Umweltbundesamt Luft in deutschen Städten wird vielerorts besser

Die Belastung durch gesundheitsschädliche Abgase ist in den Großstädten insgesamt zurückgegangen. Dennoch werden die Grenzwerte in vielen Metropolen noch immer deutlich überschritten.
Luft-Messstation für Feinstaub und Stickoxide am Stuttgarter Neckartor

Luft-Messstation für Feinstaub und Stickoxide am Stuttgarter Neckartor

Foto: Bernd Weissbrod/ picture alliance/dpa

Die Luft in deutschen Städten wird sauberer, die Belastung etwa durch Diesel-Abgase geht zurück. Einer Auswertung des Umweltbundesamts (UBA) zufolge wurde der Jahresmittelgrenzwert für das gesundheitsschädliche Stickstoffdioxid (NO2) von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nur noch an rund 20 Prozent der verkehrsnahen Messstationen überschritten. 2018 waren es noch 42 Prozent. "Die Luftqualität in 2019 hat sich verbessert", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Gründe für den Rückgang sind den UBA-Experten zufolge unter anderem Tempolimits, Fahrverbote oder umweltfreundlichere Busse, aber auch meteorologische Einflüsse, die die Ausbreitung von Luftschadstoffen beeinflussen. Auch Softwareupdates für die Abgasreinigung alter Diesel-Autos und der Austausch älterer Pkw durch neuere hätten zu einer Verbesserung der Luftqualität beigetragen. Demnach zeigten Berechnungen des UBA, dass Softwareupdates und Flottenerneuerung 2019 eine Minderung von ein bis zwei Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter bewirkten. Davon seien rund drei Viertel auf neue, sauberere Fahrzeuge zurückzuführen und nur etwa ein Viertel auf die Wirkung der Softwareupdates.

NO2-Grenzwert wird in mindestens 19 Städten überschritten

Allerdings wird der zulässige NO2-Grenzwert weiterhin in mindestens 19 deutschen Städten überschritten. Denn bisher wurden fast nur automatisch messende Stationen bei der UBA-Analyse berücksichtigt. Wenn im Mai Daten weiterer Stationen vorliegen, könnte die Zahl der Städte mit zu hohen Messwerten auf 25 bis 30 steigen, sagt UBA-Chef Dirk Messner. 2018 war der Jahresmittelwert noch in 57 deutschen Städten zu hoch.

Städte mit NO2-Grenzwertüberschreitungen 2019

Messstation

NO2-Jahresmittelwert 2019 in Mikrogramm pro Kubikmeter Luft

München (Landshuter Allee)

63

Stuttgart (Am Neckartor)

53

Kiel (Theodor-Heuss-Ring)

49

Berlin (Leipziger Straße)

48

Hamburg (Habichtstraße)

48

Heilbronn (Weinsberger Straße Ost)

47

Reutlingen (Lederstraße Ost)

46

Düsseldorf (Corneliusstraße)

45*

Dortmund (Brackeler Straße)

45

Hagen (Graf-von-Galen-Ring)

45

Wiesbaden (Schiersteiner Straße)

45*

Köln (Clevischer Ring 3)

44

Oberhausen (Mühlheimer Straße 117)

43

Wuppertal (Gathe)

43

Limburg a.d. Lahn (Schiede)

42*

Frankfurt am Main (Friedb. Ldstr.)

42*

Mainz (Parcusstraße)

42

Mannheim (Friedrichsring)

42

Gelsenkirchen (Kurt-Schumacher-Straße)

41

* 2018 wurde der Höchstwert in dieser Stadt an einer anderen Station (Passivsammler) gemessen, deren Daten stehen noch aus.

Die Daten von 130 der 140 Passivsammler liegen laut UBA erst im Mai 2020 vor. Für die folgenden Städte, in denen 2018 der Grenzwert überschritten wurde, lagen laut Umweltbundesamt noch keine aktuellen Daten vor, in Klammern der Jahresmittelwert 2018: Darmstadt (67), Düren (54), Bonn (50), Osnabrück (50), Backnang (49), Bochum (48), Essen (48), Hannover (47), Offenbach am Main (46), Aachen (45), Esslingen (45), Neuss (45), Paderborn (45), Sindelfingen (45), Witten (44), Herne (43), Hürth (43), Ulm (43), Duisburg (42), Eschweiler (42), Mühlheim a.d. Ruhr (42), Schwerte (42), Bielefeld (41), Herrenberg (41), Overath (41) und Siegen (41).

Quelle: Umweltbundesamt

Hauptquelle von NO2 in Städten sei laut dem UBA noch immer der Straßenverkehr und vor allem Diesel-Pkw. Allerdings hätten moderne Fahrzeuge, welche die Abgasnorm Euro 6d-TEMP erfüllen, niedrigere Emissionen, was zu einer Abnahme der NO2-Belastung geführt habe. "Dies zeigt, dass wir schon längst die Grenzwerte in den Städten hätten einhalten können, wenn bereits ältere Diesel-Pkw sauber gewesen wären, und zwar nicht nur auf dem Prüfstand, sondern real auf der Straße", so UBA-Chef Messner. "Und eins bleibt klar: Der beste Garant für saubere Luft in den Städten sind weniger Autos auf den Straßen."

Erstmals keine Überschreitungen des Feinstaub-Grenzwertes

Beim Feinstaub gab es erstmals keine Überschreitungen des derzeit geltenden Grenzwertes. 2019 war laut dem UBA das am geringsten mit Feinstaub belastete Jahr seit Beginn der Feinstaubmessungen Ende der Neunzigerjahre. Als Feinstaub gelten Partikel mit einem maximalen Durchmesser von zehn Mikrometern (PM10). Ein Mikrometer entspricht einem Millionstel Meter. Im Verkehr trägt neben dem Abrieb von Bremsen und Reifen vor allem der Verbrennungsprozess im Ottomotor zur Feinstaubbelastung bei. Zwar wurden die Feinstaubgrenzwerte für PM10 (höchstens 35 Tage pro Jahr über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Tagesmittel und maximal 40 Mikrogramm im Jahresmittel) deutschlandweit erstmals eingehalten, das UBA hält das aber nicht für ausreichend.

"Feinstaub ist ein deutlich größeres Gesundheitsproblem als Stickstoffoxide - global und auch in Deutschland", sagt Messner. Die Grenzwerte für Feinstaub seien mittlerweile über 20 Jahre alt und müssten dringend an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angepasst werden. Auf Grundlage wissenschaftlicher Studien empfiehlt die WHO, dass die PM10-Konzentrationen den Wert von 20 Mikrogramm im Jahresmittel nicht überschreiten sollen. "Um die Gesundheit der Menschen zu schützen, sollten die Feinstaub-Grenzwerte strenger werden", fordert Messner.

Anmerkung: In einer vorigen Version des Textes hieß es, zehn Mikrometer entsprächen einem Millionstel Meter. Wir haben den Fehler korrigiert.

cfr/ene/dpa