Auswertung von Verkehrsdaten nach Städten Trotz Homeoffice-Trend – Lockerungen bringen Staus schnell zurück

Wegen Corona standen Autofahrer in Deutschland 2020 im Durchschnitt nur gut einen Tag im Stau. Aber: Die Blechlawine kommt rasch wieder.
Stau in Berlin: Im Sommer 2020 erreichte der Verkehr in Deutschland beinahe wieder sein Vorkrisenniveau

Stau in Berlin: Im Sommer 2020 erreichte der Verkehr in Deutschland beinahe wieder sein Vorkrisenniveau

Foto: Sven Braun/ dpa

Die Corona-Pandemie hat wenig positive Seiten. Eine davon ist, dass sich der Verkehr reduziert hat: Sowohl die Umwelt als auch die Autofahrer profitierten in den vergangenen zwölf Monaten von deutlich leereren Straßen. Recht deutlich zeigt dies eine aktuelle Staustudie.

Gerade mal 26 Stunden standen Deutschlands Autofahrer 2020 im Stau, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Analyse des Verkehrsdatenanbieter Inrix  hervorgeht. Im Jahr zuvor waren es mit 46 Stunden beinahe doppelt so viele. Mögliche Gründe: mehr Homeoffice, geschlossene Geschäfte, weniger Freizeitmöglichkeiten.

Düsseldorf verzeichnet größte Veränderung

Spitzenreiter des nervenzehrenden Verkehrs ist nach wie vor München, wo Autofahrerinnen und -fahrer trotz Coronaflaute im Schnitt 65 Stunden wegen verstopfter Straßen verloren haben. Immerhin: 2019 waren es noch 87 Stunden.

Auf Platz zwei und drei im innerdeutschen Vergleich folgen Berlin und Nürnberg mit je 46 und 35 Stunden Zeitverlust durch Staus. Die größte Veränderung brachte das Coronajahr in Düsseldorf: Während sich die Rhein-Stadt 2019 noch mit 50 Stunden auf dem dritten Rang befand, sank die Zeit im Stau dort beinahe um die Hälfte auf durchschnittlich 27 Stunden.

International liegt Bukarest mit 134 Stunden auf Platz eins des Staurankings, dicht gefolgt vom Vorjahres-»Sieger«, der kolumbianischen Hauptstadt Bogota (133 Stunden). Danach folgen New York (100 Stunden), Moskau (100 Stunden) und Philadelphia (94 Stunden).

Lockdown light bringt Verkehrsrückgang light

Das geringere Verkehrsaufkommen habe den Autofahrern laut Inrix außerdem Geld gespart: In ganz Deutschland hätten die coronabedingten Beschränkungen rechnerisch pro Kopf zu einer Ersparnis von etwa 173 Euro geführt.

Auffällig ist, dass die Menschen den ersten Lockdown offenbar ernster genommen haben als den zweiten: Im April 2020, dem ersten vollen Monat mit Corona-Shutdown, ging das Verkehrsaufkommen rapide zurück. Vor allem die Fahrten in die Innenstädte hätten sich laut der Analyse in manchen Städten um bis zu zwei Drittel reduziert.

Während des Sommers – als es kurzzeitig so schien, als sei die schlimmste Corona-Phase vorbei – näherte sich der Verkehr wieder dem Vorkrisenniveau. In München erreichte er im September 2020 sogar das Level vom Februar.

Im seit November geltenden zweiten Lockdown ist das Verkehrsaufkommen weniger stark zurückgegangen. Trotzdem lagen die Fahrten in die deutschen Innenstädte im Februar 2021 rund 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Laut TomTom war Berlin 2020 Stauhauptstadt

Inrix erstellt seine Verkehrsanalysen nach eigener Angabe  anhand von anonymen Daten von vernetzten Fahrzeugen, Mobilgeräten, Navigationsgeräten, Flottenfahrzeugen, der Straßen- und Werkstattinfrastruktur sowie öffentlich verfügbaren Informationen über Störungen. Der Zeitverlust im Stau wurde im Vergleich zur Fahrtdauer bei freier Straße ermittelt. Das Unternehmen verkauft Verkehrsanalysen und Dienstleistungen für vernetzte Autos an Verwaltungen und Unternehmen.

Andere Firmen verwenden andere Methoden und kommen mitunter zu anderen Ergebnissen. So war dem Kartenanbieter TomTom zufolge 2020 Berlin Deutschlands Stauhauptstadt.

zob