Günstiger Oldtimer Carina Toyotas Tarnkappe

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem – es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: Die Toyota Carina, die nicht auffällt und gerade deswegen ziemlich cool ist.
Foto: Toyota
Günstige Oldtimer

Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

Klar, für Großvaters abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Allgemeines zum Modell:

Die Toyota Carina gehört zu den (fast) vergessenen asiatischen Volumenmodellen: Trotz einst großer Popularität haben sie es heute schwer, zum angesehenen Klassiker zu reifen. Die erste Carina-Generation kam 1970 auf den deutschen Markt und ist so gut wie ausgestorben. Seine größte Zeit hatte das Mittelklassemodell in den 1980er und frühen 1990er Jahren (T150- und T170-Reihe). Mit robuster Technik und guter Serienausstattung zu attraktiven Preisen trat die Toyota Carina gegen Konkurrenten wie VW Passat, Opel Vectra oder Ford Sierra an. Ein Konzept, mit dem auch andere japanische Modelle wie Nissan Bluebird, Mazda 626 oder Mitsubishi Galant punkteten.

Wer nicht gerade auf Autos aus Fernost spezialisiert ist, wird diese Modelle kaum auseinander halten können. Doch die optische Unauffälligkeit war Konzept: Ein Graue-Maus-Design gepaart mit langlebiger und zuverlässiger Technik. »So musste ein Japaner in Deutschland sein«, sagt Alexander Hajek aus Bad Homburg, der das Forum Toyota-Klassik.de unterhält.

Die in Deutschland 1984 eingeführte T150-Reihe wird auch Carina II genannt, die Limousine rollte damals mit neuer Plattform und Frontantrieb vom Band. Die Corolla machte die gleiche Entwicklungsstufe mit, war aber das deutlich kleinere Auto.

Fotostrecke

Der »Tofu-Racer«

Foto: Toyota

Die Carina gab es außer als viertüriges Stufenheck auch als fünftüriges Schrägheck (Liftback) mit Extrastauraum: Durch Umklappen der Rücksitze ließ sich die Ladefläche zum veritablen Bett umbauen. Auch die Ausstattung war seinerzeit üppig, die Normal-Modelle DX oder XL verfügten serienmäßig über Drehzahlmesser, rechten Außenspiegel und Fünfgangschaltung. Gegen Aufpreis gab es Schiebedach, Metalliclack oder Automatikgetriebe. In den Topversionen SX/GL/GLi bekam man stylische Velourssitze, Sonnenschutzverglasung und andere Extras.

Die T150-Motoren waren solide Mittelklasse, Basisaggregat war ein 1,6-Liter-Vergaser mit/ohne Katalysator und 75/84 PS. Ein 1,8-Liter-Einspritzer bot 101 PS. Dazu gab es einen trägen, aber sparsamen Vorkammerdiesel, der aus zwei Litern Hubraum 69 PS schöpfte.

Noch unscheinbarer, aber ausgereifter wurde die Toyota Carina mit der 1988 eingeführten und bis 1992 produzierten T170-Reihe. Das Cockpit und die Anzeigen waren weniger verspielt, dadurch fiel die Verarbeitung von Kunststoff und anderer Materialien hochwertiger aus. Auch das Platzangebot auf den hinteren Sitzen wuchs, dazu gesellten sich riesige Kofferräume.

Zudem war die T170 neben Stufenheck und Liftback als fünftüriger Kombi erhältlich. Bei den Motoren stellte Toyota auf damals hochmoderne Vierventilmotoren mit zwei oben liegenden Nockenwellen um. Der 1,6-16V leistete 102 PS (später 98 PS), der 2,0-16V beachtliche 121 PS.

Anders als die Corolla, für die Toyota auch schnittige GT-Versionen anbot, blieb die Carina stets konservativ und setzte auf Understatement. Wer es sportlich haben wollte, konnte das Schwestermodell Celica (T16) wählen: Mit 150 PS machte das Coupé ordentlich Dampf. Als allradgetriebener GT mit Turbolader und 185 PS war die Celica sogar als Rallyauto erfolgreich.

Warum ausgerechnet der?

Wer in den 80ern »einen Japaner« fuhr, machte sich in der Regel wenig aus Autos und wollte damit auch gar nicht auffallen. »Das Ergebnis waren automobile Tarnkappen wie die Toyota Carina«, sagt Liebhaber Hajek: »Absolut unauffällige Autos, aber technisch verlässlich und hervorragend verarbeitet – letzteres ein Merkmal, das heute deutsche Hersteller für sich beanspruchen.«

So ist eine Carina heute der ideale Alltagsklassiker. Und weil die Preise im Keller sind, wählt man gleich ein Modell mit Wohlfühlausstattung. Ein 2.0 GLi (T170) ist beinahe unkaputtbar, mit seinen 121 PS aber komfortabel (mit Viergangautomatik) oder durchaus flott (als Fünfgangschalter) zu fahren. Oder man steht auf schrägen 80er-Jahre-Style und wählt eine Carina SX Liftback (T150) mit spacy Design und schrulligen Instrumenten. Dazu kommt allerlei Japan-Luxus wie plüschiges Velours, das bei Mercedes und anderen deutschen Fabrikaten seinerzeit saftigen Aufpreis kostete.

