Günstige Oldtimer: Renault Clio Wow mit 16V

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem – es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Renault Clio, Flitzer aus den wilden Neunzigern.
Renault Clio von 1991: deutlich moderner als R4, R5, Ente und Käfer

Renault Clio von 1991: deutlich moderner als R4, R5, Ente und Käfer

Foto: Renault
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell:

Renault setzte früh auf praktische Kleinwagen, die Modelle R4 und R5 avancierten in den Sechziger- und Siebzigerjahren zu millionenfach gebauten Weltautos. Nachfolger wurde 1990 der Renault Clio, der rasch zum Kleinwagen Nummer eins in Frankreich aufstieg. Auch in Deutschland kam der Clio gut an, weil er für wenig Geld einen alltagstauglichen Stadtflitzer bietet.

Der Basis-Clio zum Preis von deutlich unter 10.000 Mark hieß seinerzeit RN. »Renault mit Nix« spotteten Clio-Fahrer. Fenster kurbeln muss man per Hand, nicht mal eine Radiovorrüstung ist eingebaut. Besser ausgestattet ist das Modell RT mit Zentralverriegelung und elektrischen Fensterhebern vorn.

Das Spitzenmodell heißt Baccara und bietet für seine Klasse geradezu verschwenderischen Luxus: Dieser Nobel-Clio wartet serienmäßig mit Chrom-Türöffnern, Klimaanlage, 14-Zoll-Alufelgen, Ledersitzen und gar Wurzelholzdekor auf. Derartigen Zierrat musste man seinerzeit sogar bei einer Mercedes E-Klasse teuer extra bezahlen.

Auch bei den Motoren bietet der Clio breite Auswahl. Schon das Basismodell 1,2 mit 55 PS reicht aus, denn der Kleinwagen wiegt nur 850 Kilogramm. Der 1,4 kommt auf 75 PS: »Damit fährt sich das Auto fast schon sportlich«, sagt Robert Hönicke. Der Berliner Kfz-Meister ist Renault seit über 30 Jahren treu, sein erstes Auto war ein Clio 1.2. »Eben das typische Anfängerauto.«

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Renault Clio: Flott unterwegs

Foto: Renault

Zur Rakete wird der Clio als 16V-Modell. Der 1,8-Liter-Vierventiler stammt aus dem Renault 19 und leistet stramme 135 PS. Damit rennt der Clio in acht Sekunden von null auf hundert und 209 km/h Spitze. Damit macht der wilde Franzose einen Opel Corsa GSi oder VW Polo G40 von damals nass.

»Nicht umsonst war der Clio als Rennauto beliebt, in der Gruppe A räumte er richtig ab«, sagt Hönicke mit Blick auf das Tourenwagenreglement. Hönicke fährt heute einen seltenen Clio Williams. So hieß ab 1994 das Spitzenmodell des Clio, als Hommage an die Formel 1, wo Renault mit Williams Racing kooperierte. In den Neunzigerjahren dominierte Renault als Motorenlieferant die Königsklasse des Rennsports.

Im Renault Williams holte Nigel Mansell 1992 Fahrertitel und Konstrukteurs-WM. Der Clio Williams ist eine Rennsemmel mit 147 PS starkem 2.0-16V-Motor, Sportfahrwerk und – Achtung – goldenen Felgen ab Werk. Zu Ehren von Michael Schumacher, der 1995 im Benetton-Renault seinen ersten Formel-1-Titel holte, erschien dann noch der Clio Grand Prix. Dieses Sondermodell ist auf 500 Exemplare limitiert.

Warum ausgerechnet der?

Renault Clio und Oldtimer? Nicht wenige werden dem Kleinwagen der Neunziger den Klassikerstatus absprechen. Aber auch R4 und R5 waren über Jahrzehnte Alltagskisten, billige Studentenautos. Heute sind sie selten, und man freut sich, wenn mal einer auftaucht.

Nun kommen auch die ersten Exemplare des Renault Clio ins H-Kennzeichen-Alter. Sein Vorteil gegenüber R4, R5 oder auch Ente oder Käfer: Er ist das deutlich modernere und auch alltagstauglichere Auto. In den Vorgänger Renault 5 musste man sich hineinquetschen, Fahrer und Beifahrer kamen sich mit den Ellenbogen in die Quere.

