioxid  (NO2) ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Wie das Umweltbundesamt mitteilte, wurde der Grenzwert 2019 nur noch in 25 Städten überschritten. Im Vorjahr war dies noch in 57 Städten der Fall.

Spitzenreiter waren nun München, Darmstadt, Stuttgart, Limburg an der Lahn und Frankfurt am Main, aber auch dort sanken die Werte. Die höchste NO2-Belastung wies 2019 eine Messstelle an der Landshuter Allee in München auf (63 Mikrogramm). An der Stuttgarter Messstation Am Neckartor, wo 2018 mit 71 Mikrogramm NO2 noch der bundesweit höchste Wert festgestellt worden war, sank die Belastung auf 53 Mikrogramm.

Grenzwert nur noch an 20 Prozent der verkehrsnahen Messstationen überschritten

Der Grenzwert bei NO2 liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel. 2019 wurde dieser Wert an 20 Prozent aller verkehrsnahen Messstationen überschritten; 2018 waren es mit 42 Prozent noch mehr als doppelt so viele. Hohe NO2-Werte sorgten vielerorts für Dieselfahrverbote, die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zog vielfach vor Gericht, um mehr Maßnahmen für saubere Luft und auch Fahrverbote für ältere Diesel zu erzwingen. Elf Verfahren laufen nach Angaben des Vereins noch - in Osnabrück, Kiel, Hannover, Würzburg, Fürth, Nürnberg, Regensburg, Passau, Freiburg, Heilbronn und Backnang.

Die Fahrverbote wurden vielfach kritisiert , angesichts der neuen Daten sprach sich die FDP im Bundestag erneut gegen die Beschränkungen aus. Fraktionsvize Frank Sitta sagte, die Luftqualität werde unabhängig von Straßensperren besser. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) solle anerkennen, dass Flottenerneuerung und Softwareupdates der Hauptgrund für die Verbesserung seien, statt "auf undifferenzierte Schikanierung durch eben solche intransparenten und ineffizienten Maßnahmen wie Fahrverbote zu setzen".

Die Ministerin interpretierte die neuen Daten anders. "Die Entwicklung der Luftqualität weist bundesweit in die richtige Richtung", so Schulze. Dies zeige, dass Umweltpolitik wirke. "Dennoch reichen die bisherigen Maßnahmen von Bund, Ländern und Kommunen noch nicht aus, um den EU-Grenzwert für NO2 zum Schutz der menschlichen Gesundheit wirklich überall einzuhalten", kritisierte die Ministerin. Die Lösung liege "in saubereren Fahrzeugen und einer grundlegenden Mobilitätswende".

Hauptquelle von Stickstoffoxiden (NOx) in den Städten ist nach Angaben des Umweltbundesamtes der Straßenverkehr und dort vor allem Diesel-Pkw. Überschreitungen des NO2-Jahresmittelgrenzwertes treten demnach "ausschließlich an viel befahrenen Straßen in Ballungsräumen und Städten auf". Problematisch sind die Gase vor allem für empfindliche oder vorgeschädigte Menschen wie Asthmatiker und Ältere. Stickoxide wirken reizend auf Schleimhäute in den Atemwegen und der Lunge.

Gründe für den Rückgang sind laut Umweltbundesamt lokale Maßnahmen wie zum Beispiel Tempolimits, Fahrverbote oder der Einsatz schadstoffärmerer Busse, aber auch bundesweite Maßnahmen wie Softwareupdates, die Erneuerung der Fahrzeugflotte oder meteorologische Einflüsse, die die Ausbreitung von Luftschadstoffen beeinflussen.

ene/AFP/dpa
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