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Eine Prise Zukunft

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Unu-Elektroroller im Test Die neue E-Klasse

Das Start-up Unu ist einer der Pioniere bei Elektrorollern. Jetzt kommt das neue Modell auf den Markt: Es ist schwerer, aber komfortabler und bietet jetzt auch genug Platz für zwei Personen.

Der erste Eindruck: Ist das jetzt retro oder Zukunft? Während die meisten Hersteller sich entweder für traditionelles oder ein futuristisches Aussehen ihrer Roller entscheiden, ist der Unu der Kompromisskandidat. Der runde Scheinwerfer erinnert an den klassisch gezeichneten Vorgänger, das schlichte Design außen rum weist eher in die Zukunft.

Das sagt der Hersteller: "Zwei Sitzplätze, zwei Batterien und Platz für zwei Helme unter der Sitzbank" - das waren laut Felix Jakobsen, Leiter für Deutschland und Österreich bei Unu, die Wünsche der Kunden für den neuen Roller. Anhand dieser Vorgaben wurde das Zweirad entwickelt. Dass dabei einige Kompromisse herauskamen, wie zum Beispiel das oben erwähnte Zwitterdesign, sei durchaus beabsichtigt. "Wir wollten die Ähnlichkeit zum Vorgänger erhalten, aber trotzdem einen Schritt nach vorn machen", erklärt Jakobsen.

Das neue Design solle außerdem auch die technische Weiterentwicklung des Rollers widerspiegeln. Denn die Software des neuen Unu-Rollers kann, wie auch bei Autos von Tesla, jederzeit per Over-the-Air-Update auf den neuesten Stand gebracht werden.

Der Roller bietet eigentlich allerlei Zusatzfunktionen. So navigiert die Unu-App den Fahrer über das Display des Rollers ans Ziel, der Roller kann außerdem per App für Freunde oder Familienmitglieder freigeben werden - allerdings erst ab dem kommenden Frühjahr. "Die Smart-Features kommen schrittweise im nächsten Jahr und werden automatisch per Over-the-Air-Update aufgespielt", erklärt Jakobsen.

Das ist uns aufgefallen: Auf dem Unu fehlt etwas, und zwar das Fahrgeräusch. Der Roller gleitet beinahe lautlos und ganz ohne das Surren, das viele andere Modelle von sich geben. Das hat jedoch einen unerwarteten Nachteil: Man merkt, wie laut der Stadtverkehr wirklich ist - vor allem, wenn man hinter einem Verbrennerroller der gleichen Klasse herfährt.

Beim Fahren profitiert der Unu davon, dass er im Vergleich zum Vorgänger gewachsen ist. Während der alte Roller nur 1,70 Meter lang war und ohne Batterien 57 Kilogramm wog, bringt es der Nachfolger auf 1,80 Meter und 81,5 Kilogramm. Dadurch gewinnt man nicht nur Fahrkomfort, sondern auch jede Menge Stauraum. Unter der Sitzbank ist nun Platz für zwei Akkus, außerdem ist dort auch ein 33 Liter fassendes Gepäckfach versteckt, in das mit etwas Geschick zwei Helme passen.

Trotz des gestiegenen Gewichts kommt der Roller an der Ampel gut weg, zumindest in der vier Kilowatt starken Topversion, die laut Unu auch am häufigsten geordert wird. In dieser Variante werden für den Roller mindestens 3899 Euro fällig. Der Roller ist auch als Basisversion mit zwei Kilowatt Leistung oder als Standardmodell mit drei Kilowatt erhältlich, dann kostet der Cityflitzer mindestens 2799 beziehungsweise 3299 Euro. Dass die stärkste Version am beliebtesten ist, überrascht jedoch nicht.

Die Beschleunigung fühlt sich auf den ersten Metern zwar etwas teigig an, dann schnellt der Tacho jedoch fix nach oben. Die Schwachstelle des Vorgängers war jedoch nicht das Losfahren, sondern das Verzögern. So bemängelte der ADAC in einem Vergleichstest die im Vergleich zur Konkurrenz schwache und schlecht dosierbare Bremse. Diese Kritik haben sich die Entwickler offenbar zu Herzen genommen, beim neuen Modell gibt es nun auch hinten eine Scheibenbremse, die gut dosierbar ist und ordentlich zupackt.

Das muss man wissen: Im Vergleich zur Konkurrenz sitzt der Unu nicht nur beim Design zwischen den Stühlen. Im Gegensatz zu kleinen, sehr agilen Rollern wie dem Vorgängermodell ist er behäbiger, bietet dafür aber wirklich Platz für zwei Personen, ohne dass Mitfahrer sich ständig sorgen müssen, während der Fahrt unfreiwillig nach hinten abzusteigen. Trotz des Wachstumsschubs und des vergleichsweise großen Stauraums ist der Unu aber immer noch einige Zentimeter kürzer als Konkurrenten wie die Vespa Elettrica.

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Einen Mittelweg verfolgt das Berliner Start-up auch bei der Herstellung der kleinen Gefährte. Während viele Konkurrenten in China entwickeln und produzieren gibt es auch eine Gegenbewegung, so produziert der Konkurrent Kumpan beispielsweise in Deutschland. Unu liegt zwischen beiden Polen: Entwickelt, gezeichnet und programmiert wird in Deutschland, gefertigt dagegen in China.

Das werden wir nicht vergessen: Die Fahrt über eine Temposchwelle in der Dreißigerzone. Was bei vergleichbaren Rollern mit lautem Schlag und einem Belastungstest für die Bandscheiben verbunden ist, blieb mit dem Unu erfreulich langweilig. Unbeeindruckt nimmt der Roller jede Schwelle, ganz ohne nerviges Gerumpel.

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