ADAC-Bericht Tödliche Gefahr durch Transporter

Fast alle neuen Kleintransporter fallen durch den Sicherheitstest des ADAC. Für Menschen auf der Straße stellten sie eine erhebliche Gefahr dar.
Erst ab 2026 schreibt die EU eine automatische Erkennung von Fußgängern und Radfahrern auch für neue Lieferwagen vor

Erst ab 2026 schreibt die EU eine automatische Erkennung von Fußgängern und Radfahrern auch für neue Lieferwagen vor

Foto: Uwe Rattay / ADAC

18 von 19 Modellen gelten als nicht empfehlenswert: Der Autoclub ADAC und das europäische Crashtest-Konsortium Euro NCAP haben Kleintransporter bis 3,5 Tonnen einem Sicherheitstest unterzogen – jene Gefährten von Lieferdiensten, Handwerkern oder Campern, die seit der Coronakrise mehr denn je das Straßenbild in Deutschland prägen.

Der ADAC bemängelt, dass keines der 19 getesteten Modelle serienmäßig mit Sicherheitssystemen wie dem Notbremsassistenten ausgestattet ist. Lediglich ein Gurtwarner sei durchgehend vorhanden – allerdings sind Kuriere oft nicht angeschnallt, und das dank einer der wenigen noch geltenden Ausnahmen von der Gurtpflicht  auch legal. Gegen Aufpreis sind die umfassenderen Assistenzsysteme zwar zu haben, doch nach Einschätzung des ADAC werden bei dieser Fahrzeugklasse eher die Standardmodelle ohne aufpreispflichtige Extras gekauft.

Die Vorrichtungen, die vor drohenden Unfällen warnen und auch eingreifen, sollten nach Meinung des Autoclubs aber zum notwendigen Standard zählen. So ließen sich etliche Unfälle vermeiden. Die Statistik zeige einen dringenden Handlungsbedarf: Laut Statistischem Bundesamt waren Kleintransporter 2019 in über 14.000 Unfälle mit Personenschaden verwickelt. In 66 Prozent der Fälle, bei denen 126 Menschen starben, waren die Fahrerinnen oder Fahrer der Transporter die Hauptverursacher.

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Besonders Auffahrunfälle oder Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern, wie sie im Stadtverkehr häufig vorkommen, könnten durch einen Notbremsassistenten verhindert oder zumindest abgemildert werden. Aus diesem Grund und weil die Unfallfolgen mit Kleintransportern statistisch gravierender ausfallen als bei Pkw, sind viele Assistenzsysteme ab Juli 2022 für neue Typgenehmigungen gesetzlich vorgeschrieben. So müssen Nutzfahrzeuge und Busse bis 3,5 Tonnen im Rahmen der General Safety Regulation ab Juli 2022 (Neufahrzeuge ab Juli 2024) mit einem autonomen Notbremssystem ausgestattet sein, jeweils zwei Jahre später auch mit Erkennung von Fußgängern und Radfahrern.

Nur der Mercedes-Benz Vito besteht knapp

Dem Prädikat »nicht empfehlenswert« entging nur der Mercedes-Benz Vito, der laut ADAC die Anforderungen immerhin zu 21 Prozent erfüllte und damit den Status »Bronze« erreichte.

Die Noten von Euro NCAP für denselben Test fielen deutlich besser aus: Hier gilt nur der Nissan Interstar als nicht empfehlenswert. Ansonsten verteilte das Gremium sechsmal Bronze, siebenmal Silber, viermal Gold und für den Fiat Ducato auch die Bestnote Platin.

Den Unterschied erklärt der an dem Konsortium beteiligte ADAC damit, dass Euro NCAP die Transporter mit optionaler Vollausstattung untersucht hat. Bei Pkw-Tests wird die Serienausstattung der schlechtesten EU-weit verfügbaren Version als Maßstab genommen. Der fehlende Notbremsassistent war auch der Hauptgrund, warum Ende 2021 das Elektroauto Renault Zoe im Crashtest durchfiel .

ak
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