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Ratgeber Rad – Swapfiets Power 7

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Stefan Weißenborn

Ratgeber Rad – Swapfiets Power 7 E-Bike zum Flatrate-Preis

Fahrrad-Abos boomen. Vermieter Swapfiets setzt auf simple Typen wie das Power 7. An dem elektrischen Hollandrad zeigt sich, was ein robustes, wartungsarmes Bike ausmacht. Ein Bauteil lässt es aber vermissen.

Der erste Eindruck: Der markentypisch blaue Vorderreifen prangt auch an Swapfiets' E-Bike. Ansonsten wirkt das Abofahrrad vor allem robust. Dahinter steckt natürlich Methode.

Das sagt der Hersteller: Power 7 heißt das Pedelec, das Swapfiets im vergangenen Jahr in seine Deutschland-Flotte aufgenommen hat. »Power« wegen des Motors, die »7« wegen der Siebengang-Nabenschaltung. Als typisches City-E-Bike konzipiert, sei es für alltägliche Wege und Spritztouren gedacht, sagt der Swapfiets-Manager für Ostdeutschland, Philipp von Puttkamer. So weit, so erwartbar. Doch im Lastenheft der Entwickler stand ebenfalls der Begriff Wartungsarmut.

Tatsächlich finden sich am Rad Details, die weniger augenfällig sind als das Schlumpfblau des Reifens: Neben der pflegeleichten Nabenschaltung sind das die zähen Reifen, die laut Zulieferer Continental besonders pannensicher sind. Das Bike fährt ohne Federgabel, die ebenfalls regelmäßigen Service provozieren würde. Es verzögert mit Bauteilen, die was aushalten: Vorn wirkt eine resistente Rollenbremse, sie ist aber im Vergleich zu den an E-Bikes üblichen Scheibenbremsen nicht sonderlich bissig. Dazu gibt es – ebenfalls eine Seltenheit bei neueren Modellen – eine Rücktrittbremse. Auch den Ständer beschreibt der Manager als »besonders belastbar«.

Es ist ja verständlich: Wenn am Fahrrad weniger verschleißt, dann wird es für Swapfiets billiger, sein Rundum-Sorglos-Versprechen einzuhalten: Egal, was auch passiere, sagt von Puttkamer, am Aborad »werden alle Schäden behoben. Sie haben das volle Servicepaket«. Jegliche Reparatur, selbst wenn der Schaden fahrlässig entstanden ist oder Vandalen das Display abgerissen haben – ein Swapper (so heißen die Servicemitarbeiter) rückt aus und kümmert sich. »Und wenn man den Schaden vor Ort nicht gleich beheben kann, tauschen wir das Fahrrad innerhalb von 48 Stunden aus«, verspricht der Manager.

Das ist uns aufgefallen: Der Swapper, der das Power 7 vorbeibringt, erläutert ausführlich wichtige Funktionen am Bike – vom Anschalten bis zum Akkuladen –, justiert den Sattel, pumpt die Reifen nach und schaut bei der ersten Proberunde zu, bevor er mit seinem Van wieder abfährt. So handhabt es der Anbieter nach eigenen Angaben bei allen Kundinnen und Kunden.

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Wir bleiben im Sattel, und es kommt Hollandfeeling auf: Aufrecht sitzend geht es vorwärts, nackenschonend und gemütlich wie auf einem Gazelle-Rad. Stoisch rollt das Swapfiets voran und laufruhig, es wiegt ja 30,2 Kilo. Die Nähe zum Hollandrad kommt nicht von ungefähr. Die Marke Gazelle gehört zur niederländischen Firma Pon Bicycle Holding, mit der Swapfiets eng kooperiert.

Aber etwas mehr Komfort könnte es schon sein. Bei 3,5 bar in den Reifen fühlt sich das Power 7 zu hart an. Zum Glück sind die Pneus 47 Millimeter breit, wir haben sozusagen Luft nach unten und reduzieren den Druck in den Reifen. Nach dem Zischen dämpft das Rad passabel. Die Spritze Extrakraft des Shimano-Motors fühlt sich harmonisch an. Kraftausbrüche darf man jedoch selbst in der höchsten Unterstützungsstufe nicht erwarten. Mit dem Modell Steps E6100 ist ein bei 50 Newtonmeter gedeckelter Alltagsmotor montiert, kein MTB-Kraftprotz. Für Berg-und-Tal-Fahrten sind die Gänge der Nexus ohnehin zu grob abgestuft.

Nicht so einfach ist der Fahrerwechsel. Wer die Sitzhöhe verändern möchte, benötigt zwei Schraubenschlüssel, einen zum Drehen, einen zum Gegenhalten – Diebe sollen es so schwer wie möglich haben. Deshalb ist ein Doppelschloss Serie, und deshalb gibt’s an den Laufrädern keine Schnellspanner. Warum auch, wenn ein Swapper selbst einen Platten behebt. Und wenn die Batterie als teuerstes Verschleißteil altersschwach ist, wird sie ersetzt.

