Neuheiten vom Genfer Salon Die Messe ist gelesen

Der Genfer Autosalon ist wegen des Coronavirus abgesagt, Premieren gibt es trotzdem: bizarr aufgeplumpte Pick-ups, überraschende Elektroautos und natürlich die Lieblinge der Massen - die wichtigsten Neuheiten im Überblick.
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Nach der A-Klasse nimmt sich Mercedes-AMG jetzt auch den neuen GLA vor und macht den kleinen Geländewagen als GLA 45 zum Muskelprotz. Bislang war bei 306 PS Schluss in der A-Klasse, jetzt gibt’s einen 2,0-Liter-Turbo mit bis zu 421 PS, der den Gegner von Audi Q2 und BMW X1 binnen 4,3 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und Auslauf bis 270 km/h bekommt. Dabei lässt es AMG aber nicht bewenden. Damit die weitgehend sinnfreie Kraft auch eine optische Entsprechung findet, wird der Wagen mit neuem Kühlergrill, dicken Backen und einen großen Spoiler auf dem Heckdeckel aufgeplustert.

Foto: Mercedes-Benz AG - Global Communications Mercedes-Benz Cars & Vans
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Der neue Golf ist noch kaum auf der Straße, schon schickt VW den GTI hinterher - als ob die Niedersachsen den Langweiler ein bisschen aufpeppen müssten. Dafür spendieren sie ihm die üblichen GTI-Insignien wie den Wabengrill unter den LED-Scheinwerfern und die Karo-Bezüge auf den Sportsitzen. Am Motor ändert sich erstmal nichts:  Wie sein Vorgänger fährt auch der GTI Nummer 8 mit einem 2,0-Liter-Vierzylinder, der auf 245 PS und 370 Nm Drehmoment kommt und damit knapp an der 250Km/h-Marke kratzen wird.

Foto: MARTIN MEINERS
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Er ist zu 97 Prozent neu und sieht trotzdem aus wie immer. Denn genau wie beim Plus Six hält Morgan auch beim Plus Four am Oldtimer-Design fest. Allerdings bekommt das Einstiegsmodell der Briten einen neuen Vierzylinder, der diesmal von BMW stammt und erstmals mit einem Turbo aufgeladen wird. Verbrauchssteigerung klettert so die Leistung um zwei Drittel auf knapp 260 PS und die Höchstgeschwindigkeit gipfelt bei 240 km/h. Der Turbo ist nicht die einzige Neuerung für den ab Sommer lieferbaren Roadster: Erstmals gibt es für den Vierer aus Malvern Link auch eine Automatik. Ach ja, und LED-Leuchten, Sitzheizung und eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung haben die Briten jetzt auch im Programm.

Foto: Nick Dimbleby/ BMW
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Brabus legt jetzt noch einmal bei der ohnehin schon mächtig aufgemöbelten G-Klasse nach und baut den getunten Geländewagen zum XL-Pickup um. Als B 800 Adventure XLP bekommt der kantige Schwabe für knapp 500.000 Euro statt des geschlossenen Kofferraums eine offene Pritsche und obendrein eine sichtlich verbreiterte Karosserie. Außerdem bietet das Fahrwerk dank spezieller Portalachsen mehr Bodenfreiheit. In Fahrt bringt den Koloss ein aufgeladener V8-Motor, dessen Leistung Brabus auf 800 PS gesteigert hat. Mit maximal 1000 Nm Drehmoment beschleunigt er in 4,8 Sekunden auf Tempo 100 und nur mit Rücksicht auf die Reifen macht die Elektronik bei 210 km/h schon wieder Schluss.

Foto: Brabus
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Ein Vorteil der Genf-Absage ist, dass Geschmacklosigkeiten wie dieser Mansory Venatus dem breiten Publikum erspart bleiben. Wo schon der das Ausgangsmodell, der Lamborghini Urus, keine Augenweide ist, wird der Radikalumbau des Tuners aus der Bayerischen Provinz mit all seinen Spoilern und Schwellern nicht schöner. Und auch an die 24-Zoll-Felgen muss man sich erst gewöhnen. Aber Mansory geht nicht nur bei der Optik in die Vollen, sondern auch beim Motor und kitzelt aus dem doppelt aufgeladenen V8 mit seinen 4,0 Litern Hubraum statt der originalen 650 nun 810 PS. Gleichzeitig steigt das maximale Drehmoment von 850 auf 1000 Nm.

