Österreich Tirol beschließt Fahrverbote für laute Motorräder

Wer zu laut röhrt, darf nicht in die Berge: Auf beliebten Ausflugsstrecken in Tirol sind ab 10. Juni Motorräder verboten, deren Standgeräusch 95 Dezibel überschreitet. Die Sperrungen gelten auch für Touristen.
Die Alpenrepublik ist ein beliebtes Ziel für Motorradtouristen. Das hinterlässt Spuren bei Mensch und Natur

Die Alpenrepublik ist ein beliebtes Ziel für Motorradtouristen. Das hinterlässt Spuren bei Mensch und Natur

Foto: Jochen Tack/ Jochen Tack/ imago images

Österreich macht Ernst: Während in Deutschland noch über ein Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen für laute Motorräder diskutiert wird, sperrt das Land Tirol beliebte Bergstraßen im Außerfern für Maschinen, die laut Zulassung einen Nahfeldpegel von über 95 Dezibel aufweisen. Die Gesetzesänderung tritt am 10. Juni in Kraft und gilt auch für Urlauber. Wer gegen die Sperrung verstößt, muss mit einer Geldstrafe von 220 Euro rechnen, teilte die Landesvertretung mit.

Entlastung der Strecken im Sommer

Betroffen sind die beliebten Ausflugsstrecken Bschlaber-, der Hahntennjoch-, der Lechtaler-, der Berwang-Namloser und der Tannheimerstraße. "Diese in Österreich erstmals auf Lärm basierenden Fahrverbote sollen zu einer spürbaren Entlastung für Mensch und Natur führen", so Verkehrslandesrätin Ingrid Felipe. Sie gelten bis Ende Oktober.

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Die Maßnahme resultiert aus einer Lärmstudie aus dem vergangenen Jahr . Aus ihr gehe klar hervor, dass der Motorradverkehr an den Sommerwochenenden und insbesondere das hochtourige Fahren bei Beschleunigungs- und Bremsvorgängen am meisten störend für die Befragten sind, so Lärmexperte Christoph Lechner vom Amt für Emissionen, Sicherheitstechnik und Anlagen (ESA). "Fahrverbote für 'laute' Motorräder und das Sperren bestimmter Strecken wird mit großer Mehrheit befürwortet, generelle Wochenendfahrverbote hingegen mehrheitlich abgelehnt", so der Experte weiter.

In Österreich sind 4400 Motorräder betroffen

Laut Bernhard Knapp, Leiter der Verkehrsrechtsabteilung, sind aktuell etwa sieben Prozent der in Österreich zugelassenen Motorräder von der Sperrung betroffen. Ihr Nahfeldpegel überschreite einen Wert von 95 Dezibel. Gemeint ist das Standgeräusch, also der Schall des Betriebsgeräusches, welches das Fahrzeug im Stand aussendet. "Diese 4400 lauten Motorräder erzeugen in Summe dieselbe Emission als Nahfeldpegel, wie die restlichen circa 61.000 leiseren Motorräder", so Knapp.

In Deutschland wird ebenfalls über laute Motorräder diskutiert, nachdem der Bundesrat aus Lärmschutzgründen zeitlich beschränkte Verkehrsverbote für Motorräder an Sonn- und Feiertagen gefordert hat. Als weitere Maßnahme schlägt die Länderkammer vor, die maximale Lautstärke der Maschinen auf 80 Dezibel (db/A) festzulegen. Bundesverkehrsminister Scheuer lehnt jedoch weitere Verbote ab.

len