Sowjetische Kultmarke Russland produziert wieder Moskwitsch-Autos

Vor zwanzig Jahren wurde die Produktion bei Moskwitsch in Russland eingestellt, das Modell galt als nicht konkurrenzfähig. Nun wird die Traditionsmarke wiederbelebt – auch weil die Branche durch Sanktionen unter Druck steht.
Moskwitsch-Auto aus der Sowjetzeit auf einem Schrottplatz bei Moskau (Bild von 2013)

Moskwitsch-Auto aus der Sowjetzeit auf einem Schrottplatz bei Moskau (Bild von 2013)

Foto: Tatyana Makeyeva / REUTERS

In Moskau hat die Serienproduktion eines neuen Modells der sowjetischen Traditionsmarke Moskwitsch begonnen – nachdem westliche Sanktionen die russische Autobranche unter Druck gesetzt hatten. An der Wiedereröffnung des Moskwitsch-Werks nach dem Weggang des bisherigen Großaktionärs Renault nahmen der Nachrichtenagentur Interfax zufolge unter anderem Vizeregierungschef Denis Manturow und Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teil. Der Moskwitsch-3 ist demnach eine Kopie des chinesischen Stadtgeländewagens JAC S4.

In Russland wird er zunächst als Benziner mit einem 150-PS-Motor gefertigt. Bis Jahresende solle auch eine Elektrovariante vom Band laufen, hieß es. Der Verkauf sei ab dem ersten Quartal 2023 geplant.

»Die Aufgabe für die nahe Zukunft besteht darin, bis Ende 2023 kleine Montageprozesse unter Einbeziehung lokaler Zulieferer zu etablieren«, sagte der Industrie- und Handelsminister laut einer Erklärung.

Moskau spricht von 40.000 Arbeitsplätzen

Das russische Industrieministerium teilte mit, dass durch die Moskwitsch-Produktion rund 40.000 Arbeitsplätze in Russland gesichert seien. Der Autosektor ist eine der Branchen, die am stärksten von Sanktionen betroffen sind, die westliche Staaten wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängt haben. Von Januar bis Oktober fiel nach dem Weggang westlicher Hersteller der Verkauf von Neuwagen in Russland im Jahresvergleich um 60 Prozent.

Der Moskwitsch wurde in der Sowjetunion seit 1946 produziert – zunächst als Kopie des deutschen Opel Kadett. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geriet das Werk in finanzielle Schwierigkeiten. Die Produktion des letzten serienmäßig vom Band gelaufenen Moskwitsch-Modells 2141 (»Swjatogor«) wurde 2001 eingestellt, weil es nicht konkurrenzfähig war. 2006 wurde das Insolvenzverfahren gegen den Konzern eingeleitet. Später übernahm Renault das Werk und sicherte die Arbeitsplätze.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung wurde der Eindruck erweckt, die Produktion des alten Moskwitsch-Modells werde wieder aufgenommen. Tatsächlich wird nur der Markenname reaktiviert. Wir haben den Artikel entsprechend angepasst.

ani/Reuters
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