Der als Drei- und Fünftürer erhältliche Clio bietet deutlich mehr Platz, obwohl er keine 20 Zentimeter länger ist – wegen eines ausgetüftelten Raumkonzepts. Die Geräuschdämmung ist dank dickerer Türpappen und Teppichen ebenfalls erheblich besser. Auch bei 150 km/h kann man sich im Clio noch unterhalten, während Autobahnfahrten im R5 eher ein Abenteuer sind.

Dazu kommt beim Clio eine für seine Klasse solide bis gehobene Sicherheits- und Komfortausstattung. ABS, Airbag (ab 1994 serienmäßig), elektrische Fensterheber, Klimaanlage – diese Features konnte man vor 30 Jahren in anderen Kleinwagen noch nicht ordern. Dank der bequemen Sitze und der weichen Federung ist der bis 1998 gebaute Clio I sogar langstreckentauglich.

Und Fahrspaß bietet das »Auto des Jahres« 1991 auch. Möglich machte es die Vierventiltechnik, die sich vor 30 Jahren durchsetzte. Durch effizientere Einspritzung wurde mehr Leistung aus den Maschinen gekitzelt, plötzlich waren Motoren mit 100 PS und mehr für die Masse erschwinglich. Trotzdem ist der Clio sparsam, selbst ein Williams lässt sich mit sieben Litern bewegen, ein 1,2 sogar mit fünfeinhalb.

Verfügbarkeit:

Auf den deutschen Gebrauchtwagenportalen finden sich Dutzende Clio I, wobei der oft verkaufte 1,4 überwiegt. Exemplare mit Automatik sind selten, auch weil diese dem hohen Tempo auf deutschen Autobahnen nicht lange standhielt. Ebenfalls selten ist der genügsame 1,9 Diesel, der wegen seiner roter Plakette nicht in deutsche Innenstädte darf. Sportliche Clio 16V finden sich durchaus, sind aber oft verbastelt. Spärlich bis sehr rar sind die Spitzenmodelle Williams, Grand Prix oder Baccara.

Ersatzteilversorgung:

Für ein 30 Jahre altes Modell hervorragend. Technikkomponenten für Motoren oder Fahrwerk sind ohne Probleme und für wenig Geld erhältlich. Schwieriger wird es bei Karosserieteilen, die Renault nicht mehr vorrätig hat. Zumindest Reparaturbleche gibt es im Zubehör. Gebrauchte Türen oder Kotflügel findet man auch, zur Not muss man umlackieren. In Frankreich fertigen Spezialfirmen originale Clio-Bleche sogar nach, bis hin zur kompletten Seitenwand für den 1,8 16V.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsbeläge vorne: circa 25 Euro

  • Endschalldämpfer: circa 40 Euro

  • Zahnriemen mit Wasserpumpe: circa 200 Euro

  • Kotflügel gebraucht: ab 30 Euro

Schwachstellen:

Wegen teilverzinkter Bleche sind Rostprobleme beim Clio recht selten. Schweller und Radläufe sollte man trotzdem gut inspizieren. Spätere Modelle ab 1996 stehen beim Korrosionsschutz am besten da. Die Innenausstattung (speziell die Sitze) ist für einen Kleinwagen hochwertig. Clio-Kenner finden, dass die Verarbeitungsqualität deutlich besser sei als bei heute verkauften Autos. Die Motoren neigen zu Ölverlust, ansonsten gelten die 1,2-Liter- und 1,4-Liter-Benziner als unkaputtbar. Mehr Pflege benötigen die hochgezüchteten 16V-Maschinen, die gemächlich warm gefahren werden wollen. Auch der Zahnriemenwechsel ist bei ihnen aufwendiger. Mitunter nervt die Elektrik: Fensterheber sitzen fest, die Zentralverriegelung spinnt oder eine Hupe ist stumm geworden. Mit etwas Schraubertalent lässt sich beim Clio I aber vieles selbst reparieren.

Preis:

Ab 500 Euro kann man fahrbereite Renault Clio I finden, manche sogar mit Scheckheft aus Opas Garage. Ein ordentlicher Clio 1,8 16V kann auch 6000 Euro kosten, ein Williams bis zu 15.000 Euro, womit der Renner praktisch bei seinem einstigen Neupreis angekommen ist. In Frankreich und in der Schweiz sind Renault Clio wegen ihrer großen Beliebtheit generell teurer.

Anlaufstellen im Internet:

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Lancia