Das macht die Tarnkappe beinahe cool, in Fachkreisen spricht man auch von JDM (für Japanese Domestic Market, also japanischer Inlandsmarkt). Dieser Trend wurde von der Street-Racing-Reihe »The Fast & The Furious« angestoßen: Da wird gerne nach japanischem Vorbild tiefergelegt, breite Felgen verbaut oder Schriftzüge wie »Tofu Racer« aufgeklebt. Auch japanische Kennzeichen stehen in der Szene hoch im Kurs, um die Fahrzeuge zu veredeln. »So wird aus der automobilen Tarnkappe auf einmal ein Trendauto«, sagt Alexander Hayek. Ikonen wie Toyota Supra oder Corolla AE86, die früher kaum auffielen oder gar belächelt wurden, sind heute lässige Exoten. Inzwischen bekämen sogar ehemals schnöde Limousinen wie die Carina etwas von diesem »Fame« ab, so Hajek, gerne mit etwas nachträglichem Styling garniert: »Fertig ist der JDM-Racer.«

Verfügbarkeit:

Die meisten Toyota Carina sind längst in den Export gegangen. Abwrackprämien taten ihr Übriges. Allerlei Veteranen finden sich aber noch in den Gebrauchtwagenportalen. Darunter sind viele gepflegte Rentnerautos, gerne mit bequemer Automatik. Lediglich die Kombis (T17) sind sehr rar geworden. Als Alternative zum deutschen Markt lohnt sich ein Blick nach Benelux, wo die Carina noch häufig zu finden ist.

Ersatzteilversorgung:

Gängige Verschleißteile wie Zündteile, Filter, Riemen und Kupplungen sind gut erhältlich, auch über Toyota. Allerdings ruft der Hersteller hohe Preise auf. Günstiger sind Anbieter im Zubehörmarkt. Experte Hayek rät zu Teilen namhafter Lieferanten mit Erstausrüsterqualität wie Denso, NKG oder Herth&Buss. Zündkerzen von Bosch wiederum sollen die Motoren nicht so gut vertragen. Schwierig wird es bei Ersatz für Karosserieteile, ab und an wird einmal ein vorderer Kotflügel angeboten. Auch bei Zierrat und Ausstattungsteilen sieht es mau aus, die meisten Komponenten sind nicht mehr lieferbar.

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsen vorne (Beläge und Scheiben): ca. 100 Euro

  • Kupplung Satz: ca. 120 Euro

  • Zahnriemensatz mit Spannrollen: ca. 80 Euro

  • Lichtmaschine: ca. 150 Euro

Schwachstellen:

Rost setzt der Toyota Carina am meisten zu. Für aufblühende hintere Radläufe gibt es immerhin noch Reparaturbleche. Ratsam ist auch, in den Radkasten zu schauen und die Aufnahmen der hinteren Gurte zu inspizieren. An den Endspitzen und Seitenschwellern gammelt es ebenfalls häufig. Beim T15 quellen die Kotflügel oft auf wie Blätterteig. »Gute Kotflügel sind fast ein Grund, das Auto zu kaufen«, sagt Alexander Hajek. Die Technik gilt als lange haltbar. Die Motoren sind durch die Bank für 300.000 Kilometer und mehr gut, das gilt auch für die Schalt- und Automatikgetriebe. Die Zahnriemen sollten alle 100.000 Kilometer oder sechs Jahre gewechselt werden. Weil sie sogenannte Freiläufer sind, droht bei einem Riss kein Motorschaden. Vorsicht geboten ist bei Leerlaufschwankungen, schlechter Gasannahme oder Startproblemen. Speziell bei den Vergasermotoren ist die Unterdrucksteuerung komplex und die Fehlersuche aufwendig. Robust zeigt sich die Elektrik – Fensterheber, Motormanagement oder die Anzeigen im Cockpit funktionieren meist auch nach 30 Jahren noch, ohne Ärger zu machen.

Preis:

Fahrbereite Autos mit gültiger HU-Plakette gibt es schon für 1500 Euro. Selbst gepflegte Toyota Carina aus erster Rentnerhand werden für deutlich unter 5000 Euro angeboten. Nur Topmodelle mit besonders guter Ausstattung und wenig Laufleistung können auch mal mehr kosten.

Anlaufstellen im Internet:

Fotostrecke

Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang

Foto:

Lancia