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Fiat 126: Ein Auto für Puristen

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Günstige Oldtimer: Fiat 126 Die Minimallösung

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem – es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: Der knuffige Fiat 126 – er zeigt, wie genial einfach ein Auto sein kann.
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell:

Der 1972 vorgestellte Fiat 126 löste den populären 500 Nuova ab, Italiens legendären Kleinwagen mit den süßen Kulleraugen. Anfangs wurden beide Modelle noch parallel gebaut, 1975 war dann Schluss für den 500.

Der 126 kam mit komplett neuem Blechkleid und ohne Kulleraugen. Knuffig war aber auch er mit nur 3,05 Metern Länge und 1,35 Metern Breite. Die Technik blieb weitgehend die alte. Wie beim 500 setzte Fiat beim 126 auf Heckantrieb und -motor. Der luftgekühlte Zweizylinder-Benziner mit 600 Kubik (später 650 ccm) kam vom 500 R und leistete 23 PS. Das mag heute lächerlich klingen. Für einen Fiat 126 reichte diese Leistung jedoch aus, um locker bis flott im Stadtverkehr mitzuhalten.

Denn der Zweitürer wog nur 600 Kilogramm. Moderne Kleinwagen kommen leicht auf das Doppelte, bieten allerdings auch deutlich mehr an Komfort- und Sicherheitsausstattung.

Eigentlich war der Fiat 126 ein polnisches und kein italienisches Auto. Der Kleinwagen wurde zwar in Turin entwickelt. Vom Band lief er aber nur in den Anfangsjahren in Italien. Die Teile für den 126er seien damals schon aus Osteuropa gekommen, um jenseits der Alpen zu dem preiswerten Stadtflitzer montiert zu werden, sagt Thorsten Bade vom Fiat-126-Forum. 1978 habe der polnische Hersteller FSM (Fabryka Samochodów Małolitrażowych) dann die komplette Fertigung übernommen.

Ausgestattet war der Fiat 126 spartanisch. Eine Heizung, zwei Düsen für die Lüftung und ein Aschenbecher: Viel mehr Komfort gab es nicht im Cockpit. Gegen Aufpreis waren Extras wie Sportsitze, Faltdach und hintere Ausstellfenster erhältlich. In Deutschland wurde der 126 ab Ende der Siebziger als Fiat Bambino verkauft. Erkennungszeichen sind unter anderem Plastik- statt Chrom-Stoßstangen.

Die Firma Pop baute den Fiat 126 hierzulande nachträglich zum Cabriolet um, etwa 700 Stück sollen entstanden sein. Daneben fertigte in Polen die Firma Bosmal rund 500 Werks-Cabrios. Selten sind heute auch die 126er-Sondermodelle »Red«, »Black«, »Brown« und »Silver« (ab 1980). Zu der jeweiligen Sonderlackierung kamen Sitze mit Streifenmuster und integrierten Kopfstützen sowie getönte Scheiben, Rückfahrlicht sowie eine Leselampe unter dem Lenkrad. Teils wurden Red, Black und Co. mit Zahnstangen- statt Schneckenlenkung ausgerüstet.

Das Faltdach bringt an heißen Tagen Frischluft. Aber Achtung: Es droht Sonnenbrand

Das Faltdach bringt an heißen Tagen Frischluft. Aber Achtung: Es droht Sonnenbrand

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Thorsten Bade

1987 erschien der neue Fiat 126 BIS mit wassergekühltem Motor (700 Kubik) und forschen 26 PS. Durch liegende Zylinder konnte der Motor so tief im Heck platziert werden, dass darüber ein kleiner Kofferraum entstand. Bei umgeklappter Rücksitzbank ließen sich im BIS 126 so auch sperrige Güter über die Heckklappe durchreichen. Der Nachteil: Die wassergekühlten Motoren waren anfälliger, die Zylinderkopfdichtung schmorte oft durch. Wegen schlechter Abgaswerte stellte Fiat den 126 BIS bald wieder ein und kehrte 1991 zum antiquierten, aber bewährten luftgekühlten System zurück.

In Deutschland hieß der Nachfolger da schon Fiat Panda, doch für den osteuropäischen Markt wurde der 126 noch bis zum Jahr 2000 weitergebaut.

Warum ausgerechnet der?

