Neuer Elektroantrieb Motorenhersteller Mahle erklärt Verbrennungsmotor für ersetzbar

Selbst ein Spezialist für Kolbenmaschinen hält die Tage von Benzin- und Dieselantrieben für gezählt. Der Autozulieferer Mahle verspricht mit einem neuartigen Elektromotor dauerhafte Höchstleistung.
Dauerläufer: SCT-Elektromotor von Mahle auf dem Prüfstand

Dauerläufer: SCT-Elektromotor von Mahle auf dem Prüfstand

Foto: Simon Schaller / MAHLE

Wer macht sich überhaupt noch für den Verbrennungsmotor stark? Der Stuttgarter Autozulieferer Mahle jedenfalls, mit historischen Wurzeln in der Konstruktion von Kolben ziemlich im Herzen dieser Antriebsmaschinen zu Hause, hat anderes im Sinn: Seine neueste Entwicklung, so teilte Mahle mit, mache den »Weg frei für die Ablösung des Verbrennungsmotors in allen Fahrzeugklassen«.

Für die großen Autohersteller oder auch Zulieferkonzerne wie Bosch, Continental oder Schaeffler mag es noch vergleichsweise leicht fallen, sich zur vollelektrischen Zukunft zu bekennen. Dass sogar Mahle dies nun tut, setzt ein Signal.

Allerdings betont Mahle, dass die Bedingungen für eine vollständige Elektrifizierung nur »motorseitig« reif seien. Probleme etwa in der Leistungsfähigkeit der Batterien, der Versorgung mit Rohstoffen, mit Strom aus erneuerbaren Quellen oder der nötigen Infrastruktur seien noch zu lösen. Auf absehbare Zeit werde der Verbrennungsmotor noch eine Rolle spielen: etwa im Schwerlastverkehr oder in Schwellenländern wie Brasilien. »Solange unsere Kunden diese Technologie nachfragen, werden wir die Komponenten dafür auch liefern«, sagte ein Mahle-Sprecher dem SPIEGEL. Auch technologische Alternativen wie Wasserstoffantriebe oder E-Fuels  seien global weiterhin im Spiel.

Dauerhaft 90 Prozent der Spitzenleistung

Dennoch sieht sich auch Mahle nun vor allem als »Enabler der Elektromobilität«. Vorgestellt wurde ein neuer Elektromotor, der als »unerreicht klein, leicht und effizient« angepriesen wurde. Größter Vorteil des neuen Aggregats, »Superior Continuous Torque« (SCT) genannt: Der Motor könne unbegrenzt lange mit hoher Leistung arbeiten. Neuen Messergebnissen zufolge erreiche die Dauerleistung mehr als 90 Prozent der Spitzenleistung. Mahle sprach von einem »Technologiesprung« und dem »ausdauerstärksten E-Motor«.

»Große E-Motoren zu bauen, die kurzfristig hohe Leistungen erbringen, ist einfach«, erklärte Martin Berger, Leiter der Konzernforschung. »Was am Markt bisher noch fehlte, um E-Fahrzeuge uneingeschränkt alltagstauglich zu machen, waren ausdauernde und gleichzeitig kompakte Antriebe.« Als Anwendungen, die dadurch elektrisch möglich würden, nannte Mahle die Fahrt eines E-Lkw über Gebirgspässe (die allerdings offenbar auch mit vorhandener Technik schon möglich ist) oder wiederholte Sprints eines batterieelektrischen Pkw.

Möglich werde die Dauerleistung Mahle zufolge durch eine Ölkühlung, mit der zugleich auch die Abwärme des Motors im Fahrzeug genutzt werden könne. Standardmäßig nutzt der Antrieb einen Permanentmagneten aus dem Seltenerdmetall Neodym. Diese Technik gilt als besonders effizient und platzsparend, allerdings gilt der Abbau des Metalls als umweltschädlich und wird zudem von China dominiert. Für Kunden, die »eine größere Unabhängigkeit von Rohstoffpreisen und geopolitischen Entwicklungen« wünschen, will Mahle den Motor auch ohne Magneten anbieten.

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Im vergangenen Jahr meldete Mahle bereits einen weiteren Durchbruch in der Technik für Elektromotoren. Während das neue Modell SCT, mit dem der Hersteller auch auf Nutzfahrzeuge zielt, innerhalb eines bestimmten Drehzahlbereichs besonders effizient sein soll, könne der damals vorgestellte Antrieb für Autos einen breiten Drehzahlbereich abdecken.

Autozulieferer wie Mahle gelten als Herausforderung für die Transformation von Verbrennungs- zu Elektromotoren. Das Unternehmen beschäftigte zuletzt noch mehr als 71.000 Menschen, steckt jedoch in einer Krise und baut immer wieder Jobs und ganze Standorte ab.

Inzwischen macht das Unternehmen, das auch Klimageräte anbietet, die Mehrheit seines Umsatzes nicht mehr mit der Verbrennertechnik. Mahle bietet längst auch Antriebe etwa für E-Bikes an, jetzt soll die Palette auf die Elektrifizierung aller Fahrzeuge ausgeweitet werden. Offiziell zählt auch »die weitere Optimierung von Verbrennungsmotoren« noch zur Konzernstrategie. Die neue Ankündigung klingt jedoch schon ganz anders.

Anmerkung der Redaktion: Mahle widerspricht der ursprünglichen Überschrift dieses Artikels, »Motorenhersteller Mahle erklärt Verbrennungsmotor für überflüssig«. Ein zusätzlicher Absatz wurde eingefügt, um die Position des Unternehmens klarzustellen.

ak
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