Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt Studie sieht große Vorteile bei Lastenrädern

Politisch sind Lastenräder umstritten, aus der Wissenschaft kommt nun erneut Zuspruch: Laut einer Untersuchung ersetzen die Gefährte viele Pkw-Fahrten – und sind häufig so schnell wie Autos.
Mit dem Lastenrad durch den Regen: Nicht immer und nicht für jeden eine Alternative zum Auto

Mit dem Lastenrad durch den Regen: Nicht immer und nicht für jeden eine Alternative zum Auto

Foto: Michael Gstettenbauer / imago images

Hohn und Spott haben die Grünen für ihren Vorschlag geerntet, den Kauf von Lastenrädern mit einem Zuschuss von 1000 Euro zu fördern. Als welt- und lebensfremd brandmarkten Politiker von Union, FDP und Linken den Vorschlag – und zählten genüsslich auf, wer mit einem derartigen Gefährt alles nichts anfangen könne.

Dabei scheinen die alternativen Verkehrsmittel nicht nur für wohlhabende Ökos in Berlin-Prenzlauer Berg, Hamburg-Eimsbüttel oder Köln-Ehrenfeld attraktiv zu sein. Gerade Menschen mit mittlerem oder geringem Einkommen, die sich kein Auto leisten können, hätten Interesse, legen Untersuchungen nahe.

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Und auch in vielen Logistik- und Handwerksbetrieben lassen sich Lastenräder offenbar sinnvoll einsetzen, wie eine Studie des Instituts für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) untermauert, aus der der Rundfunksender RBB zitiert . Die Forschenden hatten den Gebrauch von 150 Lastenrädern in einem Praxistest mit 750 Unternehmen und Einrichtungen untersucht. Insgesamt legten Nutzerinnen und Nutzer etwa 300.000 Kilometer mit ihnen zurück.

Ein zentrales Ergebnis: Die Fahrzeuge entlasten potenziell Straßen vom Verkehr. Zwei von drei Fahrten der Lastenrad-Tester sowie zwei von drei der gefahrenen Kilometer hätten Fahrten mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor ersetzt, sagte DLR-Forscher Johannes Gruber.

Zudem fanden die Wissenschaftler heraus, dass Fahrten mit dem Lastenrad oft nicht länger dauern als mit dem Auto. »Das Lastenfahrrad hat bis drei Kilometer kaum Fahrzeitnachteile«, zitiert der rbb Gruber. »Wenn jemand viele solcher Einzelfahrten zusammenhängt, dann kommen da schnell Tagesfahrleistungen von 30 bis 40 Kilometer heraus.«

Regierung fördert Anschaffung gewerblicher Lastenräder

Mehr als 100.000 Lastenräder wurden vergangenes Jahr in Deutschland gekauft. Die meisten davon waren Cargobikes mit Elektroantrieb, die sich auch für schwere Güter und längere Strecken außerhalb der Stadt eignen.

Die Bundesregierung fördert die Anschaffung gewerblicher Lastenräder bereits. In der hitzigen Debatte zuletzt ging es auch darum, ob Privatleute in den Genuss der Förderung kommen sollten. Dies ist in Österreich bereits der Fall.

In Städten könnten Lastenräder jede zweite Transportfahrt mit Auto oder Lieferwagen ersetzen, erklärten schon die EU-Verkehrsminister bereits 2015 in einer gemeinsamen Erklärung. »Lastenfahrräder sind nicht nur ein Gimmick«, sagte Wolfgang Aichinger, Projektleiter Städtische Mobilität bei Agora Verkehrswende, dem SPIEGEL.

Dass Lastenränder sich von allein flächendeckend durchsetzen, erwarten die DLR-Forschenden nicht. Eine Förderung sei sinnvoll, damit Betriebe über die Anschaffung der Gefährte nachdenken.

Vor allem müssen aber Wege und Parkmöglichkeiten hergerichtet werden. »Wir haben in unseren Ergebnissen feststellen können, dass die Nutzer signifikant eher bereit sind, ein Lastenrad statt dem Auto zu nutzen, wenn eine hochwertige Fahrradinfrastruktur vorhanden ist«, sagte Gruber.

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