Länder geben Widerstand auf Bundesrat stimmt für Neun-Euro-Ticket

Der Bundesrat hat dem Entlastungspaket der Ampelkoalition zugestimmt. Damit ist der Weg frei für günstiges Fahren mit Bus und Bahn. Woran es Kritik gab und gibt und wo man das Ticket nun kaufen kann.
S-Bahn: Mit Neun-Euro-Monatstickets im Juni, Juli und August bundesweit den Nah- und Regionalverkehr nutzen

S-Bahn: Mit Neun-Euro-Monatstickets im Juni, Juli und August bundesweit den Nah- und Regionalverkehr nutzen

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Marijan Murat / dpa

Freie Fahrt für das Neun-Euro-Ticket: Der Bundesrat stimmte am Freitag der Sonderaktion zu, die von 1. Juni an drei Monate lang gelten soll.

Das Ticket ist Teil des Entlastungspakets der Ampelkoalition, zugleich soll es Autofahrer ermuntern, auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen. Außerdem entlastet es Millionen Menschen, die kein Auto haben, von den Preissteigerungen infolge des Ukrainekriegs.

Die Sondertickets gelten im Juni, Juli und August im bundesweiten Nah- und Regionalverkehr – für je neun Euro im Monat, also viel günstiger als normale Monatskarten. Diese kosten mitunter mehr als hundert Euro.

Der Bundestag hatte bereits am Donnerstagabend den Weg für das Neun-Euro-Ticket im Bund freigemacht. Dort und im Bundesrat ging es um zusätzliche Mittel zur Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs für die Länder in Höhe von 3,7 Milliarden Euro für dieses Jahr. Davon sind 2,5 Milliarden Euro für das Neun-Euro-Ticket vorgesehen.

Große Chance, aber »noch fährt kein Bus mehr«

In den Reden vor der Abstimmung lobten viele Länderchefs das Ticket, wiesen jedoch darauf hin, dass die Bundesregierung auch längerfristig den öffentlichen Nahverkehr mehr bezuschussen müsse. Die Regierung habe keinen Plan, was nach der Aktion Ende August passieren soll. Doch auch dann würden die Energiekosten wahrscheinlich noch sehr hoch sein, bemängelte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) kritisierte die »kurzfristige Rabattaktion«. Der Bund müsse die gesamten Kosten tragen und dürfe die Zuschüsse nicht deckeln. »Die Idee des Tickets ist gut gemeint, aber es läuft Gefahr, zu einem Strohfeuer zu werden.« Diese Sorge äußerte auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Doch seine Drohungen gegen den Plan zu stimmen, machte er am Ende nicht wahr.

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Auch FDP-Ministerinnen wie Lydia Hüskens aus Sachsen-Anhalt und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) aus Mecklenburg-Vorpommern wiesen darauf hin, dass der Nahverkehr gerade auf dem Land dringend mehr Mittel brauche. Dennoch stimmten auch die Kritikerinnen für den Vorschlag der Bundesregierung.

Das Neun-Euro-Ticket sei eine »Riesenchance« für klimafreundliche Mobilität, sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) bereits am Donnerstagabend. Aus seiner Sicht sei das Vorhaben schon jetzt ein Erfolg: »Ganz Deutschland spricht vom öffentlichen Personennahverkehr.« Die Bundesregierung wisse, dass sie Geld in die Hand nehmen müsse, sagte der Minister kurz vor der Abstimmung, um die Länder zu einer Zustimmung zu bewegen.

Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge sagte: »Für die Menschen, die gerade jetzt angesichts hoher Kosten auf Entlastung angewiesen sind, ist es wichtig, dass das Neun-Euro-Ticket zum 1. Juni in Kraft tritt.«

Befürchtung von Kritikern: Es könnte auf befahrenen Strecken noch voller werden

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Foto: Jochen Eckel / imago images

Umweltverbände zeigten sich zufrieden: Das sei grundsätzlich ein guter Ansatz, sagte der Verkehrsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Jens Hilgenberg. Wichtiger sei jedoch, dass der Bund dauerhaft deutlich mehr Geld für bessere Angebote in der Fläche zur Verfügung stelle. »Durch das Neun-Euro-Ticket fährt erst mal kein zusätzlicher Bus im ländlichen Raum«, sagte Hilgenberg. Aber gerade dort müssten Alternativen zum eigenen Auto deutlich gestärkt werden.

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Das Sommerferien-Ticket: Montag geht es los

Die Anbieter stehen schon in den Startlöchern: Bus- und Bahnbetreiber sowie Verbünde haben vor Wochen begonnen, das Angebot in Fahrkartenautomaten, Internetseiten und Apps zu integrieren. »Alle Unternehmen haben uns signalisiert, dass sie technisch bereit sind und dass es losgehen kann«, hieß es etwa beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg. Viele Anbieter – darunter die Deutsche Bahn – wollen am Montag den Verkauf freischalten. Einige starten schon Samstag.

Einzelne Anbieter haben sogar bereits die ersten Tausend Tickets verkauft. In Stuttgart und Freiburg kann man seit einigen Tagen schon Neun-Euro-Tickets kaufen – Tausende Kunden haben bereits zugegriffen. In Hamburg soll der Verkauf am Freitag beginnen.

Das Ticket soll an Automaten, Ticketschaltern oder online bei den Verkehrsunternehmen zu kaufen sein. Die Branche plant auch eine gemeinsame Internetverkaufsplattform.

Wer schon ein Monats- oder Jahresabo hat, soll in den drei Monaten nur mit jeweils neun Euro belastet werden. Die Abonnenten bekommen Nachricht von ihrem Anbieter oder dem Verkehrsverbund, wie die Verrechnung konkret aussieht: über eine Reduzierung des Bankeinzugs oder per Erstattung der Differenz. Derartige Regeln sollen auch bei Semester- oder Jobtickets gelten.

Für die Mitnahme von Fahrrädern gilt: Nur wenn ein bestehendes Abo dies vorsieht, kann ein Fahrrad mitgenommen werden – allerdings nur im jeweiligen Abo-Geltungsbereich, wie das Bundesverkehrsministerium erläutert. Generell muss sonst ein Fahrradticket dazugebucht werden. Die Bahn schickte schon vorsichtshalber als Warnung voraus, dass die Fahrradmitnahme wegen absehbar voller Züge nicht garantiert sei. An Feiertagen sollte man lieber darauf verzichten.

nck/sug/dpa