Rechtsstreit nach Unfall Porsche-Besitzer hält Fahrt im Mittelklasseauto zur Arbeit für unzumutbar

Klingt wie ein Luxusproblem: Nach einem Unfall musste der Sportwagen eines Mannes in die Werkstatt – ein Ford Mondeo als Ersatzauto kam für ihn nicht infrage. Nun hat ein Gericht klar entschieden.
Foto: Andreas Arnol / DPA

Was ist der Unterschied zwischen einem Porsche 911 und einem Ford Mondeo? Mit Ersterem könne er zur Arbeit fahren, mit Zweiterem nicht – zumindest hat so ein Kläger vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main argumentiert.

Ausgangspunkt war ein Verkehrsunfall, bei dem der Sportwagen des Klägers beschädigt wurde. Der Beklagte haftete für den Schaden und glich einen Teil davon aus. Der Porsche-Besitzer wollte mit seiner Klage die verbliebene Differenz zu den tatsächlichen Reparaturkosten und eine Nutzungsentschädigung für 112 Tage Reparaturzeit erstreiten. Seine Begründung: Die Nutzung eines anderen Fahrzeuges sei nicht möglich und nicht zumutbar gewesen.

Reparaturkosten zugesprochen, Entschädigung abgelehnt

Tatsächlich gehören dem Mann noch vier weitere Fahrzeuge. Zwei davon werden nach seinen Angaben von Familienangehörigen genutzt, ein weiterer Wagen sei für Rennen ausgestattet. Das vierte Fahrzeug, ein Ford Mondeo, ist dem Kläger zufolge für den Stadtverkehr zu sperrig und wird von der Familie lediglich als Lasten- und Urlaubsfahrzeug genutzt. Der Kläger wollte zudem nicht hinnehmen, dass er während der Reparatur auf den Versicherungskosten und Kfz-Steuern für den Porsche sitzen blieb.

Das Landgericht Frankfurt hatte ihm die Differenz der Reparaturkosten zugesprochen, die Ansprüche auf eine Nutzungsentschädigung jedoch abgelehnt. Nach Berufung landete der Fall vor dem Oberlandesgericht. Auch das wies die Forderung nun klar zurück.

Die Nutzung des Ford Mondeo für Stadt- und Bürofahrten sei »zumutbar«, entschied das Gericht in einer am Montag veröffentlichten Entscheidung . Die damit verbundene Einschränkung des Fahrvergnügens stelle einen immateriellen und damit nicht ersatzpflichtigen Schaden dar. Der Kläger hätte den Mittelklassewagen demnach durchaus für die Fahrten zur Arbeit und zu Privatfahrten nutzen können, argumentierte das OLG. (Az. 11 U 7/21)

»Lediglich Beschränkung des Fahrvergnügens«

Oberlandesgericht Frankfurt am Main

Damit entschied das Gericht, dass keine Entschädigung verlangt werden kann, wenn nach einem Autounfall der kaputte Sportwagen zeitweise nicht fahrbar ist. Daran ändere auch nichts, dass es sich bei dem beschädigten Fahrzeug um einen Wagen aus dem deutlich gehobenen Marktsegment handelt. Der Mittelklassewagen sei zumutbar und führe »lediglich zu einer Beschränkung des Fahrvergnügens«, hielt das Gericht fest.

tfb/AFP
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