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Ford Taunus TC: Optisch erste Sahne

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Günstiger Oldtimer – Ford Taunus TC Sechs sells

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem – es gibt sie nämlich, die echten Schnäppchen. Diesmal: der Ford Taunus TC, der vielleicht stylischste Siebziger-Schlitten aus Köln.

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Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat – und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Eine erschwingliche Familienlimousine fahren mit kräftigem Sechszylinder unter der Haube – das ermöglichte Ford mit dem Taunus in den Siebzigerjahren. Opel bot im Ascona nur vier Zylinder, der Commodore siedelte eine Klasse höher. VW war in der Mittelklasse noch keine Konkurrenz, der VW 411 (Typ 4) floppte.

Der Taunus brachte vor allem beim Motor echten Fortschritt. Das Auto von Ford Köln folgte 1970 dem drei Jahre zuvor eingestellten P5 (»Große Badewanne«). Er machte aber auch den Frontantrieb und die rauen V4-Motoren des auslaufenden P6 vergessen. Im Grunde waren dies einfach durchgesägte V8-Aggregate, die der amerikanische Mutterkonzern in den Sechzigern für den deutschen Markt als ausreichend empfunden hatte.

Der Taunus TC1 war da mit seinem Hinterradantrieb und schon mit den laufruhigen Reihenvierzylindern für die Einstiegsmodelle ein völlig neues Auto. Zudem sah die Mittelklasse-Limousine reizend aus, wie ein amerikanischer Straßenkreuzer. Galt bei den TC-Vorgängern noch optische Zurückhaltung als Tugend – man feierte die »vollendete Zweckmäßigkeit« oder die stromlinienförmige Badewannenform – konnten viele bei der sahnigen Optik des Taunus TC nicht widerstehen.

»So amerikanisch wie der Taunus TC war kein anderer«, sagt Jürgen Engelmann vom Taunus Fan Club. Vor allem die Front mit dem breiten, markanten Kühlergrill geriet imposant: Zu verdanken ist sie dem damaligen Ford-Konzernchef Semon Emil Knudsen. Er ließ dem Taunus ein amerikanisches Flair einhauchen, was von den ausladend wirkenden Karosserielinien bis zu den großen Kombiinstrumenten im Innenraum galt. »Im Knudsen-Taunus sitzt man wie in einem Raumschiff«, sagt Liebhaber Engelmann, der 1987 als erstes Auto einen Taunus TC 1,6 Liter mit 75 PS fuhr, nachdem er den Führerschein erworben hatte.

Modellgepflegte Taunus kommen nüchterner als der stylishe Knudsen. Dafür sind sie günstiger, die Technik ist dieselbe

Modellgepflegte Taunus kommen nüchterner als der stylishe Knudsen. Dafür sind sie günstiger, die Technik ist dieselbe

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Diese Leistung reichte damals locker, denn so ein Taunus TC wog nur 1000 Kilogramm. Einzig die 1,3-Liter-Basisvariante mit 55 PS erwies sich als untermotorisiert. Wer den Taunus 2,0 mit 90 PS wählte, bekam schon den V6-Motor. Top-Maschine war der 2,3 mit 108 PS.

Neben der Limousine gab es den Taunus auch als formschönes Coupé sowie als geräumigen Kombi. Die Standardausstattung des TC war mit Kurbelfenstern, knochiger Handschaltung und nacktem Blechdach karg. Gegen Aufpreis waren Extras wie Vinyldach, Radio, Zusatzscheinwerfer oder feine Teppiche erhältlich.

Mit diversen Modellpflegen gestaltete Ford den Taunus TC in den Folgejahren moderner. Das anfangs sehr schwammige Fahrwerk wurde neu abgestimmt, es bekam Stabilisatoren. Optisch geriet das Facelift nüchtern. Chrom-Zierrat fiel weg, dafür kamen an Stoßstangen und Kühlergrill mehr Plastikelemente. 1976 verschwand die barocke Knudsen-Nase, auch das Coupé wurde vom Markt genommen. 1982 war dann Schluss für Fords Traditionsmodell Taunus. Mit dem Nachfolger Sierra kehrte endgültig die sachliche europäische Formensprache bei Fords Mittelklasse ein.

Warum ausgerechnet der?

Als Semon E. »Bunkie« Knudsen den Taunus TC entwickeln ließ, boomten in Amerika noch die Musclecars: relativ preisgünstige Limousinen und Coupés von der Stange mit fetter V8-Performance. Ein Achtzylinder hätte in den Taunus wohl kaum gepasst. Doch schon mit Sechszylinder war der TC im Deutschland der frühen Siebziger ein automobiler Traum.

