Verkehrssicherheit Wenn der Reisebus zur Falle wird

Unfälle sind für Passagiere in Reisebussen laut einer Studie besonders gefährlich, wenn diese umkippen – dann nützt oft auch der Nothammer nichts. Die Autoren schlagen vor, Busse anders zu bauen.
Insassen von Reisebussen haben bei Unfällen häufig Probleme, aus dem Bus zu kommen.

Insassen von Reisebussen haben bei Unfällen häufig Probleme, aus dem Bus zu kommen.

Foto: Mikel Taboada Blanco / Westend61 / Getty Images

Reisebusse können bei Verkehrsunfällen schnell zur lebensbedrohlichen Falle werden. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie, die der Verband Unfallforschung der Versicherer (UDV)  in Auftrag gegeben hat.

Busse gelten als relativ sicheres Verkehrsmittel, hinter der Bahn, aber vor dem Pkw . Dennoch kommt es immer wieder zu Unfällen mit vielen Toten.

Der Studie zufolge ist die Gefahr besonders hoch, wenn ein Bus nach einem Unfall kippt und auf die Seite fällt, auf der sich seine Türen befinden. Auch wenn sich die Türen aus anderen Gründen nicht öffnen lassen, sei es für die Passagiere schwierig bis unmöglich, den Bus aus eigener Kraft zu verlassen.

Sind die Türen blockiert, gibt es kaum einen Ausweg

»Wenn nicht auf Hilfe durch Rettungskräfte gewartet werden kann, beispielsweise bei Brand oder Rauchentwicklung, sitzen die Menschen dann in der Falle«, sagte Siegfried Brockmann, der Leiter der UDV, bei der Vorstellung der Studie.

Sobald ein Reisebus schräg liege, könnten weder die Seitenscheiben noch die Dachluken zur Flucht genutzt werden – zumindest nicht »ohne turnerische Qualitäten«. Den Bus durch die Frontscheibe zu verlassen, sei ebenfalls keine Option, weil die Scheibe aus Verbundglas bestehe und nicht mit dem Nothammer zerschlagen werden könne.

Der Notausstieg durch das Heckfenster werde mitunter durch Ski- oder Fahrradträger versperrt. Außerdem sei es häufig sehr schwierig, sich in einem gekippten Reisebus abzuschnallen und zu bewegen.

Zwar seien derartige Unfälle mit Reisebussen selten, hieß es weiter. Dennoch müssten Gesetzgeber und Bushersteller die Regeln für eine Evakuierung aus Reisebussen verbessern.

Wichtig sei zum Beispiel, für die Evakuierungszeit durch die Türen eine verbindliche Vorgabe zu machen – so wie es in Flugzeug, Bahn und Schiff der Fall ist. Zudem schlägt der Verband vor, statt günstigeren Zweipunktgurten auch in Reisebussen Dreipunktgurte einzubauen. Es würde helfen, wenn die Gangbreite vergrößert würde, und wenn Lichtleisten den Weg zu den nächstgelegenen Notausstiegen weisen würden. Ebenfalls einen Vorteil böten Dachluken, die quer statt längs eingebaut würden. Die Heckscheibe dürfe niemals von außen versperrt sein – durch Fahrradträger oder Ähnliches.

Frontscheibe sollte entfernt werden können

Die wichtigste konstruktive Maßnahme nach einem Unfall sei aber, dass sich die Frontscheibe für den Ausstieg von innen entfernen lässt, sagte Brockmann. Das lasse sich mithilfe eines Druckschlauches oder einer Sprengschnur entlang der Klebenaht sicherstellen. Auch ältere und etwas unsportlichere Passagiere könnten den Bus dann unbeschadet verlassen.

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 6000 Buspassagiere verletzt, rund 500 schwer. Diese Zahl bezieht sich auf alle Busarten. Dem Statistischen Bundesamt zufolge befanden sich mehr als zwei Drittel der Personen, die 2019 bei Straßenverkehrsunfällen in einem Bus zu Schaden kamen, in einem Linienbus, 4,6 Prozent saßen in einem Reisebus.

vki/AFP