Emissionen im Verkehr Tempolimit spart fast zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid ein

Tempo 130 auf deutschen Autobahnen würde einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz bieten - das besagt eine neue Studie des Umweltbundesamtes, die dem SPIEGEL vorliegt.
Foto: Kai Pfaffenbach/ REUTERS

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat ein Problem: Er ist gegen das Tempolimit auf Autobahnen. Seine Partei, die CSU, fährt gerade mit Blick auf den bayerischen Kommunalwahlkampf eine Kampagne gegen dieses Vorhaben. Zugleich sinkt in seinem Verantwortungsbereich der Ausstoß von Treibhausgasen nicht. 55 Millionen Tonnen CO2 muss der Verkehrssektor einsparen, damit die Klimaziele im Jahre 2030 eingehalten werden.

Nun gerät der Unionsminister in Erklärungsnot, warum er weiter daran festhält, nicht über eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung nachzudenken. Denn das Umweltbundesamt hat neue Schätzungen, wie viel Treibhausgas durch ein generelles Tempolimit auf Autobahnen vermieden würde. Demnach würden bei einer Obergrenze von 130 Kilometern pro Stunde 1,9 Millionen Tonnen CO2 im Jahr eingespart. Bei maximal 120 Kilometern pro Stunde wären es jährlich 2,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid weniger, bei Tempo 100 sogar 5,4 Millionen Tonnen.

Kurzfristige Maßnahme mit Effekt

"Ein Tempolimit auf Autobahnen ist weitgehend kostenlos und wirkt kurzfristig", sagt der Präsident des Umweltbundesamts, Dirk Messner, dem SPIEGEL. "Ohne die Einführung eines Tempolimits befürchten wir, dass der Verkehrssektor seine Emissionsziele nach dem Klimaschutzgesetz in den nächsten Jahren deutlich verfehlen wird."

Die Emission von Treibhausgasen im Straßenverkehr stagniert seit Jahren auf hohem Niveau, unter anderem, weil immer mehr leistungsstarke Autos wie etwa SUVs die Spritersparnis moderner Motoren auffressen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) fühlt sich durch die Zahlen vom UBA in ihrer Forderung nach Einführung von Tempo 130 bestätigt. "Ein solches Tempolimit ist vernünftig, auch für den Klimaschutz", sagt Schulze. "Es ist in der Gesellschaft mehrheitsfähig."

Die Einsparung von 1,9 Millionen Tonnen Kohlendioxid durch Tempo 130 entspräche 1,2 Prozent aller Emissionen des Straßenverkehrs im Jahr 2018. Der neue Präsident des UBA hält das für keineswegs zu gering. Er findet, dass Verkehrsminister Scheuer eigentlich keine andere Wahl habe, als das Tempolimit einzuführen. Messner vergleicht die Einsparung durch das Tempolimit mit anderen Maßnahmen, die Minister Scheuer im Rahmen des Klimaschutzplans der Bundesregierung vorgeschlagen hat. "Die Stärkung des Schienengüterverkehrs und der Binnenschifffahrt, für die wir uns als Umweltbundesamt auch aussprechen, wird eine Treibhausgasminderung von rund zwei Millionen Tonnen bringen", so Messner. Wirksam werde dieses Instrument allerdings erst 2030 und es koste mehrere Milliarden Euro.

DER SPIEGEL 10/2020
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Anm. d. Red: In einer früheren Version der Artikels hieß es, im Verkehssektor müssten 55 Millionen Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Tatsächlich müssen bis 2030 55 Tonnen insgesamt eingespart werden. Wir haben den Fehler korrigiert.

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