Chatten und Telefonieren beim Autofahren Kameras sollen Handynutzer am Steuer überführen

Ein neues Überwachungssystem soll Autofahrer überführen, die durch Handys oder Tablets abgelenkt sind. Erste Tests in Rheinland-Pfalz zeigen erstaunlich viele Verstöße.
Chatten beim Autofahren kann zu schweren Unfällen führen

Chatten beim Autofahren kann zu schweren Unfällen führen

Foto: Bernard Bodo / iStockphoto / Getty Images

Wer beim Autofahren sein Handy oder Tablet in die Hand nimmt, kann künftig mit einem neuen Kamerasystem überführt werden. Das in Deutschland einzigartige Pilotprojekt zur Überwachung von Ablenkungsverstößen durch Handynutzung beginne im Juni in Rheinland-Pfalz, kündigte Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Donnerstag in Mainz an. Die niederländische Polizei hat das System namens Monocam zusammen mit der Universität in Utrecht entwickelt und setzt bereits 20 Geräte ein, wie Marcel Masselink aus den Niederlanden berichtete.

Etwa ein halbes bis ein Prozent aller Autofahrer würden damit überführt. In Mainz waren es am Donnerstag bei einem ersten Test im starken Verkehr trotz eines Hinweisschilds etwa 20 Auto- und Lastwagenfahrer pro Stunde.

Kamera erkennt die Verstöße an der Handhaltung

Die Kamera löst in einem Livestream aus, wenn ein Mobiltelefon und eine entsprechende Handhaltung erkannt werden. Geschulte Polizisten bewerten dann unmittelbar vor Ort den festgestellten Verstoß. Die Handynutzung am Steuer wird in Deutschland mit einem Bußgeld von 100 Euro und einem Punkt in Flensburg geahndet. Ziel des Projektes sei es, Unfälle zu verhindern und die Zahl der Verkehrstoten und -verletzten weiter zu senken, sagte Lewentz.

Monocam wird zunächst drei Monate im Polizeipräsidium Trier und dann drei Monate im Polizeipräsidium Mainz erprobt. Die Ergebnisse würden der Innenministerkonferenz zur Verfügung gestellt, sagte Lewentz.

Laut Paragraf 23a der Straßenverkehrsordnung dürfen Mobiltelefone, Tablets und andere elektronische Geräte nicht während der Fahrt benutzt werden – es sei denn, das Kraftfahrzeug verfügt über eine Freisprecheinrichtung oder Vorlesefunktionen. Viele Autofahrer telefonieren trotzdem mit dem Handy am Ohr oder tippen während der Fahrt Kurznachrichten.

So trägt das Hantieren mit Handys am Steuer massiv zu Autounfällen bei, berichteten Forscher im Fachmagazin »Proceedings of the National Academy of Sciences « bereits vor Jahren. Neben Alkohol und Missachtung der Verkehrsregeln ist die Ablenkung mit 68 Prozent die häufigste Unfallursache.

Weil die Dunkelziffer der Verstöße sehr groß sei, überlegt die Polizei nun, künftig »Ablenkung« explizit als Unfallursache angeben können – wie in anderen Fällen etwa mangelnder Abstand oder nicht beachtete Vorfahrt. Das Problem bisher: Um Handysünder zu überführen, braucht es in der Regel Zeugen. Das könnte durch das neue Überwachungssystem gelöst werden.

sug/dpa