Fiskus reformiert Kfz-Steuer Dicke Abgaben für dicke Autos

Die Bundesregierung will Autofahrer zum Umstieg auf weniger klimaschädlichere Modelle bewegen - und ändert die Kfz-Steuer. Auch Familienkutschen könnten dadurch teurer werden.
Für Neuwagen wie diese Exemplare in einem Auslieferungslager soll eine neue Kfz-Steuer gelten. Vor allem Spritschlucker werden dadurch teurer

Für Neuwagen wie diese Exemplare in einem Auslieferungslager soll eine neue Kfz-Steuer gelten. Vor allem Spritschlucker werden dadurch teurer

Foto: Ulrich Stamm / Future Image / imago images

Ausgerechnet in der Coronakrise will die Bundesregierung eine Abgabe erhöhen: Die Kfz-Steuer für Spritschlucker soll steigen, damit Deutschen weniger besonders klimaschädliche Autos kaufen.

Die Große Koalition will die Kohlendioxidemissionen im Verkehr um mindestens 40 Prozent verringern, doch die Bürger kaufen immer mehr große Geländewagen und SUV, die viel CO2 ausstoßen. Die neue Steuer soll dem entgegenwirken, schreibt das Finanzministerium in dem Gesetzentwurf, der am Freitag im Kabinett beschlossen werden könnte. Anschließend ist der Bundestag am Zug.

Höhere Steuern für große Neuwagen

Das Prinzip der neuen Berechnung lässt sich einfach zusammenfassen: höhere Steuern für dicke Autos. Dafür fließt außer der Hubraumgröße eine verschärfte Klimakomponente ein, die sich am CO2-Ausstoß des Autos und damit an dessen Spritverbrauch orientiert. Sie steigt in sechs Stufen von zwei bis auf vier Euro je Gramm Kohlendioxid pro Kilometer.

Konkret heißt das: Bis 95 Gramm CO2 je Kilometer liegt der Klimaaufschlag auf die Steuer bei null. Von 96 bis 115 Gramm fallen - wie bisher auch - zwei Euro je Gramm und Kilometer an. Ab einem CO2-Ausstoß von 116 Gramm pro Kilometer steigt die Klimakomponente im Vergleich zum bisherigen Steuersatz an: zunächst auf 2,20 Euro, dann auf 2,50 Euro, 2,90 und 3,40 Euro bis zu einem Spitzensatz von vier Euro für Autos mit einem CO2-Ausstoß von mehr als 195 Gramm je Kilometer.

Die meisten Autofahrer werden die Änderung erstmal nicht im Geldbeutel spüren, denn sie gilt nur für Neuzulassungen. Und auch hier müssen längst nicht alle mehr Geld zahlen. Elektroautos sind für zehn Jahre komplett von der Kfz-Steuer ausgenommen. Wer ein anderes Auto mit niedrigem CO2-Ausstoß kauft, zahlt ebenfalls nicht drauf. Aufschläge im Vergleich zur bisherigen Steuer gibt es erst ab einem CO2-Ausstoß von 116 Gramm pro Kilometer (Prüfzyklus NEFZ). Dadurch wird der durchschnittliche Neuwagen bei der Steuer in Zukunft 15,80 Euro im Jahr teurer.

Die Spanne reicht von wenigen Cent bis zu mehr als 100 Euro. So ändert sich bei einem typischen Kleinwagen wie dem Opel Corsa mit einem CO2-Ausstoß von 95 Gramm gar nichts. Eine klassische Familienkutsche wie der VW Passat, die 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstößt, würde einen Euro teurer.

Größer ist der Unterschied bei den beliebten SUVs, in deren Segment im vergangenen Jahr mehr als jeder fünfte Neuwagen fiel. Für einen VW T-Roc mit 151 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer fallen mit der neuen Berechnung 11,50 Euro mehr an, für einen Audi Q8 mit CO2-Ausstoß von 182 Gramm pro Kilometer müsste man fast 42 Euro mehr zahlen. Bei einem Sportwagen wie dem Porsche 911, der 215 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstößt, wären es 100 Euro mehr im Jahr, bei einem Ferrari 812 mit 340 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer satte 350 Euro.

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Foto: ULI_SONNTAG/ Auto-Medienportal.Net/ Hyundai

Umweltschützer kritisieren, der aus ihrer Sicht geringe Steueraufschlag werde niemanden vom Kauf seines Lieblingsautos abbringen. Wolle man einen tatsächlichen Effekt erzielen, so müssten nicht nur Spritschleudern teurer, sondern emissionsarme Autos gleichzeitig günstiger werden. Andere, etwa die FDP, fürchten einen großen Schaden für die wegen der Coronakrise ohnehin gebeutelte Autobranche, die an den beliebten SUV gut verdient.

ene/dpa
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