Verkehrsminister Wissing »Deutschland soll Fahrradland werden«

Das Image von der Porsche-Partei scheint korrekturbedürftig: FDP-Minister Wissing hat sich vor Experten klar zum Fahrrad bekannt. Kritisch sieht er, dass viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen.
Verkehrsminister Wissing: »Fahrräder haben heutzutage einen anderen Wert als in der Vergangenheit«

Verkehrsminister Wissing: »Fahrräder haben heutzutage einen anderen Wert als in der Vergangenheit«

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Filip Singer / EPA

Die Fahrradindustrie erlebt einen Boom, Menschen wollen zunehmend Rad fahren und andere Verkehrsmittel weniger nutzen. Auch Verkehrsminister Volker Wissing will diesen Trend unterstützen. »Deutschland soll Fahrradland werden«, sagte der FDP-Politiker bei einem Vortrag auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar. Auf dem Kongress kommen Arbeitskreise zu Themen des Verkehrsrechts und der Verkehrssicherheit zusammen.

Laut Wissing soll unter anderem der sogenannte intermodale Verkehr gefördert werden: Er befürworte, wenn Pendler mit dem Fahrrad zum Bahnhof und von dort mit dem Zug weiter zu ihrem Arbeitsplatz fahren würden.

»Fahrräder haben heutzutage einen anderen Wert als in der Vergangenheit«, sagte Wissing. Deshalb seien beispielsweise an Bahnhöfen sichere Abstellmöglichkeiten in Form von Fahrradparkhäusern notwendig. Diese müssten schnell ausgebaut werden. Angesichts des Fachkräftemangels sei dabei auch eine serielle Fertigung denkbar.

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Neben Parkhäusern müsse deshalb generell die Infrastruktur für den Radverkehr verbessert werden. Es brauche etwa geschlossene Netze möglichst vom restlichen Verkehr abgetrennter Radwege. Ein guter Radweg habe mindestens eine Breite von 2,5 Metern je Richtung, sagte Wissing in Bezug auf einen durch das Verkehrsministerium geförderten Leitfaden für den Radverkehr. Vielen Menschen sei Radfahren zu unsicher: »Wenn Eltern ihre Kinder lieber mit dem Auto zur Schule bringen, statt sie auf das Fahrrad zu setzen – dann läuft etwas falsch.«

Darüber hinaus müssten verschiedene Verkehrsmittel generell besser verknüpft werden. Wissing begrüßte deshalb die Entscheidung des Verkehrsgerichtstages, in den kommenden Jahren erstmals auch Themen zum Luft- und Bahnverkehr zu behandeln.

Der Gerichtstag ist am Mittwoch in Goslar gestartet und zählt zu den wichtigsten Treffen von Fachleuten aus dem Verkehrsbereich in Deutschland. In diesem Jahr nehmen 1211 Teilnehmer aus rund einem Dutzend europäischen Ländern teil.

Die FDP war zuletzt eher als Fürsprecherin fürs Auto  – mit gewisser Nähe zum Hersteller Porsche  – aufgefallen denn fürs Rad. Parteichef Christian Lindner machte sich im Bundestagswahlkampf 2021 immer wieder lustig über das Anliegen der Grünen, Lastenräder zu fördern und dem Rad mehr Platz in der Stadt einzuräumen. In diesem Zusammenhang warnte er davor , Deutschland zu einem »Bullerbü« umzubauen.

Wissings Vorgänger im Amt, Andreas Scheuer (CSU), war beim Thema Fahrradfahren immer wieder in die Kritik geraten. So hatte sein Ministerium Spott einstecken müssen für eine Kampagne für Fahrradhelme. Zudem hatte sich auch Scheuer gegen Förderungen für Lastenfahrräder ausgesprochen.

Allerdings lobte teils sogar die Fahrradlobby Scheuer dafür, dass er dem Radverkehr mehr Mittel verschaffte und Straßenverkehrsregeln zugunsten des Rades geändert wurden. So müssen Autofahrer beim Überholen inzwischen einen Abstand von anderthalb Metern einhalten.

joe/dpa
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