Abzocke im Urlaub So kontern Sie dreiste Autovermieter aus

Fantasieschäden, teure Tankpauschalen, überflüssige Versicherungen: Wer ein Auto mietet, wird bei der Abrechnung mitunter böse überrascht. Viele Abzocktricks lassen sich aber abwehren.
Mietwagen: Es werden Extrakosten in Rechnung gestellt, die keineswegs immer gerechtfertigt sind

Mietwagen: Es werden Extrakosten in Rechnung gestellt, die keineswegs immer gerechtfertigt sind

Foto: NomadSoul / Panthermedia / imago images

Das Auto ist abgegeben, der Urlaub vorüber — und dann kommt eine freche, völlig überhöhte Rechnung. Das ist bei Mietwagen oft bittere Realität. Vermietungen machen etwa angeblich ausgebesserte Lackkratzer geltend oder Reifenschäden, einen nachträglich gefüllten Tank oder eine Sonderreinigung des Innenraums. Und das bedeutet meist: Es wird richtig teuer.

Dabei sind die Mietwagenpreise in diesem Jahr ohnehin so hoch wie lang nicht mehr. Auf der Balearen-Insel Ibiza etwa schossen die Preise für ein Leihauto, verglichen mit dem Jahr 2019, um bis zu 235 Prozent nach oben. Ein Mietwagen kostet dort im Schnitt knapp 70 Euro pro Tag, 2019 lag dieser Wert bei rund 20 Euro, wie das Vergleichsportal Check24 festgestellt hat. Umso ärgerlicher, wenn noch Extrakosten in Rechnung gestellt werden, die keineswegs immer gerechtfertigt sind. Der SPIEGEL nennt die typischen Tricks von Autovermietern und gibt Tipps, wie Sie sich wehren können.

Der »Alte Kratzer«-Trick

Mietwagen werden oft in eher düsteren Parkhäusern oder Tiefgaragen übergeben. Vorschäden am Auto, etwa Kratzer im Lack oder kleine Steinschläge in der Windschutzscheibe, sind so nur schwer zu erkennen. Das Problem: Werden diese Kratzer später nach der Rückgabe moniert, muss der Mieter womöglich dafür zahlen, obwohl er den Schaden gar nicht verursacht hat. Grundsätzlich sollten alle Vorschäden auf dem Übergabeprotokoll vermerkt sein, das bei der Schlüsselübergabe ausgehändigt wird. Ist das nicht der Fall, »muss der Mieter darauf bestehen, dass sie eingetragen werden«, rät der ADAC. Andernfalls kann es teuer werden.

»Für Schäden, die eigentlich kostengünstig repariert werden könnten, wird dann auch mal der komplette Austausch eines Fahrzeugteils, zum Beispiel eines Stoßfängers, in Rechnung gestellt«, sagt Thomas Laske, Rechtsanwalt und Fachmann bei der Verbraucherzentrale in Hamburg VZHH. Autovermietungen sind aber nicht dazu verpflichtet, Kratzer im Lack auszubessern. »Derselbe Schaden könnte also theoretisch mehreren Kunden berechnet werden«, so Laske.

Tipp: Bei Abholung und Rückgabe alles im, am und ums Auto herum mit dem Smartphone abfotografieren und so den Zustand des Fahrzeugs bestmöglich dokumentieren. Idealerweise ist eine zweite Person, die nicht im Mietvertrag steht, als Zeuge dabei. Deren Aussage und die Bilder können dann die entscheidenden Trümpfe im Kampf gegen den Abzockversuch sein.

Die »Volltanken«-Masche

Für Mietwagen gibt es verschiedene Tankregularien. Experten raten zur Regelung »voll/voll«: Der Wagen wird vollgetankt abgeholt und auch mit vollem Tank wieder abgegeben. Der Vorteil: So werden nur die Spritkosten für die tatsächlich zurückgelegten Kilometer gezahlt. Ist der Tank in so einem Fall bei der Rückgabe nicht voll, wird es allerdings teuer. Denn Vermieter, die den Wagen selbst auftanken müssen, berechnen oft satte Pauschalen. Und das kommt manchmal auch vor, obwohl das Auto vollgetankt zurückgegeben wurde.

Tipp: Heben Sie die Tankbelege auf. Fotografieren Sie zudem die Tankanzeige, wenn Sie das Auto abgeben. »Dadurch lassen sich teils überhöhte Tankpauschalen vermeiden«, so der ADAC.

