Start der Rabattaktion Schon zehntausende Neun-Euro-Tickets verkauft

Erste Verkehrsverbünde bieten das Neun-Euro-Ticket bereits an diesem Wochenende an – und stoßen auf großes Interesse. Am Montag geht es mit der Rabattaktion für den Nahverkehr richtig los.
Verkaufsschlager: Die meisten Neun-Euro-Tickets wurden per App gebucht

Verkaufsschlager: Die meisten Neun-Euro-Tickets wurden per App gebucht

Foto: Oliwia Nowakowska / picture alliance/dpa

Das Neun-Euro-Ticket findet zehn Tage vor dem offiziellen Start bereits reißenden Absatz. Am Wochenende zeichnete sich ein großes Interesse vieler Menschen an der stark vergünstigten Monatskarte ab, die Pendlerinnen und Pendler im Nahverkehr entlasten soll. Im Hamburg und Berlin, wo die Verkehrsverbünde schon am Freitag mit dem Onlineverkauf begonnen hatten, wurden jeweils zehntausende Tickets verkauft.

In den ersten 24 Stunden nach Verkaufsstart wurden in Hamburg 56.000 Neun-Euro-Tickets über die App und den Onlineshop des Hamburger Verkehrsverbunds geordert, wie die »Bild am Sonntag« berichtete. Die Zahlen der Servicestellen seien dabei noch nicht mit eingerechnet.

Auch in Berlin hatte die Verkehrsgesellschaft BVG bereits am Freitagmittag mit dem Verkauf begonnen. Bis Mitternacht wurden laut einem Sprecher 35.000 Tickets verkauft, fast drei Viertel davon per App. Zahlen für Samstag nannten die Verkehrsbetriebe noch nicht. Die S-Bahn Berlin machte zu ihrem eigenen Verkauf ebenfalls keine Angaben. In Wuppertal konnten Interessierte das Ticket sogar schon am Mittwoch kaufen – bevor das Budget dafür politisch beschlossen war.

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Im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund MVV ist das Ticket, ebenso wie bei großen Verkehrsverbünden in Nordrhein-Westfalen oder etwa dem Rhein-Main-Verkehrsverbund RMV, ab Montag erhältlich. Auch die Deutsche Bahn bietet die Neun-Euro-Monatskarte »ab den frühen Morgenstunden« am Montag an.

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hatte den Bedarf an den stark vergünstigten Tickets zuvor grob auf 30 Millionen geschätzt. Als »großes Experiment« sieht die Branche den erwarteten Ansturm – vor allem, wenn das Ticket an langen Wochenenden wie Pfingsten oder während der Sommerferien nicht nur zum Pendeln, sondern auch zum Reisen genutzt wird.

Bahn setzt 50 Sonderzüge ein

Für Fernzüge und -busse gilt der Rabatt nicht. Doch auch dort »erwarten wir recht volle Züge«, sagte ein Bahnsprecher am Samstag. Die Deutsche Bahn setze deshalb rund um die langen Wochenenden an Himmelfahrt (26.5.), Pfingsten (5./6.6.) und Fronleichnam (16.6.) 50 Sonderzüge ein. Diese sollen vor allem auf stark nachgefragten Verbindungen wie zwischen Hamburg und München oder zwischen Nordrhein-Westfalen und Berlin zum Einsatz kommen. Die zusätzlichen Züge sind den Angaben zufolge bereits zu buchen.

Das Neun-Euro-Ticket gibt es für den Zeitraum von Juni bis August. Es ermöglicht die bundesweite Nutzung des gesamten öffentlichen Nahverkehrs wie etwa Linienbusse, U-Bahnen oder auch Regionalzüge für jeweils neun Euro pro Kalendermonat. Wer bereits ein Nahverkehrsabo hat, bekommt die sonst fälligen Kosten auf neun Euro ermäßigt. Allein bei der BVG betrifft das rund 870.000 Fahrgäste. Die konkrete Ausgestaltung liegt in den Händen der Länder und Kommunen, da sie für den ÖPNV zuständig sind.

Am Freitag hatte der Bundesrat trotz heftiger Kritik der Länder an fehlenden Bundesmitteln den Weg für das Ticket freigemacht, das Teil der Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung für die Verbraucherinnen und Verbraucher ist. Das Ticket soll außerdem mehr Menschen vom klimafreundlicheren Bus- und Bahnfahren überzeugen – wirft aber auch ein Schlaglicht auf den generellen Zustand des öffentlichen Personennahverkehrs und die Finanzierung des ÖPNV. Wie groß die Umsteigelust allerdings unter Autofahrern ist, muss sich noch zeigen. Denn zeitgleich kommt eine Kostenbremse beim Tanken, die der Bundesrat ebenfalls passieren ließ.

Kritik äußerte am Wochenende der Präsident des Deutschen Landkreistags, Reinhard Sager (CDU). »Es werden wieder einmal Milliardenbeträge für Konsumausgaben ausgeschüttet, als ob es kein Morgen gäbe«, sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Samstag. Dringender als das Neun-Euro-Ticket würden aber Investitionsmittel für die kommunale Infrastruktur benötigt, sagte Sager, der Landrat von Ostholstein ist.

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sprach sich unterdessen dafür aus, dass es auch über die drei Monate hinaus einen deutlich günstigeren ÖPNV geben müsse. »Das Neun-Euro-Ticket sollte mindestens bis Jahresende gelten«, sagte er dem Berliner »Tagesspiegel«.

ak/AFP/dpa-afx