Transportkonzept Entenküken-Prinzip soll Städte vor dem Lieferinfarkt retten

Paketzusteller verstopfen mit ihren Autos zunehmend die Stadtzentren. Eine mögliche Problemlösung hat ein Aachener Unternehmen im Tierreich gefunden. Der "Ducktrain" könnte allerdings Fußgängern ins Gehege kommen.
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Autonome Lieferkolonne "Ducktrain"

Foto: DroidDrive GmbH

Zugeparkte Fahrradwege, Halten in zweiter Reihe und genervte Autofahrer - der Lieferverkehr wird für Innenstädte zunehmend zum Problem. Im vergangenen Jahr bestellten Verbraucher in Deutschland Waren und Dienstleistungen im Wert von 94 Milliarden Euro und damit rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Mit einem neuen urbanen Transportsystem will das Aachener Start-up DroidDrive nun eine Lösung gegen den Paketinfarkt liefern. Die Idee: Statt in einem großen Lieferfahrzeug werden die Pakete mit kleineren, elektrisch angetriebenen Paketwagen transportiert und ausgeliefert.

Bei dem Konzept folgen bis zu vier dieser autonom fahrenden Anhänger dem Zusteller. Der ist zu Fuß, auf dem Rad oder in einem Fahrzeug unterwegs. Die einzelnen Wagen des sogenannten "Ducktrains" (englisch für "Entenzug") fassen eine Europalette und Waren mit einem Gewicht von bis zu 300 Kilogramm. "Auf diese Weise transportieren wir das Ladevolumen eines herkömmlichen Transporters in die Städte hinein" erklärte Kai Kreisköther, Geschäftsführer von DroidDrive dem Fachmagazin "VisionMobility" .

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Ist der Fahrer im Zustellbezirk angekommen, schwärmen die Anhänger einzeln aus. Weitere Paketboten übernehmen die Wagen und liefern die Ware auf den letzten Metern zu Fuß aus. Die "Ducks" sollen den Boten dabei automatisch von Haustür zu Haustür folgen.

Die einen Meter breiten Fahrzeuge sind laut den Ingenieuren bis zu 25 km/h schnell und sehr wendig. So können sie Geh- und Fahrradwege nutzen. Da diese häufig überfüllt sind und inzwischen auch von E-Scooter-Fahrern genutzt werden, birgt dieser Ansatz allerdings Konfliktpotenzial.

"Das Animationsvideo  des Ducktrains zeigt eine Situation, die so nur in wenigen Straßenzügen existiert: breite Straße, breiter Gehweg, kaum parkende Autos", kritisiert Markus Friedrich, Professor für Verkehrsplanung an der Universität Stuttgart. Die Realität in den Innenstädten sehe anders aus. Einen Teil des Ducktrains über den Gehweg bis zum Empfänger zu navigieren, sei laut Friedrich zudem kompliziert und dauere vermutlich länger als mit dem Paket ein paar Meter zu laufen.

Experte: Ducktrain löst Probleme des Lieferverkehrs nicht

"Dieses Konzept löst kein Problem, das wir heute haben", sagt Friedrich. "Es ist heute bereits möglich, mit elektrisch betriebenen Transportern Pakete an fast jede Stelle zu liefern. Das macht ein Ducktrain nicht besser, sondern nur komplizierter", so Friedrich. Der Entenzug sei sogar länger als ein normales Fahrzeug.

Die Erfinder argumentieren, dass das neue Transportsystem die Paketzustellung effizienter mache, da der Fahrer nicht ständig zurück ins Lieferfahrzeug steigen muss. Zudem würde der LKW-Verkehr in den Innenstädten verringert. Experte Friedrich erwartet hingegen keine Entlastung durch das System "Es spart weder Fahrzeuge noch Fahrzeugkilometer."

Laut Friedrich liegen die drei größten Probleme im Lieferverkehr woanders: Das Lieferfahrzeug benötigt einen Stellplatz in der Nähe des Empfängers und das Paket muss sicher vom Fahrzeug zum Empfänger transportiert werden. Zudem muss ein Ablageort vorhanden sein, wenn der Empfänger die Sendung nicht persönlich annehmen kann. "Wir brauchen daher ein neues System für Ablageorte, aber nicht für den Weg zum Ablageort".

Derzeit testet DroidDrive die ersten Prototypen - vorerst allerdings nur auf geschlossenem Gelände, da das Fahrzeugkonzept noch keine Zulassung hat. "Wir arbeiten an der Genehmigung für unser Fahrzeug", so Kreisköther.

In der aktuellen Entwicklungsstufe werden die Anhänger noch mit einer festen Kupplung von einem Fahrzeug gezogen. Die ersten vollautonomen Ducktrains will DroidDrive ab dem kommenden Jahr bauen, der Serieneinsatz auf der Straße ist dann für 2025 angesetzt. Dann sollen die Anhänger mit verschiedenen Aufbauten für unterschiedliche Einsatzzwecke verfügbar sein.

DroidDrive ist eine Ausgründung der RWTH Aachen. Auch die Streetscooter-Elektrotransporter der Deutschen Post und das Automobil-Start-up e.Go sind in Zusammenarbeit mit der RWTH entstanden.

cfr