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Toyota RAV4 Plug-in-Hybrid: Kraft aus drei Motoren

Foto: Toyota

Autogramm Toyota RAV4 PHEV Aus der Tiefe des Hubraums

Toyota hat Plug-in-Hybride nie wirklich geliebt und bringt jetzt doch einen weiteren. Beim SUV RAV4 machen die Japaner vieles anders als die Konkurrenz - und bauen einen bemerkenswerten Verbrennungsmotor ein.

Der erste Eindruck: Ein typisches Mittelklasse-SUV im typischen Look von Toyota. Die Designer des Herstellers lieben es, möglichst viele Sicken und Kanten ins Blech zu pressen, was Dynamik und Sportlichkeit ausdrücken soll, oft aber optisch Unruhe schafft. Besonders deutlich ist dies an Front und Heck zu sehen. Doch den Kunden gefällt’s. Kein anderes Modell in dem Segment verkauft sich besser als der RAV4. Allein im vorigen Jahr setzten die Japaner mehr als 900.000 Exemplare ab.

Das sagt der Hersteller: Toyota sieht den RAV4 Plug-in-Hybrid als "vollwertiges Elektroauto". Vollwertig, weil das Auto nach dem Start stets im E-Modus verweilt und sich der Benziner auch beim beherzten Tritt aufs Gaspedal partout nicht ins Spiel bringt. So ist es bei anderen Plug-in-Hybriden häufig der Fall, auch wenn noch Strom im Akku ist. Die Entwickler haben sich hierzu entschieden, weil der Elektromotor genügend Kraft beim Beschleunigen liefert, immerhin sind es 134 kW (182 PS).

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Nicht ganz zur Idee eines vollwertigen Elektroautos scheint zu passen, dass Toyota einen dickeren Verbrennungsmotor (2,5 Liter statt 1,8 Liter Hubraum) in seinen Plug-in-RAV4 packt. Der Vierzylinder leistet 136 kW, nach alter Rechnung sind das 185 PS. In Summe ergibt dies eine Systemleistung - so nennen die Ingenieure die kombinierte Leistung bei Hybridmodellen – von 225 kW (306 PS). Der RAV4 Plug-in-Hybrid avanciert damit fast zum stärksten Modell im Portfolio von Toyota, über ihm liegt nur der Supra GR.

Gleichzeitig aber ist der Plug-in-RAV4 das mit Abstand sparsamste Toyota-Modell. Was keine Kunst ist, denn nach dem WLTP-Zyklus soll das SUV eine elektrische Reichweite von 75 Kilometern schaffen. Daraus ergibt sich ein errechneter Verbrauchswert von 1,0 Liter je 100 Kilometer. In diesem Segment hält da kein Konkurrent mit, ausgenommen gänzlich emissionslose Fahrzeuge. "Diese Strecke von 75 Kilometern deckt mehr als 90 Prozent aller durchschnittlichen Tagesfahrten ab", sagt Alain Uyttenhoven, Präsident und Geschäftsführer von Toyota Deutschland. Wer nur in der City unterwegs ist, schafft sogar nahezu 100 Kilometer", so Uyttenhoven.

Technische Daten

Hersteller:

Toyota

Typ:

RAV4

Karosserie:

Fünftüriges Mittelklasse-SUV

Motor:

Vierzylinder-Benziner

Hubraum:

2,5 Liter

Leistung:

136 kW (185 PS)

Elektromotor vorn:

134 kW (182 PS)

Elektromotor hinten:

40 kW (54 PS)

Systemleistung:

225 kW/306 PS

Getriebe:

e-CVT

Antrieb:

Allrad

Von 0 auf 100:

6,0 s

Höchstgeschw.:

180 km/h

Verbrauch (WLTP):

1,0 l/100 km

CO2-Ausstoß:

22 g/km

Leergewicht:

1910 kg

Kofferraum:

520 Liter

Umgebaut:

1604 Liter

Maße:

4600/1855/1690 mm

Preis:

ab 46.293 Euro

Das ist uns aufgefallen: Dass die offiziellen Kilometerangaben tatsächlich erreichbar sind, konnten wir auf einer Tour rund um Köln erfahren. Selbst mit einem großen Autobahnanteil, der gewöhnlich die Batterie leersaugt, schafften wir locker 67 elektrische Kilometer und registrierten dabei nur anhand des Displays, dass sich danach dezent der Verbrenner zugeschaltet hat. Der RAV4 fährt auffällig leise, weder Abroll-, noch Windgeräusche stören den guten Gesamtkomfort. Auch Federung, Dämpfung und Lenkverhalten geben keinen Anlass zur Kritik.

Vorgesorgt haben Toyotas Ingenieure auch für den Fall, sollte es kurz vor dem Ziel noch eine gewisse Strecke durch eine Umweltzone gehen und hierfür eine entsprechende Restkapazität in der Batterie benötigt wird. Der Fahrer muss dann lediglich rechtzeitig das Fahrprogramm "Batterielademodus" aktivieren und der Benziner sorgt dafür, dass über die E-Motoren - sie arbeiten jetzt als Generatoren – der Akku mit Strom versorgt wird.

Das muss man wissen: Ein Plug-in-Hybrid ist nur sinnvoll, wenn sein Fahrer entweder zu Hause oder beim Arbeitgeber die Möglichkeit hat, Strom zu laden und somit stets mit voller Batterie starten kann. Ansonsten fährt er unnötiges Gewicht umher, das erhöht den Spritverbrauch. Der RAV4 Plug-in-Hybrid wiegt immerhin rund 250 Kilogramm mehr als der normale Hybrid, was in etwa vier Personen an Bord entspricht.

Den größten Vorteil bietet der Plug-in-RAV4 für Dienstwagenfahrer und Flottenkunden. Letztere kalkulieren mit den geringeren Unterhaltskosten (100 elektrische Kilometer kosten oft weniger als fünf Euro an Strom) und der Innovationsprämie (derzeit 4500 Euro). Die staatliche Förderung und der anteilige Zuschuss vom Händler (2250 Euro) macht den RAV4 Plug-in-Hybrid gegenüber dem normalen Hybrid laut Produktmanager Christian Sowa nur noch etwa 3000 Euro teurer. Für ein über 80 PS stärkeres Auto und der Möglichkeit, elektrisch fahren zu können, wirkt diese Summe eher klein.

Dienstwagenfahrer, die den Plug-in-RAV4 auch privat nutzen, müssen monatlich nur 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises versteuern. Bei konventionell angetriebenen Autos beträgt der Wert 1,0 Prozent. Heißt in Zahlen: Bei einem Preis von 58.000 Euro, die der RAV4 in Topausstattung kostet, sind statt 580 nur 290 Euro zu versteuern. "Das entspricht in etwa dem Niveau eines gut ausgestatteten Toyota Corolla", sagt Produktmanager Sowa.

Das werden wir nicht vergessen: Serienmäßig verfügt der RAV4 Plug-in-Hybrid über einen Innenspiegel mit Display. Auf ihm erscheint das Bild, das die Kamera am Heck liefert. Im Prinzip eine coole Sache. Doch Autofahrern, die für die Ferne eine Brille tragen müssen, nützt dieses technische Feature herzlich wenig. Sie sehen das Bild stets unscharf. Immerhin: Der Innenspiegel lässt sich auf den konventionellen Modus umstellen.