Teuerstes Auto der Welt Mercedes verkauft legendäres Uhlenhaut-Coupé für 135 Millionen Euro

Eines der berühmtesten Mercedes-Modelle wechselt den Besitzer, für einen Rekordbetrag. Wirklich nötig hat der Konzern den Erlös nicht – die Aktion folgt aber wohl einer klaren Strategie.
Uhlenhaut-Coupé auf der Techno Classica für Oldtimer und Youngtimer in Essen (2017): Das Auto wechselte jetzt zum Rekordpreis von 135 Millionen Euro den Besitzer

Uhlenhaut-Coupé auf der Techno Classica für Oldtimer und Youngtimer in Essen (2017): Das Auto wechselte jetzt zum Rekordpreis von 135 Millionen Euro den Besitzer

Foto: Marcel Kusch / dpa

Die Gerüchte elektrisieren die Sammlerszene schon seit ein paar Tagen, doch jetzt ist es offiziell: Mercedes hat einen ganz besonderen Flügeltürer versteigert und damit einen Rekord erzielt: 135 Millionen Euro machen das sogenannte Uhlenhaut-Coupé 300 SLR von 1955 offiziell zu dem mit Abstand teuersten Auto der Welt.

Dafür haben die Schwaben Anfang Mai einen handverlesenen Kreis von Stammkunden, Oldtimerfans, Automobil- und Kunstsammlern nach Stuttgart ins geschlossene Museum eingeladen und dort gemeinsam mit RM Sotheby’s einen Silberpfeil versteigert, der maßgeblich Anteil am Mythos der Marke hat.

Von diesem Formel-1-Rennwagen mit Straßenzulassung gibt es gerade einmal zwei Exemplare: Angetrieben von einem 302 PS starken Achtzylinder mit drei Litern Hubraum (gut für maximal 290 km/h), wurden sie für die Rennsaison 1956 gebaut. Weil sich Mercedes aber 1955 aus dem Motorsport zurückzog, kamen die beiden schnittigen Zweisitzer nie zum Einsatz und dienten deshalb dem Versuchsleiter Rudolf Uhlenhaut als Dienstwagen.

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Das teuerste Auto der Welt

Foto: Mercedes

Danach wurde das Doppel in die firmeneigene Sammlung überstellt, zu der mehr als 1100 Oldtimer zählen. Beide Autos blieben bis zuletzt in Werksbesitz. Sie unterscheiden sich allein durch die Farbe der Innenausstattung – ein Auto ist blau ausgekleidet, das andere rot.

Neben dem fast schon irrwitzigen Preis treibt die Sammlerszene vor allem die Frage um, weshalb Mercedes so ein gewichtiges Stück der eigenen Geschichte überhaupt verkauft – zumal der Konzern riesige Gewinne einfährt.

Er wolle Gutes mit dem Geld tun, sagt Vorstandschef Ola Källenius: »Mit dem Erlös aus der Auktion wird ein weltweites Stipendienprogramm finanziert. Mit dem ›Mercedes-Benz Fund‹ möchten wir eine neue Generation ermutigen, in die innovativen Fußstapfen von Rudolf Uhlenhaut zu treten und großartige neue Technologien zu entwickeln, insbesondere zu Dekarbonisierung und Ressourcenschonung«, sagt Kallänius.

Mercedes feilt verstärkt am Luxus-Image

Eine weitere, inoffizielle Begründung kommt von Branchenkennern, die ihren Namen nicht genannt wissen wollen. Für sie passt der Verkauf in die gerade noch einmal nachgeschärfte Strategie der absoluten Luxus-Orientierung. Mercedes will weniger Lösungen für schnöde Transportaufgaben anbieten, sondern margenträchtigen Lifestyle und Luxus.

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Darauf richtet die Firma das Modellprogramm aus: Drei Viertel aller Investitionen gehen künftig in die Oberklasse, das Programm darunter werde radikal ausgedünnt wird – so hat es Källenius ein paar Stunden vor der Bestätigung der Rekordauktion angekündigt. Etwa die Hälfte der Kompaktklasse-Familie werde gestrichen.

Ferrari haben die Schwaben überholt

»Da passt es doch perfekt, wenn man sich als Hersteller des teuersten Autos aller Zeiten feiern lassen kann«, so der Insider. Und man muss gar nicht zwischen den Zeilen lesen, um diese Vermutung bestätigt zu finden: »Den höchsten Preis zu erzielen, der jemals für ein Fahrzeug gezahlt wurde, ist eine Ehre und ein Auftrag zugleich«, schmeichelt Källenius sich und der eigenen Marke.

Das ist auch wichtig, weil bis dato etwa zwei Drittel der zehn wertvollsten Autos der Welt von Ferrari stammten – darunter auch der bisherige Spitzenreiter. Bislang galt ein 1962er Ferrari 250 GTO als Wertmeister, nachdem er im August 2018 beim Concours d’Elegance in Pebble Beach für 48,4 Millionen Dollar den Besitzer wechselte. Der bislang teuerste Mercedes dagegen – ebenfalls ein 300SL, mit dem Juan Manuel Fangio in der Formel-1-Saison 1954 fuhr – brachte es auf 29,6 Millionen Euro.

Indes sind längst nicht alle Preise bekannt, die in der Szene gezahlt werden. Viele Autos werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Auktion verkauft.

Branchenkenner und Wertanalysten registrierten in den vergangenen Jahren wieder allgemein steigende Preise – auch weil Reiche in Krisenzeiten gern in Sachwerte investieren. Doch mit dreistelligen Millionenerlösen für ein Auto hatte so schnell niemand gerechnet. Dabei geben Sammler für Kunst bisweilen deutlich mehr aus: So 2017, als in New York das angeblich von Leonardo da Vinci gemalte Bild »Salvator Mundi« versteigert wurde und seitdem mit einem Preis von 450 Millionen Dollar als teuerstes Gemälde der Welt gilt.

Wie bei dem bislang spektakulärsten Kunstdeal wird auch diesmal über den Sieger oder die Siegerin der Auktion offiziell nichts verraten. Diverse Medien wollen die Person als Briten enttarnt haben.

Jedenfalls hat Mercedes mit dem künftigen Eigner vereinbart, dass der Uhlenhaut nicht in der Versenkung verschwindet, sondern zu besonderen Anlässen auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Wer das Zwillingsmodell sehen will, hat es leichter: Es kann sechs Tage die Woche im Raum Mythos 4 des Mercedes-Museums besichtigt werden.