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Rückzahlung für Klägerin Münchner Gericht sieht Sicherheitsmängel bei Tesla-Autopilot

Eine Tesla-Fahrerin hat in München mit ihrer Klage gegen den Autohersteller gewonnen. Das Gericht wertete das Assistenzsystem Autopilot in ihrem Fahrzeug als unzuverlässig und »massive Gefährdung« im Stadtverkehr.
aus DER SPIEGEL 29/2022
Nicht autonom: Cockpit eines Tesla Model X

Nicht autonom: Cockpit eines Tesla Model X

Foto: Winfried Rothermel / picture alliance

Tesla hat erneut Ärger wegen seiner Fahrassistenzfunktion Autopilot. Das Landgericht München I verurteilte den kalifornischen Konzern, einer Kundin den Großteil des Kaufpreises von gut 112.000 Euro für ein SUV des Typs Model X zurück­zuerstatten. Das Gericht folgte Mitte Juni in dem bislang noch nicht bekannt gewordenen Urteil einem technischen Gutachten, wonach das Assistenzsystem Hindernisse – etwa die Verschmälerung einer Baustelle – nicht zuverlässig erkenne. Zudem bremse das Auto immer wieder unnötig ab. Dies könne gerade in Innenstädten eine »massive Gefährdung« bedeuten und zu Auffahrunfällen führen.

Das Argument der Tesla-Anwälte, wonach der Autopilot nicht für den Stadtverkehr vorgesehen sei, ließ das Gericht nicht gelten: Müssten Nutzer den Autopiloten zwischen Autobahn, Außerortsverkehr und Stadtverkehr händisch an- und ausschalten, könne das vom Verkehrsgeschehen ablenken. »Ein weiteres Mal zeigt sich, dass Tesla beim Thema Auto­pilot das vollmundig Versprochene nicht einhält«, sagt Kläger­anwalt Christoph Lindner. Eine Technologieführerschaft bei den Assistenzsystemen sehe jedenfalls anders aus.

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Tesla-Chef Elon Musk hat einen Durchbruch zum selbstfahrenden Auto zur Schicksalsfrage für sein Unternehmen erklärt. Dieses Problem zu lösen, sei »entscheidend«, sagte Musk im Juni im Interview  mit Mitgliedern eines Tesla-Klubs im Silicon Valley. Hier liege der Unterschied, »ob Tesla sehr viel Geld wert ist oder im Grunde null«. Dennoch verkündete Tesla in dieser Woche die Schließung eines Standorts im kalifornischen San Mateo, wo 229 Beschäftigte am Autopiloten arbeiteten. Als Grund nannte Musk seine Sorge vor schlechten Wirtschaftsaussichten. Am Mittwoch gab der Topmanager Andrej Karpathy seinen Abschied bekannt. Karpathy leitete bislang die Entwicklung der künstlichen Intelligenz für Teslas Autopiloten, war aber bereits seit März in einer beruflichen Auszeit.

In den USA hat die Verkehrsbehörde NHTSA im Juni ihre Untersuchung zum Autopiloten ausgeweitet. Die Behörde prüft in mehr als 200 Unfällen mit Autopilot-Beteiligung, ob das Design des Systems die Unfallgefahr erhöht. Als nächsten Schritt könnte sie das Unternehmen zu einer Korrektur verpflichten, um sicherzustellen, dass die Menschen am Steuer sich jederzeit auf den Straßenverkehr konzentrieren. Betroffen sind rund 830.000 Fahrzeuge, die von 2014 bis heute zugelassen wurden.

Aus: DER SPIEGEL 29/2022
Foto:

Titelillustration: Maren Amani für den SPIEGEL

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Tesla kommentiert das Münchner Verfahren nicht. Der US-Konzern hat Berufung eingelegt, die Klägerin auch: Sie fordert statt des Geldes die Lieferung eines Neufahrzeugs.

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