Pilotversuch Frankfurt misst Auto-Abgase mit Lichtstrahlen

Mit einem neuen Verfahren wollen Städte die realen Emissionen von Autos genauer messen. Dafür erfasst die Pilotanlage in Frankfurt auch die Kennzeichen der Fahrzeuge.
Ein neues System misst mit einem Lichtstrahl die Emissionen vorbeifahrender Pkw (Symbolbild)

Ein neues System misst mit einem Lichtstrahl die Emissionen vorbeifahrender Pkw (Symbolbild)

Foto: Marijan Murat/ picture alliance/dpa

In Frankfurt am Main wird ab Mittwoch ein neues System zur Abgasmessung getestet. Eine Anlage an der viel befahrenen Friedberger Landstraße misst dazu die ausgestoßenen Emissionen der vorbeifahrenden Fahrzeuge mit einem Lichtstrahl. Die Station ist Teil eines Projekts des Umweltbundesamts (UBA). Mitte des Jahres soll ein weiteres System in Frankfurt getestet werden.

Die sogenannte Remote-Sensing-Detection des Herstellers Heat soll in der ersten Phase 20 Tage erprobt werden. Um die Fahrzeugemissionen zu messen, wird ein Lichtstrahl vertikal von oben auf die Abgaswolke des vorbeifahrenden Fahrzeugs gerichtet und von einem auf der Fahrbahnoberfläche angebrachten Reflektor zurückgeworfen. Der Lichtstrahl liegt im Bereich des infraroten und ultravioletten Spektrums und ist für Autofahrer oder Passanten nicht sichtbar. Durch Spektrografie lässt sich dann die Schadstoffkonzentration in der Abgaswolke errechnen. Neben der Konzentration von Stickoxiden im Abgas werden auch der Ausstoß von Kohlendioxid und die Geschwindigkeit der Fahrzeuge gemessen, um die Daten in Abhängigkeit von der Fahrsituation bewerten zu können.

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Zusätzlich erfasst eine Kamera die Fahrzeugkennzeichen, um später technische Parameter wie den Motortyp und Abgasstandard des Fahrzeugs ermitteln zu können. Dadurch können die gemessenen Emissionen dann einem konkreten Fahrzeugtyp zugeordnet werden. Die Stadt kann dann unabhängig von Herstellerangaben feststellen, wie viele Abgase ein Fahrzeug tatsächlich während der Fahrt ausstößt.

Die Daten der Fahrer werden laut der Stadt Frankfurt anonymisiert erfasst, das Vorgehen sei mit dem Datenschutzbeauftragten abgestimmt. "Das Videosystem registriert nur das Kennzeichen, nicht aber ein Bild des Fahrzeugs oder der Insassen. Die Daten werden den Zulassungsbehörden ohne Ortsangaben mitgeteilt, und es erfolgt keine Abfrage der Halterdaten", heißt es bei der Stadt Frankfurt. Die Messung diene außerdem nicht etwa der Ahndung von Geschwindigkeitsverstößen. Vor Ort würden die Bürger zudem mit einem Aushang über die Hintergründe der Messung informiert.

Mit der Pilotanlage will das Umweltbundesamt die Einsatzmöglichkeiten und Grenzen verschiedener Systeme zur Abgasmessung testen. Ein Ersatz für das städtische Luftmessnetz ist das lichtbasierte System allerdings nicht. Die Stadt Frankfurt am Main erhofft sich dadurch aber, verlässlichere Aussagen über den tatsächlichen Einfluss des Verkehrs auf die Luftqualität machen zu können. Laut dem Frankfurter Landesumweltamt lagen die Stickstoffdioxidwerte an der Friedberger Landstraße im vergangenen Jahr bei 41,7 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, also über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm.

Die Kosten des Projekts beziffert das UBA auf rund einen Euro pro Fahrzeug. Damit sei die Messung erheblich günstiger als die konventionellen Labor- oder Straßenmessungen. Mitte 2020 soll dann ein weiteres System getestet werden. Dieses funktioniert sehr ähnlich, misst jedoch horizontal, von einer Seite der Fahrbahn zur gegenüberliegenden Seite. Diese Messungen sollen dann an mehreren verschiedenen Standorten im Stadtgebiet Frankfurt stattfinden. Mit abschließenden Ergebnissen rechnet das UBA erst Ende 2021. Dann sollen die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt in einem Abschlussbericht veröffentlicht werden.

cfr