Fahrassistenzsysteme Teslas Autopilot verliert in wichtigem Vergleichstest gegen Konkurrenten

Das Hilfssystem der Elon-Musk-Autos gilt als sehr fortschrittlich. Doch nun musste es sich im Test einer bedeutenden US-Verbraucherorganisation mit Platz zwei begnügen.
Keine Hand am Steuer, kein Problem: Teslas Fahrassistenzsystem Autopilot gilt als vergleichsweise ausgereift – musste sich nun im Test jedoch einem Konkurrenten geschlagen geben

Keine Hand am Steuer, kein Problem: Teslas Fahrassistenzsystem Autopilot gilt als vergleichsweise ausgereift – musste sich nun im Test jedoch einem Konkurrenten geschlagen geben

Foto: Gaetan Bally/ dpa

Die Fahrerin achtet auf Straße und Verkehr, das Auto hält die Spur von selbst - was vor einigen Jahren noch nach Zukunft klang, ist mittlerweile gängige Technik. Viele Hersteller bieten Helfer an, die Insassen so entlasten. Als einer der besten dieser Helfer gilt Teslas Autopilot. Im Test  des US-Verbrauchermagazins "Consumer Reports" der gleichnamigen Organisation unterlag das System der Firma von Milliardär Elon Musk nun aber einem etablierten Konkurrenten.

Mit insgesamt 69 Punkten lag am Ende Cadillacs System Supercruise vorne. Das getestete Modell CT6 verwies damit den Autopiloten des Tesla Model Y, der insgesamt 57 Punkte erreichte, auf Platz zwei. Als bester deutscher Hersteller landete Audi mit 48 Punkten auf Rang vier. Insgesamt wurden 17 Fahrassistenzsysteme untersucht.

Infrarotkamera sichert Cadillac Spitzenplatz

Cadillacs Supercruise holte sich den Sieg dank einer Infrarotkamera. Die, so erklärt Kelly Funkhouser, Leiterin der Testabteilung für autonomes Fahren bei "Consumer Reports", kontrolliere im CT6, ob "die Augen des Fahrers immer noch auf die Straße gerichtet sind".

Darin liegt das Problem bei ausgereiften Fahrassistenten: Sie sind in der Lage, einfache Aufgaben zu übernehmen, allerdings nicht, ein Auto selbstständig zu fahren. Trotzdem verlassen sich viele Nutzer zu sehr auf die Systeme. Teslas Autopilot machte hier wiederholt negative Schlagzeilen, von am Steuer schlafenden Fahrern bis hin zu tödlichen Unfällen, da sich die Person am Steuer auf das System verließ, das eine Gefahr aber nicht erkannte.

Tesla überzeugt beim Spurhalten

In dieser Disziplin unterschied sich Cadillacs System dem Test zufolge deutlich von seinen Konkurrenten. Während der Fahrer bei diesen Systemen lediglich in bestimmten Zeitabständen die Hände aufs Lenkrad legen muss, kontrolliert Supercruise nicht nur dessen Blicke, es schreitet auch vergleichsweise rabiat ein.

Ist die Person am Steuer unkonzentriert, leuchten LED am oberen Rand des Lenkrads rot auf. Reagiert sie dann immer noch nicht, bremst das System das Fahrzeug langsam ab, wenn nötig bis zum Stillstand und ruft Hilfe. Sobald der Fahrer die Kontrolle übernehmen soll, warnt das System ihn durch blaues Blinken der Leuchtdioden vor, zum Beispiel vor komplizierten Abfahrten, die im Navigationssystem des Fahrzeugs abgespeichert sind. Cadillacs Supercruise lag daher in drei von fünf Kategorien vorne:

  • Es hielt die Aufmerksamkeit des Fahrers am besten auf der Straße, hier erhielt es sieben von zehn Punkten, Teslas "Autopilot" erreichte derer drei.

  • Bei einem nicht reagierenden Fahrer erreichte es neun von zehn Punkten, Tesla dagegen sechs.

  • Das System zeigte außerdem am besten an, wo es genutzt werden sollte und wo nicht, da es nur auf festgelegten Strecken funktioniert. Dafür erhielt es acht von zehn Punkten, der Autopilot erhielt hier nur zwei.

In zwei wichtigen Kategorien lag jedoch Tesla vorn. So bewertete "Consumer Reports" die Fähigkeiten des Autopiloten am höchsten mit neun von zehn Punkten, während Cadillacs Supercruise hier nur acht Punkte erhielt. Die Tester bescheinigten dem Autopiloten unter anderem, die Spur selbstständig am besten halten zu können.

Assistenzsysteme: So schnitten deutsche Hersteller ab

Gleichzeitig war das System am einfachsten zu nutzen und erreichte in dieser Kategorie sieben von zehn Punkten und lag damit weit vor Cadillacs Supercruise, das nur drei Punkte erhielt. Die Helfer der deutschen Hersteller schnitten dagegen mittelmäßig ab:

  • Das System des Audi e-tron lag zwar hinter Cadillac und Tesla. In der Kategorie "Fähigkeiten und Leistung" war es mit acht von zehn Punkten jedoch auf Augenhöhe mit Cadillacs Supercruise.

  • Der Mercedes-Benz GLS450 erreichte 46 Punkte. Daimler schaffte es zumindest besser als die deutschen Konkurrenten, den Fahrer bei der Stange zu halten. Dafür gab es in dieser Kategorie vier von zehn Punkte.

  • Das BMW-System Active Driving Assistance Pro des 330i kam auf 44 Punkte, schnitt im Umgang mit einem nicht reagierenden Fahrer jedoch vergleichsweise gut ab und erhielt dort sechs von zehn Punkten, genauso viele wie Teslas Autopilot.

  • Porsches Active Safe-System im E-Auto Taycan erreichte nur 41 Punkte, war dafür aber vergleichsweise einfach zu bedienen und erhielt hier sechs von zehn Punkten.

  • Volkswagen musste sich mit einem hinteren Platz begnügen. Die Assistenzsysteme des getesteten Passat erhielten lediglich 39 Punkte.

In einer Kategorie schnitten die deutschen Hersteller jedoch besonders schlecht ab. So schaffen es deren Fahrassistenten offenbar nicht, dem Fahrer klarzumachen, wann er besser auf sie verzichten sollte. In dieser Disziplin erreichten die getesteten Systeme von Audi, BMW, Mercedes-Benz, Porsche und VW nur zwei von zehn Punkten.

"Consumer Reports" testete die Systeme auf einem eigenen Testgelände sowie umliegenden Straßen in 36 Disziplinen. Entscheidend ist am Ende jedoch auch bei modernen Assistenzsystemen die Person auf dem Fahrersitz. Autohersteller müssten verstehen, dass bessere Fahrassistenten die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Fahrer das Fahren dem Wagen überlassen und unaufmerksam sind, kritisiert Testleiterin Funkhouser. Deshalb sei die Überwachung der Person am Steuer sehr wichtig und sollte "ein entscheidender Baustein kommender Fahrassistenzsysteme sein".

ene