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Thesen zu Elektroautos und Fahrradwegen FDP-Vize Vogel setzt sich in Verkehrspolitik von Lindner und Wissing ab

Der Bau von Fahrradwegen müsse völlig neu gedacht werden, Elektroautos gehöre die Zukunft: FDP-Vize Johannes Vogel hat in einem Interview Grundsätze seiner Partei zur Mobilität infrage gestellt.
Johannes Vogel in Berlin: Ziel müssten »mehr sichere Radwege und Radfahrstreifen« sein

Johannes Vogel in Berlin: Ziel müssten »mehr sichere Radwege und Radfahrstreifen« sein

Foto: Christian Spicker / IMAGO

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Johannes Vogel hat eine bessere Fahrradinfrastruktur in Städten mit einer klaren Trennung von Auto- und Radverkehr gefordert, damit mehr Menschen künftig das Auto stehen lassen. Es benötige eine »bauliche Trennung«, forderte er in einem Gastbeitrag im »Tagesspiegel«.  »Viel zu lange wurden Fahrradwege an die Straße gepresst oder gleich über Bürgersteige geführt«, erklärte Vogel. Eine Folge davon seien Unfälle.

»Stattdessen brauchen wir echte, eigene Fahrradwege durch die Stadt, damit Menschen sicher fahren können.« Städte wie Kopenhagen machten dies vor.

Bislang gilt die FDP als verkehrspolitisch konservativ. Parteichef Christian Lindner und Verkehrsminister Volker Wissing wollen sich beispielsweise nicht auf das E-Auto als Fahrzeug der Zukunft festlegen. Vogel erklärte dazu: »Ich persönlich glaube: Die Zukunft des Pkw ist batterieelektrisch.« Er sei vor drei Jahren auf ein E-Auto umgestiegen.

Vogel: »Alternativen attraktiver machen«

Vogel wünscht sich zudem mehr Alternativen zum Auto in großen Städten. Für »weniger Autos in den großen Städten müssen wir die Alternativen attraktiver machen«, erklärte er. »Je besser S- und U-Bahnnetz, die (Car-)Sharing-Angebote oder Fahrradwege sind, desto häufiger wird das Auto stehen gelassen.«

Der FDP-Politiker forderte mehr Verständnis in der Bevölkerung für die individuelle Lebenssituation der Menschen. Bewohner ländlicher Regionen könnten nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Andersherum müsse »verstanden werden, dass eine bessere Rad-Infrastruktur und ein ÖPNV bis drei Uhr in der Nacht kein Luxus, sondern urbane Lebensrealität« sei, erklärte er.

»Identitätspolitischen Duellen, etwa zwischen Auto- und Fahrradfahrern«, erteilt Vogel eine Absage. »Für die Mobilität der Zukunft darf sich die deutsche Gesellschaft ruhig etwas bewegen und insgesamt alte Denkmuster hinter sich lassen.«

Vogel geht damit weit über das Wahlprogramm der FDP hinaus. Darin hieß es lediglich, das Fahrrad sei ein »umweltfreundlicher Verkehrsträger für die individuelle Fortbewegung«. Ziel müssten »mehr sichere Radwege und Radfahrstreifen« sein.

Die umstrittene Verkehrspolitik der Partei sorgte zuletzt für Diskussionen: FDP-Minister Volker Wissing will den Autobahnbau forcieren, wie aus einem Gesetzentwurf hervorgeht, der dem SPIEGEL vorliegt. Mehr dazu lesen Sie hier .

ani/AFP