Fotostrecke

Schwedisches Design und eine Prise Google: Der Volvo XC40 Recharge

Foto: Volvo

Autogramm Volvo XC40 Recharge P8 AWD Ein SUV wie eine Designercouch

Die elektrische Version des Volvo XC40 ist das erste Batterieauto der Marke und markiert einen Umbruch: Wo früher der Kombi König war, regiert nun skandinavisches SUV-Design.

Der erste Eindruck: In Architektenbüros rund um den Globus kann aufgeatmet werden. Endlich gibt es ein Elektro-SUV, das zur skandinavischen Designercouch passt.

Das sagt der Hersteller: "Der XC40 Recharge ist ein historischer Meilenstein für Volvo", sagt Vorstandschef Hakan Samuelsson. "Jetzt beginnt eine neue Ära, in der wir eine Premium-Elektromarke sein wollen." Man wolle den CO2-Grenzwerten zuvorkommen, allerdings nicht wegen drohender Strafzahlungen oder künftiger Zulassungsstopps für Verbrenner in zahlreichen Staaten. "Das Premiumsegment wird künftig elektrisch sein und Batteriefahrzeuge werden profitabler sein als Verbrenner, deren Anteil am Weltmarkt immer weiter schrumpfen wird", ist sich Samuelsson sicher. Die Elektrifizierung sei deshalb oberste Priorität.

Dabei soll es aber kein typischer Volvo-Kombi richten, auch wenn der in der Masse von Elektro-SUV erfrischend herausstechen würde. Stattdessen setzt man auch bei Volvo auf einen Stadtgeländewagen. "Volvo war lange Zeit eine Kombi-Marke", erklärt Samuelsson. Mittlerweile entfielen auf SUV wie den XC40, den XC60 und den XC90 jedoch 60 Prozent der Verkäufe. "Volvo ist heute eine SUV-Marke", fasst der Volvo-Chef zusammen.

So ist der XC40 Recharge nach Firmenangaben für 2020 bereits ausverkauft, man konzentriere sich nun darauf, die Produktion für 2021 hochzufahren. "Der XC40 wird unser wichtigstes Elektromodell, nächstes Jahr kommt noch eine Crossover-Variante des Wagens hinzu", kündigt der Vorstandschef an. 2022 kommt dann die E-Version des großen SUV XC90 und 2025, so Samuelsson, "wird der Anteil der Batteriefahrzeuge den der Plug-in-Hybride bei Volvo übersteigen".

Das ist uns aufgefallen: Der elektrische XC40 löst eine in Autotests gern bemühte Plattitüde ein. Er ist tatsächlich ein Smartphone auf Rädern. Gesagt wurde das schon über einige Modelle, weil sie besonders gut vernetzt waren oder ein übergroßer Bildschirm in der Mitte des Armaturenbretts prangte. Auch der erste Batterie-Volvo kann wie ein Smartphone "over the Air", also aus der Entfernung, auf den neuesten Stand gebracht werden und hat viele ausgereifte Fahrassistenten und natürlich ein großes Display an Bord. Im Unterschied zu seinen Konkurrenten hat er jedoch eine entscheidende Sache mit einem Smartphone gemeinsam: die Bedienung.

Das Betriebssystem des Wagens basiert auf Googles Android-Plattform, die auch in den meisten Smartphones steckt. Ans Ziel führt die vertraute Kartenansicht aus Google-Maps, die Symbole auf dem Startbildschirm gleichen denen, die man vom Gerät aus der Hosentasche kennt, es sei denn, man bevorzugt Apples iOS. Dadurch fühlt sich der Bildschirm in der Mitte des Cockpits samt der darunterliegenden Home-Taste tatsächlich an wie ein übergroßes, ins Auto verpflanztes Handy.

Das hat praktische, aber auch paradoxe Konsequenzen. Die Oberfläche und auch die Kartenansicht kommen angenehm aufgeräumt daher, und man gelangt durch die bekannte Menüstruktur vor allem bei den ersten Versuchen schneller ans Ziel als bei der Konkurrenz. Funktionen wie zum Beispiel der Spurhalteassistent lassen sich so einfach ein- und ausschalten. Das über die vom Android-Handy bekannten Klickschalter zu tun, die sonst für Banalitäten wie das WLAN oder den Flugmodus zuständig sind, ist dennoch ungewohnt.