Die Polen nannten den Wagen liebevoll »Maluch« (für Knirps, Wicht). Im Nachbarland wurde der Fiat 126 nicht nur die längste Zeit gebaut, sondern auch massenhaft gefahren. »Der war dort so etwas wie der Volkswagen«, sagt 126er-Liebhaber Thorsten Bade, der selbst drei »Maluch« in der Garage stehen hat. Allerdings nicht als Museumsstücke. Bade fährt seine Fiat 126 auch im Alltag und – bis er von seinem Arbeitgeber einen Dienstwagen bekam – bis vor einigen Jahren sogar für den Weg zur Arbeit. Und das sind immerhin 80 Kilometer täglich hin und zurück. »Die Leute freuen sich immer und sagen ›Schick‹, wenn ich mit dem 126 anrolle«, so Bade. »Und die polnischen Lkw-Fahrer auf der Autobahn winken.«

Ein 50 Jahre altes Auto aus Polen, kann das denn zuverlässig sein? »Auf jeden Fall«, meint Thorsten Bade, die Motoren hielten bei minimaler Pflege ewig. Warmgefahren ist »Maluch« mit seinen 600- bis 650-Kubik-Motörchen ruckzuck. Und wenn doch mal eine Reparatur ansteht, wird das Problem abends in der Garage bei einem Feierabendbierchen selbst behoben – selbst um die Steuerkette oder die Zylinderkopfdichtung beim Fiat 126 zu wechseln, muss man kein Kfz-Mechaniker sein. »Man kann mit etwas Geschick eigentlich alles selbst machen an dem Auto«, unterstreicht Bade. Das klingt nach dem perfekten Einstiegsmodell ins Oldtimer-Hobby.

Aber auch modernen Klein(st)wagen zeigt der Fiat 126, wie genial einfach und praktisch zugleich ein Auto sein kann. Schon in den Siebzigern flitzte er souverän durch enge Straßen, heute punktet er erst recht in den überfüllten Innenstädten. »Der passt durch jede Gasse und in jede Parklücke«, unterstreicht Liebhaber Torsten Bade. Mit kaum neun Metern hat der 126 gefühlt den Wendekreis eines Kinderlaufrads. Ein Smart hat nur zwei Sitzplätze, der 126 bietet Platz für vier Erwachsene. Auf Landstraße und Autobahn entschleunigt der Kleine – die Reisegeschwindigkeit liegt bei entspannten 90 bis 100 km/h. Torsten Bade fuhr mit seiner Frau so schon mehrmals mit einem Fiat 126 bis nach Griechenland. Der Verbrauch: moderate 5,5 Liter. »E10 nimmt er auch.«

Verfügbarkeit:

Trotz beachtlicher Produktionszahlen ist das Angebot arg zusammengeschrumpft. Viele Fiat 126 wurden geschlachtet, um mit den Teilen den populäreren 500 aufzurüsten, der weniger PS hatte und über kein (teil-)synchronisiertes Getriebe verfügte. Viele andere 126er fielen Gevatter Rost zum Opfer oder wurden verheizt. Unter den angebotenen teils überteuerten Veteranen ist viel Müll. Es finden sich aber auch noch einige ordentliche Exemplare. Wer den Radius nach Polen und Italien erweitert, erhöht seine Chancen.

Ersatzteilversorgung:

Für einen italienischen (respektive polnischen) Klassiker ausgezeichnet. An gängige Verschleißteile für Motor, Fahrwerk oder Abgasanlage zu kommen, ist gar kein Problem. Für die bekanntesten Rostschäden gibt es spezielle Reparaturbleche. Gebrauchte Türen und andere Karosserieteile werden fast verschenkt. Selbst Interieur-Ersatz ist noch erhältlich, mitunter sogar als Neuware (etwa Teppiche).

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Steuerkettensatz neu: 40 Euro

  • Satz Bremsen vorn und hinten: ca. 65 Euro

  • Tür (gebraucht): ca. 50 Euro

  • Auspuff: ab 20 Euro

Schwachstellen:

Rost ist das Hauptproblem, zu den neuralgischen Stellen gehören die Schweller samt Wagenheberaufnahmen und der Unterboden. Die Blechqualität ist bei den älteren Modellen noch am besten. Mies ist der Korrosionsschutz dagegen bei den späten 126ern aus den Neunzigerjahren: »In Kombination mit Winterbetrieb und Salz auf der Straße kann deren Unterboden bei diesen Exemplaren schon nach drei Jahren durchgefault sein«, sagt 126er-Fachmann Bade. Die Achsschenkel müssen beim Fiat 126 noch abgeschmiert werden, ansonsten können sie ausschlagen. Die Zweizylinder sind laut, aber robust und genügsam. Diese Motörchen bringen erstaunliche Laufleistungen zustande, selbst ein kaputter Kolben muss nicht den Exitus bedeuten. »Dann kommt halt ein neuer rein«, sagt Bade lapidar. Ein Problem stellen Importe jüngerer Fiat 126 aus Polen dar – die deutschen Zulassungsbehörden erkennen in der Regel die Katalysatoren wegen fehlender Lambdasonde nicht an. Ab Baujahr 1993 wird die Emissionsklasse Euro 1 verlangt – das ist beim Fiat 126 nur mit kostspieliger Nachrüstung eines G-Kats möglich.

Preis:

Fiat 126 für unter 1500 Euro sind meist Ruinen. 2500 Euro sollte man schon einplanen. Gepflegte Exemplare können auch 5000 Euro kosten. Abzocke mit fünfstelligen Offerten kommt auch vor, die Preise für Bambino und Maluch ziehen merklich an.

Anlaufstellen im Internet:

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Lancia