Das muss man wissen: So viele Versprechen haben ihren Preis: 75 Euro im Monat, dazu kommt eine Anmeldegebühr von 19,50 Euro. Das Abo ist mit ein paar Klicks auf der Website schnell abgeschlossen, bald darauf wird das Rad innerhalb des Geschäftsgebiets gebracht. Hat man ein Problem mit dem Bike, erreicht man Servicemitarbeiter über eine Hotline oder die Swapfiets-App. Es kommt aber nur jemand, sofern der Kunde im Servicegebiet umher radelt. Das umfasst 28 deutsche Städte, in denen das Power 7 mietbar ist, darunter Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Köln und Stuttgart. Alternativ können Kunden für Reparaturen einen Swapfiets-Store aufsuchen.

Motor

Shimano Steps E6100, 250 W Leistung, 50 Nm Drehmoment, Unterstützung bis 25 km/h

Akku

Shimano 504 Wh, Ladezeit laut Swapfiets 7,5 Stunden, Reichweite laut Swapfiets bis 145 km

Gangschaltung

Shimano Nexus Nabenschaltung, sieben Gänge

Rahmen

Aluminium

Reifen

Continental »Contact Plus« E-Bike-Reifen, 47 – 622

Gewicht

30,2 kg (Größe L)

Bremsen

Shimano N7 Rücktrittbremse; Shimano-Rollenbremse C6000 vorn

Preis

75 Euro monatlich

Derzeit sind aber auch die Niederländer von Lieferengpässen betroffen, das Angebot kann knapp werden. Von Puttkamer erwartet in den nächsten Wochen eine steigende Nachfrage nach E-Bikes. Dass Neukunden ein nagelneues E-Bike bekommen, ist nicht garantiert, auch unser Testrad hatte schon ein paar Kratzer. Ebenfalls keinen Anspruch gibt es auf die Lackfarbe Grün, Grau oder Schwarz. Mindestens aber ist das Bike generalüberholt, wenn es an den Kunden geht.

Allerdings kann einen das Aborad teuer zu stehen kommen – wenn es geklaut wird. Legt der Kunde nach dem Diebstahl Schlüssel und Akku vor, muss er eine Selbstbeteiligung von 220 Euro zahlen, bevor er ein Ersatzrad gestellt bekommt. Der Rahmenschlossschlüssel genügt als Beleg, dass das Bike gesichert wurde, er lässt sich nur vom eingerasteten Schloss abziehen. Fehlt der Akku, wird der Verlust mit zusätzlichen 500 Euro schmerzlicher. Ist auch der Schlüssel weg, werden 2000 Euro fällig. »Wir sichern uns und den Kunden ab«, sagt von Puttkamer. Ohne solche Vorkehrungen könne der Abonnent den Diebstahl vortäuschen.

Was allerdings fehlt, ist ein hinterer Gepäckträger. Vorn besitzt das Power 7 zwar einen Lastenträger, der für zwei Euro im Monat mit einem passgenauen Fahrradkörbchen bestückt werden kann. Alltagstauglicher wäre aber eine Gepäcklösung für hinten. Was laut dem Manager dagegen spricht, klingt etwas eitel: Aus Stylegründen und wegen »der Konsistenz unseres Images« verzichte Swapfiets auf den Gepäckträger. Außerdem beuge man so Schäden durch Beifahrer vor.

Und was ist, wenn Kunden das Aborad individualisieren wollen, mit Kindersitzen, Handyhalterungen, Aufklebern? Das verbietet Swapfiets nicht grundsätzlich. Doch wenn solche Anbauten Probleme bereiten, sagt von Puttkamer, »geben wir keine Hilfeleistung, das ist nicht unser Problem«. Und kündigt der Kunde das Abo – was monatlich möglich ist – muss er alles wieder abmontieren.

Das werden wir in Erinnerung behalten: Wie zufrieden ein E-Bike im Alltag doch machen kann, ohne dass man es vorher durch den Konfigurator geschickt hat. Und sollte die mangelnde Packeselmentalität stören – man kann ja kündigen und sich bei der Konkurrenz umsehen. Alternativanbieter von E-Bike Abos sind zum Beispiel der ADAC (»e-Ride«) oder Rid.e.

Anm. d. Red.: Ursprünglich hieß es im Text, Swapfiets tausche das Rad bei einem Defekt, der nicht vor Ort behoben werden kann, innerhalb von 24 Stunden aus. Seit dem Jahreswechsel liegt dieser Zeitraum jedoch bei 48 Stunden. Die entsprechende Stelle wurde angepasst.

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