Pop-up-Verkehrswende Hannover verwandelt Straßen in Spielplätze

Hannover sperrt seit Montag Straßen in der Innenstadt für den Autoverkehr. In den Fußgängerzonen finden nun ein Jugendzentrum, Skate-Anlagen und ein Theaterfestival Platz – zumindest für eine Weile.
Auf der Schmiedestraße in Hannover sorgen Autos immer wieder für Verkehrschaos

Auf der Schmiedestraße in Hannover sorgen Autos immer wieder für Verkehrschaos

Foto: Moritz Frankenberg / dpa

Die niedersächsische Landeshauptstadt sperrt Autos vorübergehend aus. Eine mehrspurige Straße am Hauptbahnhof sowie weitere Straßen in der Altstadt von Hannover sind zeitweise Fußgängerzonen. Seit Montag läuft das zunächst auf einige Wochen angelegte Verkehrswende-Experiment von Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne), der damit eines seiner Wahlversprechen einlöst.

Der bislang durch den Autoverkehr blockierte öffentliche Raum soll nun Kindern, Hobbysportlern und der Kultur zugutekommen. Auf den frei gewordenen Flächen entstehen ein Jugendzentrum, eine Skate-Anlage und ein Beachtennis-Platz. Außerdem ist ein Theaterfestival geplant. Mit dem Versuch will die Stadt testen, ob sich so die Lebensqualität steigern lässt.

Wie in anderen Städten war die Idee einer autofreien City ein großes Thema im Rathaus-Wahlkampf in Hannover, wo knapp 540.000 Menschen leben. Onay gewann im Herbst 2019 die Stichwahl mit 53 Prozent der Stimmen gegen einen CDU-Kandidaten. Zuvor hatte mit Fritz Kuhn in Stuttgart erst ein Grünenpolitiker eine Landeshauptstadt regiert.

CDU »kurz davor«, Rücktritt zu fordern

Das auf eine begrenzte Zeit angelegte Experiment hatte zuvor für Streit in der Lokalpolitik gesorgt. Die CDU kritisierte, dass nicht alle Interessen ausreichend berücksichtigt worden seien. Oberbürgermeister Onay habe sich nicht ausreichend mit städtischen Akteuren, etwa den Einzelhändlern, abgestimmt. Diese fürchten mitunter Umsatzeinbußen, wenn die Kundschaft nicht mehr mit dem Auto vor dem Laden vorfahren kann.

»Die Performance, die Herr Onay hier derzeit bietet, ist peinlich«, sagte Niedersachsens CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer vergangene Woche. Er sei »kurz davor«, den Rücktritt des Oberbürgermeisters zu fordern, so der Politiker in der »Hannoverschen Allgemeinen«. Die Umsetzung der sogenannten Experimentierräume sei stümperhaft gelaufen. Die Sperranlangen für den Autoverkehr wurden bereits vergangene Woche schrittweise aufgebaut, was teils Staus verursachte.

Auch in anderen Großstädten wie Berlin, München oder Köln gibt es Überlegungen, den öffentlichen Raum neu zu organisieren, um lokale Klimaziele zu erfüllen, die Zahl der Verkehrsunfälle zu reduzieren und die Aufenthaltsqualität in der City zu erhöhen. Verschiedene Instrumente für die Verkehrslenkung stehen zur Debatte, von einer Stadtmaut bis zu autofreien Zonen.

fww/dpa
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