Geplanter Ausstieg 2035 Mehrheit lehnt Verbot von Autos mit Verbrennungsmotor ab

Die EU-Kommission will, dass ab 2035 keine Diesel- und Benzinautos mehr zugelassen werden. Die meisten Deutschen halten davon laut einer SPIEGEL-Umfrage nichts. Einzelne Bevölkerungsgruppen sind aber dafür.
Automotorenherstellung (Symbolbild): Den Verbrenner lieber nicht verbieten

Automotorenherstellung (Symbolbild): Den Verbrenner lieber nicht verbieten

Foto: Nataliya Hora / iStockphoto / Getty Images

Das Aus für den Verbrennungsmotor scheint derzeit nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Zuletzt hat Autohersteller Daimler angekündigt, bis Ende des Jahrzehnts bereit für den vollständigen Umstieg auf Elektroautos zu sein. Zuvor hatten Volkswagen, General Motors und andere den Abschied von der Technologie verkündet.

In Brüssel hat die EU-Kommission einen Plan vorgestellt, laut dem spätestens im Jahr 2035 Schluss mit neuen Autos mit Diesel- und Benzinmotoren sein soll. In der Europäischen Union soll bis zum Jahr 2050 praktisch gar kein CO₂ mehr ausgestoßen werden. Über die Vorschläge muss die EU-Kommission noch mit dem EU-Parlament und den Mitgliedstaaten verhandeln.

Eine große Mehrheit der Deutschen hält von den Plänen zum gesetzlich vorgegebenen Verbrennerausstieg allerdings offenbar nichts. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den SPIEGEL sprechen sich 59 Prozent dagegen aus. Lediglich 33 Prozent befürworten diese Maßnahme, die Elektroautos endgültig den Durchbruch sichern soll.

Besonders ausgeprägt ist die Ablehnung bei den Älteren: 65 Prozent der Wählerinnen und Wähler, die 65 Jahre und älter sind, lehnen das Vorhaben ab. Nur 26 Prozent in dieser Altersgruppe sind dafür. Lediglich bei den 18- bis 29-Jährigen gibt es womöglich überwiegend Zustimmung für das Verbrennerverbot: 49 Prozent befürworten dieses, 48 Prozent sind dagegen. Diese Mehrheit liegt allerdings im Bereich der statistischen Fehlertoleranz.

Relativ klar sprechen sich Studierende für den Abschied von Diesel und Benzin aus. 66 Prozent von ihnen wollen, dass ab 2035 keine Autos mit Diesel und Benzinmotor mehr zugelassen werden in der EU.

Unter den Anhängern verschiedener Parteien gibt es lediglich bei Grünenwählern eine Mehrheit für das Verbrenner-Aus. Die Unterstützer von CDU, FDP und AfD sprechen sich sehr deutlich gegen das verordnete Ende der Technik aus, SPD und Linke knapper.

Einzelne Länder wie Norwegen (2025) und Großbritannien (2030) streben bereits frühere Ausstiegstermine für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor an. In Deutschland war die Politik bisher zurückhaltender, auch weil Zehntausende Arbeitsplätze in direkter Verbindung mit dem Verbrennungsmotor stehen, vor allem bei Zulieferbetrieben.

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Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Teile der Industrie hoffen, dass alternative, klimaneutrale Kraftstoffe (sogenannte E-Fuels) in großen Mengen und günstig produziert werden können und dem Verbrennungsmotor so eine Zukunftsperspektive verschaffen. Viele Fachleute halten dies für unrealistisch, weil die Herstellung derartiger Kraftstoffe enorme Mengen Energie verschlingt und erst eine gigantische Industrie zu deren Produktion entstehen müsste.

Elektroautos hingegen gelten vielen Autofahrern als noch zu teuer. Zudem weisen Kritiker auf die bei vielen Modellen vergleichsweise geringe Reichweite hin. Allerdings macht die Industrie sowohl beim Preis als auch bei der Leistung der Batterien Fortschritte. Der vielfach geäußerte Verdacht, dass batterieelektrische Autos stärker dem Klima schaden als Diesel oder Benziner, scheint sich derweil nicht zu bestätigen.

nis