Meistverkaufte Autos in Deutschland Tesla Model 3 holt VW Golf ein

Der VW Golf ist das am häufigsten verkaufte Auto in Deutschland – das hat Tradition. Doch nun ist es beinahe zu einem symbolträchtigen Wechsel an der Spitze der Zulassungsstatistik gekommen.
Tesla Model 3 im Berliner Showroom

Tesla Model 3 im Berliner Showroom

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Der Boom der Elektroautos und der Chipmangel in den Fabriken bringen die gewohnte Auto-Hierarchie hierzulande ins Wanken. Der ewige Bestseller VW Golf hat sich im September kaum häufiger verkauft als das Model 3 von Tesla. Das US-Unternehmen ist seit Monaten im Höhenflug.

Der dahinschmelzende Vorsprung des Golf beträgt noch genau 58 Fahrzeuge: Der Golf kommt auf 6886 Neuzulassungen im September, das Model 3 auf 6828. Das geht aus Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts vom Donnerstag hervor.

Insbesondere bei Tesla schwanken die monatlichen Zulassungszahlen stark. Das Unternehmen ist dafür bekannt, besonders viele Fahrzeuge zum Quartalsende auszuliefern – auch, um Investoren mit guten Drei-Monats-Zahlen zu beeindrucken.

Golf-Produktion in Wolfsburg

Golf-Produktion in Wolfsburg

Foto: Julian Stratenschulte/ DPA

Im laufenden Gesamtjahr hat der Golf die Nase noch deutlich vorn: Von ihm wurden 78.814 Exemplare ausgeliefert, gegenüber 23.982 Model 3. Der Tesla ist in den ersten neun Monaten des Jahres aber schon auf Platz drei in der Mittelklasse geklettert – hinter VW Passat und BMW 3er sowie vor Audi A4 und Mercedes C-Klasse.

Insgesamt ist viel Bewegung im Markt: So kamen extern aufladbare Autos mit Elektromotor im September auf einen Rekordanteil von knapp 29 Prozent.

Zu dem hohen Wert kommt es auch, weil Autos mit Verbrennungsmotor besonders stark vom Halbleitermangel betroffen sind. Insgesamt wurden knapp 197.000 Pkw zugelassen – ein Minus von 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Fehlende Halbleiter sind derzeit das größte Problem der Autobranche. So können im VW-Stammwerk Wolfsburg aktuell 130.000 bestellte Golf nicht gebaut werden. Opel fährt sein Werk in Eisenach für Monate sogar ganz herunter, und auch BMW warnt vor weiteren Folgen des Chipmangels.

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BMW hat die Engpässe bei Halbleitern im dritten Quartal besser abfedern können als Mercedes-Benz. Die Münchner verkauften von Juli bis Ende September 593.000 Fahrzeuge aller drei Konzernmarken und damit zwölf Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Mercedes-Benz lag im drittel Quartal 30 Prozent unter Vorjahr.

Tesla spürt die Chipkrise zwar auch, aber nicht so stark wie manche Konkurrenten. So begann der Hersteller im Frühjahr damit, für seine Chips aus Taiwan und Südkorea im Voraus zu zahlen, um sich Nachschub zu sichern. Tesla will noch in diesem Jahr im brandenburgischen Grünheide die Produktion in seiner neuen Gigafactory aufnehmen und baut damit seine globalen Produktionskapazitäten aus.

fww/dpa