Foto: Lamborghini
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Polo & Co bekommen neue Konkurrenz aus Korea: Hyundai schickt im Sommer die nächste Generation des i20 ins Rennen. Am Format hat sich bei 4,04 Metern Länge kaum etwas geändert, doch die Form wirkt deutlich frecher und das Innenleben mit zwei großen Bildschirmen im Cockpit ist vornehmer geworden. Vor allem bei den Motoren lassen die Asiaten ihre europäischen Konkurrenten alt aussehen: als erster Kleinwagen kommt der i20 mit einem 48 Volt-Mild-Hybrid-System für das Top-Modell mit 120 PS. Daneben gibt’s noch einen zweiten Dreizylinder mit 100 PS und für die wohl rund 13.000 Euro teure Einstiegsversion einen Vierzylinder-Sauger mit 84 PS. 

Foto: Uli Sonntag/ Hyundai
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Länge läuft - vor allem bei McLaren. Wann immer die Briten eines ihrer sogenannten Longtail-Modelle vorgestellt haben, waren die ratzfatz verkauft. Das könnte auch jetzt wieder passieren, wenn der 765LT an den Start geht - auch wenn es noch nicht einmal einen Preis für den Tiefflieger gibt. Der Zweisitzer mit dem spektakulär nach oben gezogenen Vierfach-Auspuff basiert auf dem 720S, wurde aber komplett neu eingekleidet, aerodynamisch optimiert und um knapp zwei Zentner abgespeckt. Außerdem legt der 4,0 Liter große V8-Turbo hinter den Sitzen noch einmal zu und leistet jetzt - nomen est omen - 765 PS. Damit beschleunigt er in 2,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und erreicht bis zu 330 km/h.

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Kia hübscht sein Flaggschiff Sorento auf. Der große Geländewagen bekommt ein kantigeres Design und steht auf einer neuen Plattform, die mehr Variabilität bei den Motoren bietet. So wird es das SUV als koreanische Alternative zu Mercedes GLE oder BMW X5 erstmals auch als Hybrid- und als Plug-In geben. Konventionelle Benziner und Diesel sollen aber im Programm bleiben. Außerdem neu für den rund 4,80 Meter langen Fünfsitzer sind ein digitales Cockpit und ein Online-Infotainment-System.

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Den Porsche 911 gibt es künftig auch wieder als Turbo S. Das neue Top-Modell der Baureihe macht nach Angaben von Projektleiter Frank-Stefan Walliser den bislang größten Sprung in der Entwicklungsgeschichte, was vor allem für die Leistung des Sechszylinders gelten dürfte. Denn statt bislang 580 leistet der 3,8-Liter nun 650 PS und geht mit bis zu 800 Nm Drehmoment zu werke. So aufgepumpt sprintet der Turbo in 2,8 Sekunden auf Tempo 100. Schluss ist die Raserei wie bisher bei 330 km/h. Angeboten wird der Überflieger wie eh und je als Coupé und Cabrio. So imposant wie die Fahrleistung ist auch der Preis: Los geht es ab 216.396 Euro.

Foto: Porsche
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Er ist der stärkste VW im aktuellen Modellprogramm: Im Touareg R spannen die Ingenieure von Volkswagen einen V6-Benziner mit 340 PS und einen 136 PS starken E-Motor zusammen. So klettert die Systemleistung auf 462 PS, warum auch immer das für nötig erachtet wird. Auf dem Papier soll der große Geländewagen trotzdem kein schwerer Schlucker werden und bekommt deshalb einen  Pufferakku spendiert, mit dem er rund 50 Kilometer ohne Sprit fahren kann. Obwohl die R GmbH für gewöhnlich besonderen Wert auf aktiven Fahrspaß legt, haben die Entwickler im neuen Top-Modell auch den passiven Betrieb perfektioniert: Er ist der erste VW, bei dem der Travel Assist den Fahrer bis 250 km/h unterstützt.

Foto: Ingo Barenschee/ Volkswagen AG
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Renault setzt den Twingo unter Strom. Der französische Bruder des Smart bekommt als Twingo ZE zum Jahresende eine E-Maschine mit 82 PS für maximal 135 km/h und einen Akku, der bis zu 250 Kilometer Reichweite ermöglichen soll. Preise verrät Renault bislang nicht. Branchenkenner aber gehen davon aus, dass der Twingo preislich deutlich unter dem 21.900 Euro teuren Zoe bleiben und so zu einem der günstigsten Stromer im Land werden dürfte.