Das muss man wissen: Durch die mittig platzierte Batterie, die auch bei der Schallisolierung hilft, fährt der XC40 extrem leise und komfortabel. Nur bei zügiger Fahrt auf kurvigen Landstraßen kann der Wagen sein Gewicht von knapp 2,2 Tonnen nicht verbergen. Unruhe kommt dennoch zu keinem Zeitpunkt auf, auch weil der XC40 keine künstlichen Raumschiffklänge von sich gibt. Stattdessen hört man das leise, nur entfernt hörbare Surren des E-Motors, das trotzdem mitreißt, wenn es sich mit zunehmender Geschwindigkeit höher schraubt - genau der Klang, den man sich von einem Stromer wünscht.

Das stille Dahingleiten ist jedoch nicht nur angenehm, manchmal ist die Ruhe auch nötig. Reichweitenangst kommt im XC40 bei einem WLTP-Wert von 400 Kilometern zwar nicht auf, auch der Testverbrauch des Vorserienmodells von knapp unter 20 Kilowattstunden auf 100 Kilometer - ohne Ladeverluste - spricht für einen Aktionsradius von 300 bis 400 Kilometer. Wer wissen will, wie weit man tatsächlich noch kommt, braucht aber Ruhe und sollte kopfrechnen können.

Denn das Display hinterm Lenkrad zeigt lediglich den Ladestand der Batterie in Prozent und den Verbrauch auf 100 Kilometer - allerdings nicht, wie weit man mit der Ladung ungefähr noch kommt. Die Entwickler wollten mit diesem Verzicht das Display von unnötigem Ballast befreien und Reichweitenangst nehmen. Außerdem war die Angabe aufgrund der unterschiedlichen Verbräuche in der Stadt und auf der Autobahn Volvo zu ungenau. Stattdessen soll der Fahrerin oder dem Fahrer ein anderes Feature helfen: Die Navigation über Google Maps gibt an, wie voll die Batterie am Ziel der Fahrt voraussichtlich noch sein wird - oder schlägt, wenn die Reichweite zu gering ist, Ladestopps entlang des Weges vor. Und falls das nicht reicht und Kunden die Kilometeranzeige unbedingt wollen, könnte Volvo sie künftig wie von Zauberhand per Update aufspielen.

Technische Daten

Hersteller:

Volvo

Typ:

XC40 Recharge Pure Electric

Karosserie:

SUV

Motor:

Elektro

Getriebe:

Einstufig

Antrieb:

Allrad

Leistung:

300 kW/408 PS

Drehmoment:

660 Nm

Von 0 auf 100:

4,9 s

Höchstgeschw.:

180 km/h

Batteriekapazität:

78 kWh

Reichweite WLTP:

418 km

Verbrauch:

22 kWh / 100 km

CO2-Ausstoß:

0 g/km

Ladeleistung:

11 kW AC bis 150 kW DC

Leergewicht:

2220 kg

Maße:

4425/1863/1652

Wendekreis:

11,8 m

Kofferraumvolumen:

414 - 1328 Liter / 31 Liter Frontkofferraum

Zul. Anhängelast:

1500 kg

Preis:

ab 60.436,97 Euro

Das werden wir nicht vergessen: Die im wahrsten Sinne des Wortes beinahe schwindelerregende Beschleunigung. Nicht, dass sie bei 660 Newtonmetern Drehmoment und einem Sprintwert aus dem Stand auf 100 km/h von 4,9 Sekunden überraschend kommen würde, immerhin ist der Antriebsstrang mit dem des sportlich ausgelegten Polestar 2 identisch. Der Antritt des XC40 beeindruckt zwar an jeder Ampel aufs Neue, wirkt in diesem extrem leisen und komfortablen Auto, das auf 180 km/h Höchstgeschwindigkeit beschränkt ist, aber seltsam deplatziert. Dafür hat Volvo jedoch eine Lösung parat: Mittelfristig soll es eine schwächere Version mit einem Motor an der Vorderachse geben.