Teure Zusatzversicherung

Autovermietungen arbeiten in Urlaubsregionen häufig mit örtlichen Vertretungen zusammen. Diese drängen mitunter darauf, zusätzliche Autoversicherungen abzuschließen. Die Verträge liegen dann jedoch nur in der Landessprache oder auf Englisch vor. Aus Unsicherheit wird dann häufig eine unnötige und meist teure Zusatzversicherung abgeschlossen.

Tipp: »Über die gängigen Portale vorab bei der Onlinebuchung eine Vollkaskoversicherung mit abzuschließen, reicht grundsätzlich aus. Zusätzliche Versicherungen vor Ort sind dann in der Regel nicht nötig«, sagt VZHH-Experte Laske.

Die Offroad-Unterstellung

Es gibt Terrains, auf denen Mietautos laut Vertrag nicht gefahren werden dürfen, zum Beispiel in offenem Gelände. So sollen Lack- und Steinschlagschäden reduziert werden. Ist der Mietwagen dann bei Abgabe stark verschmutzt und es finden sich zusätzlich Macken am Auto, stellen manche Vermieter den Verstoß gegen dieses Verbot in Rechnung.

Tipp: Bei der Anmietung auf Vorschäden achten. Ist das Auto vor der Rückgabe arg verschmutzt, besser einmal durch die Waschstraße fahren. So lassen sich später unnötige Kosten vermeiden.

Die Sandfalle

Oft gehört ein Ausflug an den Strand zum Urlaub. Sand im Innenraum lässt sich dann nicht komplett vermeiden. Doch auch das kann teuer werden. Einige Vermieter veranschlagen in solchen Fällen eine Sonderreinigung für »übermäßige« Verschmutzung. »Was übermäßige und was normale Verschmutzung ist, das ist nicht definiert. Das versuchen die Vermieter durchaus auch mal für sich zu nutzen«, so Laske.

Tipp: Ist das Auto sandig, empfiehlt sich das Aussaugen vor der Abgabe. Zudem ist es ratsam, den Zustand des Innenraums bei Abgabe per Foto zu dokumentieren. Die Bilder sind im Zweifelsfall Beweismaterial.

Die Zweite-Kreditkarte-Bestimmung

Häufig müssen bei der Anmietung eines Cabrios in Spanien gleich zwei Kreditkarten hinterlegt werden, und beide müssen auf den Fahrzeugmieter ausgestellt sein. Die Karte einer anderen Person wird nicht akzeptiert. Hat der Mieter keine zwei Kreditkarten, erhält er den Wunschwagen nicht. Stattdessen wird dann die Buchung eines anderen Fahrzeugs mit deutlich geringeren Wert vorgeschlagen — die Kostendifferenz wird jedoch nicht unbedingt zurückerstattet. »Der Mieter zahlt dann Cabrio-Preis, fährt aber ein geschlossenes Fahrzeug«, so Laske.

Tipp: Erkundigen Sie sich vorab beim Vermieter, gerade bei teuren Mietwagen, ob zwei Kreditkarten einer Person vorliegen müssen.

Fünf weitere Dinge, die Mietwagenkunden beachten sollten

  • Strafzettel unbedingt bezahlen! Der Vermieter wird die Kreditkarte ansonsten mit der Buße plus eigener Bearbeitungsgebühr belasten.

  • Zubehör wie Kindersitze, Dachgepäckträger und Co. unbedingt vorab dazubuchen. Vor Ort wird das oft kostspielig.

  • Mietwagen pünktlich abgeben! Zum einen, weil ein Miettag aus 24 Stunden besteht. Kommt der Wagen auch nur ein paar Minuten später zurück, wird meist ein ganzer Tag zusätzlich berechnet. Zudem endet ein erweiterter Versicherungsschutz zum vereinbarten Termin. Bei einem Unfall danach gilt nur die Standardversicherung. Auch die reduzierte Selbstbeteiligung der Vollkasko gilt dann nicht mehr. Es kann also teuer werden.

  • Zweitfahrer immer mit anmelden! Bei unangemeldeten Fahrern hinter dem Steuer erlischt der Versicherungsschutz. Im Schadensfall müssen dann sämtliche Kosten selbst getragen werden.

  • Möglichst früh und online buchen. Im Gegensatz zu Last-Minute-Pauschalreisen lässt sich bei einer Mietwagenbuchung in letzter Sekunde eigentlich nie ein Schnäppchen schlagen. Der Vergleich verschiedener Angebote ist online zudem viel einfacher als vor Ort.

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