Foto: Renault
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Neben den Modellen Ioniq und Kona arbeitet Hyundai an einem drittem, rein elektrisch angetrieben Modell und entwickelt dafür analog zum Modularen Elektrobaukasten des VW-Konzern eine eigene Architektur. Weil es bis zum Serienstart noch ein gutes Jahr dauert, machen die Koreaner jetzt aber schon mal eine hübsche Prophezeiung und rollen die Studie Porphecy ins Rampenlicht. Gezeichnet wie eine Mischung aus Porsche Taycan und Mercedes GT Viertürer soll das 4,90 Meter lange Schaustück nicht nur die neue Plattform avisieren und eine besonders strömungsgünstige Designsprache etablieren. Die Studie steht auch für ein paar neue Spielereien im Innenraum, die allerdings nicht alle echte Serienchancen haben. Den über die ganze Breite des Armaturenbretts verlaufenden Bildschirm kann man sich zwar auch im Produktionsmodell vorstellen. Doch dass ein Auto schon 2021 mit Joysticks gesteuert wird, ist denkbar unwahrscheinlich.

Foto: Hyundai
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VW will offenbar vom Saulus zum Paulus werden. Noch bevor der ID.3 als Golf des Elektrozeitalters endlich bei den Händlern steht, zeigen die Urheber des Dieselskandals jetzt als zweites Auto aus dem elektrischen Standardbaukasten MEB den ID.4. Etwas größer als der ID.3 und ein bisschen aufgebockt, zielt er ins Boomsegment der kompakten SUV und soll noch vor dem Jahresende auf die Straße kommen. Geplant sind mehrere Leistungsstufen, Heck- oder Allradantrieb und Akku-Größen für bis zu 500 Kilometer Normreichweite.

Foto: Volkswagen
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Bentley lockt reiche Raser mit dem Bacalar, der in der Tradition des Coachbuildings auf Basis des Continental GT von Hand entsteht - und zwar nur zwölf Mal. Mit einer komplett neuen Karosse wird aus dem viersitzigen Cabrio ein schnittiger Roadster, und mit ein bisschen Tuning steigt die Leistung des W12-Motors auf 659 PS. Reichlich Fahrtwind ist damit garantiert. Nur regnen sollte es nicht. Denn obwohl der Bacalar wohl gut eine halbe Million Euro kosten dürfte, gibt's für ihn selbst gegen Aufpreis kein Dach.

Foto: Bentley
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Mercedes schläfert seine Business-Kunden ein und ist auch noch stolz darauf: Mit dem Facelift für die E-Klasse präsentieren die Schwaben einen PowerNap-Assistenten, der Vielfahrer beim Pausieren auf dem Rastplatz unterstützen will. Was es sonst noch gibt für Limousine und Kombi, All-Terrain, Coupé und Cabrio, sind dezente Designretuschen außen, ein neues Digitalcockpit mit modifizierten Lenkrädern, großem Touchscreen und dem Bediensystem MBUX innen sowie sparsameren Motoren unter der Haube. Darunter nicht nur sieben Plug-in-Kombinationen, sondern auch zwei neue Benziner mit 48-Volt-Mild-Hybrid.

Foto: Daimler
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Elektromobilität kann auch erschwinglich sein - das will Dacia mit dem Spring beweisen. Noch handelt es sich um eine Studie, aber Renaults Discounttochter soll den auf SUV getrimmten Kleinwagen mit rund 200 Kilometer Reichweite für einen Nettopreis von rund 10.000 Euro im nächsten Jahr tatsächlich in den Handel bringen. Das ist kein Hexenwerk: Der Spring ist ein nur leicht aufgehübschter K-ZE, den die Franzosen gemeinsam mit Dongfeng bereits für den chinesischen Markt bauen und dort ebenfalls für einen Kampfpreis verkaufen.

Foto: Dacia
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Nachdem i3 und i8 irgendwie am Markt vorbeigefahren sind, macht jetzt auch BMW auf Mainstream und bereitet mit einer seriennahen Studie den Start des i4 vor. Der Vierer mit dem kräftig überzeichneten Design und den zur Karikatur aufgeblasenen Nieren soll im nächsten Jahr gegen die elektrischen Limousinen von Tesla, Porsche und Audi antreten und bekommt dafür neben einem kräftig entrümpelten Cockpit samt gebogenem Widescreendisplay die fünfte Generation des sogenannten eDrive: E-Motor, Leistungselektronik und Akkus sind komplett neu entwickelt und zielen mit ihren Eckdaten auf die Spitze des Segments: Die Leistung soll bei bis zu 530 PS liegen, das Spitzentempo jenseits von 200 km/h und mit rund 80 kWh soll der i4 im Normzyklus rund 600 Kilometer weit fahren können. Alles Werte, die die Idee der Elektromobilität ad absurdum führen.

