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Antrieb der Zukunft Mercedes-Betriebsratschef fordert Klarheit von Verkehrsminister Wissing

Nur noch Elektroautos? Verkehrsminister Wissing setzt auch auf E-Fuels und Wasserstoff. Für die Zukunft der deutschen Autoindustrie fordert Mercedes-Betriebsratschef Lümali nun eine klare Ansage.
aus DER SPIEGEL 30/2022
Produktion der Elektrolimousine EQS: Autohersteller könnten nicht »für mehrere Antriebsarten gleichzeitig hohe Entwicklungskosten stemmen«

Produktion der Elektrolimousine EQS: Autohersteller könnten nicht »für mehrere Antriebsarten gleichzeitig hohe Entwicklungskosten stemmen«

Foto: Mercedes-Benz AG – Communications & Marketing / Mercedes-Benz AG

Der Betriebsratschef von Mercedes-Benz, Ergun Lümali, fordert von der Politik mehr Klarheit beim Auto­antrieb der Zukunft. Zwar sei er grundsätzlich für Technologieoffenheit, erklärte Lümali bei einem Treffen mit Verkehrs­minister Volker Wissing (FDP). Konzerne, Länder und Kommunen benötigten jedoch Planungssicherheit, um den notwendigen Aufbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland zu forcieren.

Die Autohersteller könnten nicht »für mehrere Antriebsarten gleichzeitig hohe Entwicklungskosten stemmen, ohne zu wissen, wo die Reise hingeht«, sagt Lümali, der auch Vize­aufsichtsratschef bei Mercedes-Benz ist, dem SPIEGEL.

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Vergangene Woche haben sich Lümali und die Betriebsratsvorsitzenden der anderen deutschen Hersteller mit Wissing in Frankfurt am Main im Rahmen einer Veranstaltung der Gewerkschaft IG Metall getroffen, um die Verkehrs­wende und deren Folgen für den Standort zu diskutieren. Der Minister hatte sich wiederholt dafür ausgesprochen, neben der E-Mobilität auch andere Antriebsarten wie E-Fuels oder die Brennstoffzelle voranzutreiben.

»Synthetischer Kraftstoff wird das Dreifache kosten«

Ende Juni beschlossen die Umweltminister der EU-Mitgliedsstaaten zwar, ab 2035 die Neuzulassung von Autos mit Verbrennungsmotor zu verbieten – und damit dem Vorschlag der Kommission nachzukommen.

Aus: DER SPIEGEL 30/2022

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Die FDP hat über Wissing und Finanzminister Christian Lindner jedoch eine Einschränkung durchgesetzt: Die EU soll nun einen Vorschlag unterbreiten, wie nach 2035 noch »ausschließlich mit CO2-neutralen Kraftstoffen betriebene Fahrzeuge« neu zugelassen werden können. Damit sind synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, gemeint. Dieser Benzinersatz könnte die Klimabilanz von Autos mit Verbrennungsmotor verbessern. Allerdings müssten für die FDP-Idee neue Fahrzeuge entwickelt werden, die gar kein Benzin oder Diesel mehr tanken können. Der Beschluss wirft in Brüssel noch weitere Fragen auf .

In der Autoindustrie sorgte der Vorstoß teilweise für Unverständnis. So hat sich Europas größter Autohersteller Volkswagen längst auf den Batterie-elektrischen Antrieb als Zukunftstechnologie festgelegt. Heute koste der Sprit schon rund zwei Euro pro Liter, erklärte VW-Konzernchef Herbert Diess im SPIEGEL-Gespräch , »synthetischer Kraftstoff wird wegen seiner deutlich schlechteren Energieeffizienz das Dreifache kosten.«

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Für den Porsche-Fahrer, der seinen alten 911er weiterfahren wolle, seien E-Fuels eine Option, »für den Mainstream ist das E-Auto die deutlich bessere Lösung«. Auch VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo hält ein Festhalten an Verbrennerfahrzeugen nicht für sinnvoll – selbst wenn diese mit E-Fuels betrieben werden: »Der Elektromobilität gehört die Zukunft.«

Der Stuttgarter Wettbewerber Mercedes-Benz setzt ebenfalls auf Batteriefahrzeuge. Schon vor einem Jahr hatte der Premiumhersteller angekündigt, man wolle bis Ende des Jahrzehnts bereit sein, vollelektrisch zu sein. Betriebsratsvorsitzender Lümali sagt: »Die Indus­trie hat ihre Weichen bereits gestellt.«

mhs, sh
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