Verloren im Tarifdschungel Technischer Leiter von Bahn-Tochter fährt aus Versehen schwarz

Da blickt selbst das eigene Personal nicht mehr durch: Der technische Leiter von DB Vertrieb wurde beim Schwarzfahren erwischt, dabei hatte er den korrekten Fahrpreis bezahlt.
S-Bahnstation Hackerbrücke in München: Das 49-Euro-Ticket würde bundesweit in allen Tarifzonen des Nahverkehrs gelten

S-Bahnstation Hackerbrücke in München: Das 49-Euro-Ticket würde bundesweit in allen Tarifzonen des Nahverkehrs gelten

Foto: Nicolas Armer/ dpa

Es ist eine Posse im Tarifdschungel des öffentlichen Verkehrs: Ausgerechnet der technische Leiter von DB Vertrieb, Ralf Gernhold, wurde beim Schwarzfahren erwischt – dabei hatte er nach eigenen Angaben den korrekten Fahrpreis entrichtet, aber für das falsche Ticket. Für ihn ist seine unfreiwillige Schwarzfahrt ein klares Argument für die Einführung eines bundesweit einheitlichen Tickets für den Nahverkehr, besser bekannt als 49-Euro-Ticket.

Gernhold schildert sein Erlebnis selbst auf einem Jobportal : Er ist demnach in München unterwegs gewesen. Eigentlich wohnt er jedoch in Frankfurt am Main, im Nahverkehr der bayerischen Hauptstadt kenne er sich dagegen nicht aus. Guten Gewissens habe er ein Ticket für 3,90 Euro gekauft. Bei der Kontrolle stellte sich dann heraus: Der Preis ist zwar richtig, aber Gernhold war in der falschen Zone unterwegs. Er muss nun ein erhöhtes Beförderungsentgelt von 60 Euro zahlen.

Regionale Verkehrsbetriebe regeln ihre Tarife normalerweise selbst. Dadurch gibt es regional unterschiedliche Tarifzonen oder Ringe. Das System ist schwer zu durchschauen für Menschen, die neu im jeweiligen Nahverkehr unterwegs sind.

Das Bußgeld sei zwar gerechtfertigt, schreibt Gernhold. Er habe aber nicht in illegaler Absicht gehandelt, das habe er auch der freundlichen Kontrolleurin glaubhaft machen können. Mit einem bundesweit einheitlichen Ticket für den Nahverkehr für alle Tarifzonen wäre ihm der Lapsus nicht passiert.

Die digitale, bundesweit gültige Fahrkarte ist für einen Einführungspreis von 49 Euro im Monat in einem monatlich kündbaren Abonnement vorgesehen – das ist grundsätzlich beschlossen. Das Ticket ist der Nachfolger des millionenfach verkauften 9-Euro-Tickets aus dem Sommer. Es soll dazu beitragen, dass mehr Menschen vom Auto auf Busse und Bahnen umsteigen. Gerade der Verkehrsbereich hinkt bei Klimazielen hinterher. Kritiker monieren, zunächst müsse vor allem auf dem Land das Angebot ausgebaut werden.

Das 49-Euro-Ticket, das ursprünglich schon zum Jahreswechsel kommen sollte, steht allerdings auf der Kippe .

koe
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