Machbarkeitsstudie Kölner Airport könnte zum Startplatz für Flugtaxis werden

Vom Flugzeug ins fliegende Taxi umsteigen und direkt ans Ziel weiterfliegen: Am Flughafen Köln-Bonn wäre das einer Studie zufolge machbar - es bleiben jedoch einige Hindernisse.
Könnte künftig auch am Flughafen Köln-Bonn abheben: Ein Flugtaxi des Herstellers Volocopter bei einem Flug in Singapur

Könnte künftig auch am Flughafen Köln-Bonn abheben: Ein Flugtaxi des Herstellers Volocopter bei einem Flug in Singapur

Foto: Feline Lim/ REUTERS

Am Flughafen Köln/Bonn könnten in Zukunft Flugtaxis  durch die Lüfte schwirren. Eine Machbarkeitsstudie kommt nach Angaben des Airports zu dem Schluss, dass die Voraussetzungen für einen entsprechenden Start- und Landeplatz an dem Standort grundsätzlich gegeben sind. "Wir glauben daran", sagte Flughafenchef Johan Vanneste mit Blick auf die neue Verkehrstechnologie. Auch an möglichen Probeflügen sei man interessiert.

Die Studie in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen hat durchgespielt, wie der Betrieb eines sogenannten Vertiports für die senkrecht startenden und landenden Flugtaxis ablaufen könnte. Betrachtet wurden dabei elektrisch betriebene Flugsysteme, die eine Handvoll Passagiere über überschaubare Strecken weiterfliegen können, wenn sie am Flughafen angekommen sind. Das bestehende Verkehrsnetz aus Bahnen, Bussen und Autos könnte damit ergänzt werden. Weltweit arbeiten verschiedene Firmen an der Technologie, einen Regelbetrieb gibt es aber noch nicht.

67 Passagiere pro Stunde

Auch der Kölner Flughafen nannte zunächst kein Zeitfenster für eine denkbare Umsetzung. Viele Fragen seien noch offen, etwa zum Lärmschutz. Die Studie geht jedoch davon aus, dass der Flugbetrieb nicht autonom, sondern vorerst immer mit einem Piloten an Bord durchgeführt werden wird.

Bei einem "akzeptablen Ticketpreis" rechnet die Studie für das Jahr 2025 mit einer durchschnittlichen Nachfrage von rund 67 Passagieren pro Stunde für Flugziele im Umkreis von 150 Kilometern. Es gibt jedoch auch noch zahlreiche Hürden, bisher fehlen beispielsweise gesetzliche Standards für die Zulassung der elektrischen Senkrechtstarter und deren Betrieb. Diese haben jedoch großen Einfluss auf die Umsetzbarkeit, so könnte ein vorgeschriebener Mindestladezustand der Batterien während des Flugbetriebs der Studie zufolge große Auswirkungen auf die Mitnahme des Gepäcks oder die Reichweite haben.

Flugzeughersteller, Autoindustrie und Start-ups arbeiten an Flugtaxis

Gleichzeitig müssten die nötigen Regelungen für die Zulassung und den Betrieb - zumindest am Standort Köln-Bonn - internationale Gültigkeit haben, damit die Flugtaxis auch Ziele in den nahe gelegenen Benelux-Staaten anfliegen dürfen.

Das Geschäft mit den kleinen, zwei- bis fünfsitzigen Fluggeräten lockt bereits zahlreiche Unternehmen an - und ist offenbar keine ferne Zukunftsvision. So arbeiten nicht nur Flugzeughersteller wie Airbus an Flugtaxis, auch verschiedene Start-ups entwickeln derzeit kleine Flugtaxis.

So hob beispielsweise der Elektro-Senkrechtstarter des deutschen Start-ups Lilium im Frühjahr 2019 zum Erstflug ab, das Karlsruher Start-up Volocopter, an dem auch Daimler beteiligt ist, hat sogar schon seit 2016 die deutsche Verkehrszulassung für ein zweisitziges elektrisches Flugtaxi.

Trotz der geringen Sitzplätze sollen sich die Ticketpreise im realen Betrieb dennoch in Grenzen halten. So plant Lilium den Alltagsbetrieb für das Jahr 2025 - und will Tickets zu Preisen einer Taxifahrt anbieten. Der Weg dahin ist jedoch offenbar noch weit, so sah sich das Start-up harter Kritik ausgesetzt. Mehrere Ingenieure deutscher Universitäten zweifelten unter anderem an den Reichweitenangaben, die das Start-up für seinen Elektro-Senkrechtstarter macht.

ene/dpa
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