Foto: BMW
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Seit Jahren sozusagen klinisch tot, hat sich Alfa Romeo doch irgendwie noch zum 110. Geburtstag geschleppt. Das feiern die Italiener mit einem ziemlich spektakulären Sondermodell der Giulia und bringen dafür das Kürzel GTA zurück. In einer limitierten Auflage von 500 Exemplaren wird die Limousine dann um rund zwei Zentner abgespeckt, mit reichlich Flügelwerk behangen und mit einem getunten V6 bestückt: Statt 510 leistet er dann 540 PS und ermöglicht den Sprint auf Tempo 100 in 3,6 Sekunden - drei Zehntel weniger als bisher.

Foto: ALDO FERRERO/ Alfa Romeo
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Audi bringt als noblen Vetter des Bestsellers Golf den neuen A3 in Stellung. Während die Wolfsburger beim Design eher mutlos geblieben sind, will der A3 mit einer neuen, deutlich schärferen Form punkten. Dazu gibt’s ein digitales Cockpit, mehr Assistenten denn je und erstmals einen Mild-Hybrid-Motor mit 48-Volt-Technik, der bestenfalls einen halben Liter Sprit auf 100 Kilometer spart. Los geht's mit dem Fünftürer, einem 150-PS-Benziner und zwei Dieseln mit 116 oder 150 PS, später wird die Motorenpalette deutlich ausgeweitet. Die neue Noblesse lässt sich Audi allerdings auch teuer bezahlen: Während der Golf bei knapp 20.000 Euro startet, kostet der ab Mai lieferbare A3 bereits in der erst später verfügbaren Basisversion mit 110-PS-Benziner 26.800 Euro.

Foto: Audi
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Früher war Cupra nur eine Bezeichnung für die sportlichsten Seat-Modelle. Seit zwei Jahren ist das der Name der Werkstuner im Stil von AMG & Co, die sich zunehmend vom Mutterhaus emanzipieren. Jüngster Auswuchs: das SUV-Coupé Formentor, die erste eigene Baureihe. Wobei das mit der Eigenständigkeit natürlich nur bedingt stimmt, schließlich nutzt auch der 4,45 Meter lange Blickfang, der im letzten Quartal in den Handel kommt, den üblichen Baukasten des VW-Konzerns und ist deshalb eng mit Tiguan oder Ateca verwandt. Auch die Motoren kennt man schon - zum Beispiel aus dem frisch vorgestellten Cupra Leon. Es gibt einen 2,0-Liter-Benziner mit 310 PS und einen Plug-in-Hybrid mit einer Systemleistung von 245 PS und einer elektrischen Reichweite von rund 50 Kilometern.

Foto: CUPRA
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Als Sportversion mit Öko-Feigenblatt rückt Skoda den neuen Octavia RS ins Rampenlicht: Wieder als Kombi oder Limousine erhältlich, gibt es das Topmodell erstmals als Plug-in-Hybrid mit einem 1,4 Liter großen Benziner, einer E-Maschine und einem Pufferakku für bis zu 60 rein elektrische Kilometer. Obwohl das den Verbrauch drückt, muss man auf Tempo nicht verzichten: Die Systemleistung liegt bei 245 PS und die Höchstgeschwindigkeit kann 250 km/h betragen.

Foto: Ivo Hercik/ Skoda
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Eine Stretchlimousine der etwas anderen Art hatte Renault für den Genfer Salon vorbereitet: Mit der Studie Morphoz wollen die Franzosen das Reichweitenproblem von Elektroautos auf eine neue, intelligente Art lösen. Statt die meiste Zeit überflüssige Batteriekapazitäten für die Langstrecke mit sich herumzuschleppen, ist das Schaustück im normalen Modus ein handliches Stadtfahrzeug von 4,40 Metern Länge, das mit einem 40-kWh-Akku etwa 400 Kilometer weit kommt. Wer weiter fahren will, kann den Wagen an speziellen Servicepunkten auf Knopfdruck um 40 Zentimeter strecken lassen. Das schafft nicht nur mehr Beinfreiheit und somit mehr Komfort, sondern Platz für einen zweiten Akku, der automatisch in den Unterboden geschoben wird und die Reichweite auf 700 Kilometer steigert.

Foto: Renault
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Dass man aus dem Baukasten des VW Golf auch leidenschaftliche Autos konstruieren kann, will Seat mit dem neuen Leon beweisen. Die vierte Generation des Spaniers startet im Sommer und bietet vom digitalen Cockpit über die Mild-Hybrid-Motoren bis zur Car-to-Car-Kommunikation die gleichen Errungenschaften wie der Bestseller aus Wolfsburg, tritt dabei aber mit neuer Form und altem Format sehr viel sportlicher und verführerischer auf. Und selbst wenn Seat noch keine Preise nennt, dürfte er obendrein auch noch deutlich billiger sein als der Biedermann aus der norddeutschen Tiefebene. 

Foto: Seat