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Beschleunigungswunder für die Baustelle

Foto: Nicolamotor

Fast 1000 Kilometer Reichweite Nikola will Tesla mit Wasserstoff-Pick-up Konkurrenz machen

Der US-Hersteller Nikola fiel bisher vor allem mit Schlagzeilen zum Wasserstoff-Lastwagen auf. Nun will das Start-up Tesla mit einem Pick-up Paroli bieten.

Bisher war Nikola vor allem in der Nutzfahrzeugbranche bekannt. Das Start-up aus Phoenix im US-Bundesstaat Arizona will Schwerlast-Lkw mit Brennstoffzellenantrieb herstellen. Nun möchte das Unternehmen offenbar auch mit einem Pick-up den Markt erobern und dem kalifornischen Elektroautohersteller Tesla Konkurrenz machen, der kürzlich mit dem Cybertruck einen Elektro-Pick-up präsentierte. Eine Konkurrenz, die sich bereits im Namen beider Unternehmen zeigt, der jeweils nach dem Physiker Nikola Tesla lautet.

Der jetzt von Nikola auf den Namen Badger getaufte Pritschenwagen trumpft gleich mit mehreren Superlativen auf: Der Hersteller verspricht eine Spitzenleistung von 906 Pferdestärken - in neuer Währung 676 Kilowatt, im Dauerzustand soll der Pritschenwagen 339 Kilowatt leisten können - und ein Drehmoment von 1329 Nm. Die Beschleunigung von null auf 60 Meilen pro Stunde (96,56 km/h) soll der Badger in 2,9 Sekunden absolvieren.

Brennstoffzelle und Batterie sollen für hohe Leistung sorgen

Eine Kombination aus Batterien und Brennstoffzellen sollen dem Pritschenwagen zu einer Reichweite von 966 Kilometern verhelfen - und so sämtliche elektrischen, aber auch konventionellen Konkurrenten übertreffen. Die nötige Energie für die hohe Leistung soll aus einer Lithium-Ionen-Batterie mit 160 Kilowattstunden Kapazität und einem Brennstoffzellensystem mit einer Leistung von 120 Kilowatt kommen. Ob beide den Pick-up gemeinsam antreiben oder der nötige Strom nur aus der Batterie kommt, soll der Fahrer per Knopfdruck entscheiden können.

Die rein elektrische Reichweite sowie die Reichweite im Brennstoffzellenbetrieb sollen Herstellerangaben zufolge bei jeweils rund 483 Kilometern liegen. Unter welchen Bedingungen oder nach welchem Testverfahren diese Werte erreicht werden, erklärte der Hersteller jedoch nicht.

Sportwagen-Leistungen für die Baustelle

Trotz der sportwagenähnlichen Leistung richtet sich der Badger aber an eine klassische Gruppe von Pick-up-Käufern: Kleine Bauunternehmen und Handwerker. So erklärte der Vorstandsvorsitzende Trevor Milton, der Markt sei bereit für einen Pick-up, "der einen vollen Arbeitstag schaffe, ohne dass ihm die Energie ausgehe". Der Nikola Badger soll nach Angaben des Herstellers auch eine 15-Kilowatt-Steckdose erhalten, mit der Werkzeuge und Lampen betrieben werden können und 3,6 Tonnen schwere Anhängelasten ziehen können.

Was der Badger in der Serienversion tatsächlich leisten und wie viel er kosten wird, ist jedoch noch unklar. Details will Nikola erst im September 2020 bei der Präsentation des Pritschenwagens bekannt geben, Interessenten sollen den Wagen auch erst dann vorbestellen können.

Die Nikola-Technologien aus dem Lkw-Bereich für einen Pick-up zu nutzen ist sinnvoll, das Segment gilt als eines der wichtigsten auf dem US-Automarkt, rund 17 Prozent der dort verkauften Neuwagen sind Pick-ups - Tendenz steigend. Trotz der Dominanz großer Benzinmotoren und der für die Elektrifizierung nötigen großen und schweren Batterien gilt der E-Antrieb in diesem Segment nicht als chancenlos.

Große Konkurrenz auf dem Markt für E-Pick-ups

Denn viele Pick-ups werden als Zugfahrzeuge genutzt, genau hier können Elektromotoren mit ihrem großen Drehmoment punkten - obwohl Elektroautos bisher aufgrund ihrer geringen Anhängelasten als schlechte Zugmaschinen galten. Das dies nicht so sein muss, zeigte das Tesla Model X mit einer Anhängelast von 2250 Kilogramm.

Das Potenzial der E-Pick-ups haben jedoch auch andere Start-ups sowie klassische Automobilhersteller bereits entdeckt und Nikola muss mit jeder Menge Konkurrenz rechnen - zusätzlich zu Teslas Cybertruck, dessen Produktion Ende 2021 beginnen soll. So will das Start-up Rivian bereits 2020 den E-Pick-up R1T auf den Markt bringen, der 650 Kilometer Reichweite, und eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in drei Sekunden bieten soll.

Im Kampf um Kunden klassischer "Arbeitspferde" möchte auch das Start-up Bollinger mitmischen: Dessen Modell B2, das äußerlich an einen klassischen Land Rover in der Größe eines Hummers erinnert, bietet trotz eines 120-kWh-Akkus zwar nur eine Reichweite von rund 320 Kilometern - dafür aber eine Zuladung von fünf Tonnen und eine auf 2,44 Meter Länge erweiterbare Ladefläche. Erste Exemplare des 125.000 US-Dollar teuren Wagens sollen bereits im Jahr 2020 ausgeliefert werden.

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Fotostrecke: Teslas Pick-up-Konkurrenz

Foto: Atlis Motor Vehicles

Als größte Konkurrenten könnten sich jedoch die klassischen US-Autohersteller entpuppen: So präsentierte Ford bereits eine Elektrovariante des Verkaufsschlagers F-150, der Medienberichten zufolge 2021 auf den Markt kommen soll.

Und auch General Motors (GM) will sich das neue Segment nicht entgehen lassen: Der Hersteller gab mit einem Superbowl-Werbespot einen Ausblick auf seinen Elektro-Pick-up, den GM bereits am 20. Mai 2020 präsentieren will.

ene
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