»Ein V-Motor galt als amerikanisch, galt als schick«, sagt Engelmann vom Taunus Fan Club. Dazu kam ein geschmackvolles Design. Schon die Knudsen-Limo ist eine Augenweide für Vintage-Fans. Absoluter Hingucker ist das Fastback-Coupé, das an amerikanische Stilikonen wie den Dodge Charger erinnert. Ein vergleichbarer Opel (US-Mutterkonzern GM) sah damals schon viel nüchterner aus. Allenfalls das Kadett-C-Coupé kam scharf rüber wie ein Knudsen-Taunus, bot aber nur Vierzylinder-Maschinen.

Mit den einzelnen Modellpflegen zog dann auch beim Ford Taunus die neue Sachlichkeit ein. Doch selbst ein später TC 80 mit Lamellen-Grill und Zierleisten aus Kunststoff bleibt im Kern ein Mini-Straßenkreuzer. Die Technik unter dem Blechkleid ist nämlich bei allen TC die gleiche wie beim Knudsen TC1 – für Alt-Ford-Freunde heißt das vor allem: Hinterradantrieb. Oder wie Hecktriebler-Fans auch gern sagen: Fährste quer, siehste mehr! Dazu kommt eine zähe, schier unzerstörbare Motortechnik. So stammen die Reihenvierzylinder in der Grundkonstruktion noch vom alten Ford Eifel aus den Dreißigerjahren ab. Die gusseisernen Blöcke halten praktisch ewig – wenn nur der Rost am Blechkleid drum herum nicht wäre!

Verfügbarkeit:

Kaum zu glauben, allein vom Taunus TC1 Knudsen sollen 1,8 Millionen Exemplare vom Band gelaufen sein. Doch Rost und harter Alltagsbetrieb dezimierten den Bestand arg. Bei TC2 und Co. wurden die Bleche noch dünner. Trotzdem findet man heute am ehesten die jüngeren Taunus-Modelle bis Baujahr 1982. Doch selbst gepflegte Knudsen wechseln mal ihren Besitzer. Lohnen kann ein Blick nach Großbritannien, wo der Ford Taunus TC zeitweise als baugleicher Cortina verkauft wurde.

Ersatzteilversorgung:

1977 wütete bei Ford Köln ein Brand im Zentrallager, der nahezu alle Ersatzteile für damalige Modelle zerstörte. Karosserieteile und Interieur-Ersatz gibt es für den Taunus heute nur noch über geschlachtete Altautos. Bei Technikkomponenten sieht es weit besser aus: Alle gängigen Verschleißteile sind als Reproduktionen lieferbar, sodass sich ein 50 Jahre alter Taunus heute technisch prima am Leben erhalten lässt. Die Firma Motomobil pflegt hier ein großes Sortiment. Über Interessengemeinschaften wie die Alt Ford Freunde kommen manchmal sogar Kleinserien an Sitzbezügen und anderen Ersatzteilen zustande.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Lichtmaschine: ab 130 Euro

  • Satz Bremsen vorn, neu: ca. 80 Euro

  • Kotflügel, gebraucht: ca. 100 Euro

  • Wasserpumpe: ca. 140 Euro

Schwachstellen:

Rost grassiert beim Ford Taunus wie eine Seuche. Keimzelle sind oft die Stehbleche im Motorraum, wo sich in den Falzen Schmutz und Nässe sammeln. Der Gammel frisst sich dann über die Federbeindome bis hoch in die A-Säulen. Auch die Schweller sind anfällig. Wenn der Bereich um die Wagenheberaufnahmen nur noch aus Blätterteig besteht, lohnt sich eine Restauration meist nicht mehr. »Beim Taunus hilft eigentlich nur: einigermaßen rostfreie Exemplare unters Dach vollhauen mit Korrosionsschutz beziehungsweise Hohlraumwachs, sonst hat man nicht lange Spaß mit den Autos«, unterstreicht Engelmann. Erfreulich simpel ist indes die Motortechnik. Nebenaggregate gibt es kaum, im Motorraum der Vierzylinder-Modelle ist so viel Platz, dass man sich hineinstellen kann. Auch die Sechszylinder sind sehr robust, sie kühlen dank V-Form gut und sind wunderbar laufruhig. Die Zahnriemen sollten alle 60.000 Kilometer gewechselt werden, was bei den noch fahrbereiten Veteranen aber in der Regel längst erledigt wurde. Die stylishen Vinyldächer neigen im Alter zu Rissen, Fachbetriebe bieten neue Bezüge an.

Preis: Bruchbuden und Restaurationsobjekte finden sich ab 1000 Euro. Fahrbereite Ford Taunus TC mit Patina im Zustand 3 kosten ab etwa 4000 Euro aufwärts. Gepflegte Knudsen liegen im fünfstelligen Bereich. Je nach Ausstattung und – erst recht mit Sechszylinder – sind 13.000 Euro und mehr keine Seltenheit mehr.

Anlaufstellen im Internet:

www.taunus-fan-club.com 

www.forum.hecktrieb.de 

www.alt-ford-freunde.de 

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