Lufthansa-Tochter Swiss Schweizer Airline will ab 2023 mit Solartreibstoff fliegen

Als erste Fluggesellschaft überhaupt will Swiss ihre Flugzeuge mit einem Treibstoff betanken, der aus Sonnenenergie gewonnen wird – und das schon ab kommendem Jahr. Was muss man sich unter Solarkerosin vorstellen?
In Jülich stehen bereits mehr als 2000 Spiegel, die Sonnenlicht auffangen und bündeln sollen – um daraus Kerosin herzustellen

In Jülich stehen bereits mehr als 2000 Spiegel, die Sonnenlicht auffangen und bündeln sollen – um daraus Kerosin herzustellen

Foto: Synhelion

Nach eigenen Angaben will die Schweizer Airline Swiss  als erste Fluggesellschaft der Welt Solartreibstoff nutzen. Swiss und der Mutterkonzern Lufthansa würden dafür mit dem Schweizer Hersteller Synhelion zusammenarbeiten, teilte die Airline am Dienstag mit. 2016 hatten Forschende der Schweizer Universität ETH in Zürich das Unternehmen Synhelion gegründet.

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»Die Zusammenarbeit mit Synhelion basiert auf der gemeinsamen Vision, in Zukunft CO₂-neutrales Fliegen im regulären Flugbetrieb durch Solartreibstoffe möglich zu machen«, sagte der Chef der Airline, Dieter Vranckx, in einer Mitteilung . Philipp Furler, der CEO und Mitgründer von Synhelion, äußerte sich ebenfalls und sagte: »Wir glauben an eine globalisierte Welt, die durch klimafreundliche Mobilität verbunden ist. Wir freuen uns auf den Tag, an dem die erste Swiss-Maschine mit unserem Solarkerosin abhebt.«

Spiegel bündeln das Licht und lenken die Energie auf Solartürme

Allzu weit in der Zukunft soll dieser Tag nicht liegen: Schon 2023 will die Airline Swiss ihre Maschinen zu einem Teil mit Solarkerosin betanken.

Damit das möglich ist, wolle Synhelion noch in diesem Jahr die weltweit erste Anlage zur industriellen Produktion solarer Treibstoffe bauen. Entstehen soll die Anlage in Jülich in Nordrhein-Westfalen. Dort unterhält das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum schon jetzt eine Testanlage  für kommerzielle solarthermische Kraftwerke und für die Entwicklung solarer Brennstoffe. Diese Anlage besteht aus zwei sogenannten Solartürmen und mehr als 2000 beweglichen Spiegeln, die auf einer Fläche von etwa zehn Hektar aufgebaut sind. Diese Spiegel fangen das Sonnenlicht ein, bündeln es und lenken es zu den beiden Solartürmen. In einem der Türme laufen verschiedene Experimente ab, im anderen wird das konzentrierte Sonnenlicht über Dampferzeugung in einer Dampfturbine in Strom umgewandelt.

In einem Spiegel sind die beiden Solartürme der Testanlage in Jülich zu sehen

In einem Spiegel sind die beiden Solartürme der Testanlage in Jülich zu sehen

Foto: Synhelion

Auch für das Verfahren, das von Synhelion entwickelt worden ist, soll konzentrierte Solarwärme genutzt werden: Die Sonnenstrahlung werde über ein Spiegelfeld auf einen Empfänger konzentriert und in Hochtemperatur-Prozesswärme umgewandelt. Die so erzeugte Wärme – mit Temperaturen von mehr als 1500 Grad Celsius – werde in einen thermochemischen Reaktor geleitet, in dem unter der Zugabe von Wasser und CO₂ ein Synthesegas entstehe: ein Gemisch aus Wasserstoff (H2) und Kohlenstoffmonoxid (CO). Dieses Synthesegas werde dann mit der üblichen Gas-to-Liquids-Technologie zu Kraftstoffen wie Benzin, Diesel oder eben Flugzeugtreibstoff verarbeitet. Nach Angaben von Synhelion kann überschüssige Wärme in einem thermischen Energiespeicher gespeichert werden, um einen kontinuierlichen Betrieb rund um die Uhr zu ermöglichen.

Bei der Verbrennung werde später nur so viel CO₂ freigesetzt, wie zuvor bei dessen Herstellung verwendet wurde. Ein solcher »Sun-to-Liquid-Treibstoff« schließe den CO₂-Kreislauf, da er bei seiner Verbrennung nur so viel CO₂ freisetze, wie zuvor für dessen Herstellung verwendet wurde, hieß es von Synhelion. Solarkerosin sei ein wirtschaftlicher und ressourcenschonender Ersatz für fossile Treibstoffe, sagte der Mitgründer Furler.

Die Unternehmen teilten außerdem mit, dass sich die Partnerschaft von Synhelion mit Swiss und der Lufthansa Group auch über die Entwicklung einer geplanten kommerziellen Treibstoffanlage in Spanien erstrecke.

Das Ziel: 875 Millionen Liter Solartreibstoff pro Jahr

Nach eigenen Angaben will Synhelion bis zum Jahr 2030 875 Millionen Liter Solartreibstoff pro Jahr erzeugen. Damit ließe sich etwa die Hälfte des schweizerischen Treibstoffverbrauchs decken.

Solarkerosin wäre, wenn es zur Anwendung kommt, einer von verschiedenen nachhaltigen Flugtreibstoffen. Kerosin lässt sich zum Beispiel auch aus Biomasse gewinnen, doch wegen der begrenzten Verfügbarkeit werden Alternativen zu Biotreibstoffen benötigt. Flugkraftstoffe, die ohne die Verwendung von fossilen Energiequellen hergestellt werden, bezeichnet man auch als SAF: als Sustainable Aviation Fuels. Schon jetzt setzt die Lufthansa Group SAF ein, die aus gebrauchten Speiseölen hergestellt werden. Bislang aber machen SAF nur einen ausgesprochen kleinen Anteil des verfeuerten Flugtreibstoffes aus.

vki/dpa