Bahnverkehr Neuer Nachtzug verbindet Deutschland und Skandinavien

Konkurrenz für Auto und Flugzeug: Bahnfahrer können ab sofort mit dem Nachtzug von Berlin nach Kopenhagen und Stockholm reisen – erstmals seit den Neunzigerjahren.
Private Konkurrenz für die Deutsche Bahn: Skandinavien-Urlauber können zukünftig auch mit dem Nachtzug fahren

Private Konkurrenz für die Deutsche Bahn: Skandinavien-Urlauber können zukünftig auch mit dem Nachtzug fahren

Foto: Martin Drube / Snalltaget

1043 Kilometer Strecke, mehr als 19 Stunden Fahrtzeit: Das europäische Nachtzug-Netz wächst um eine Verbindung. Seit Montag können Fahrgäste von Berlin aus über Hamburg nach Kopenhagen, Malmö und Stockholm mit dem Nachtzug fahren. Das schwedische Bahnunternehmen Snälltåget bietet die Verbindung bis Anfang September täglich an, im Herbst dann vier- bis fünfmal pro Woche.

Es sei die erste regelmäßige Nachtzugverbindung zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden seit fast 30 Jahren, teilte das Unternehmen mit. Die erste Fahrt von Süden nach Norden startet am Montagabend in Berlin-Gesundbrunnen um kurz vor 19 Uhr und erreicht Stockholm am Dienstag gegen 14.30 Uhr. Später am Nachmittag geht es dann wieder zurück.

Die neue Nachtlinie ersetzt die bis 2019 angebotene Zugverbindung zwischen dem schwedischen Malmö und Berlin, bei der es zwischen Trelleborg und Sassnitz auf der Fähre über die Ostsee ging. »Wir glauben an das Produkt Nachtzug und begrüßen unsere Fahrgäste zurück an Bord«, sagte Snälltåget-Chef Adam Holmberg am Montag. Liegesitze würden ab 74 Euro angeboten.

Deutsche Bahn will keine Schlafwagen kaufen

Der Ausbau des Nachtzug-Netzes gilt als wichtiger Klimabaustein, um mehr innereuropäischen Flug- und Autoverkehr auf die Schiene zu verlagern und so die Emissionen zu senken. Während die Strecke nach Skandinavien von einer schwedischen Tochter der französischen Transdev-Gruppe betrieben wird, will auch die Deutsche Bahn zukünftig wieder mehr Nachtzüge anbieten.

Zusammen mit den staatlichen Bahnkonzernen aus Frankreich, Österreich und der Schweiz kündigte die Bahn beispielsweise an, zukünftig 13 europäische Millionenmetropolen mit Nachtzügen zu verbinden. So stehen ab Dezember die Strecken Wien-München-Paris sowie Zürich-Köln-Amsterdam neu im Fahrplan. Ende 2023 kommt Wien-Berlin-Brüssel-Paris dazu und ein Jahr später Zürich-Barcelona, so die Ankündigung.

Geplante Nachtzugverbindungen europäischer Staatsbahnen

Geplante Nachtzugverbindungen europäischer Staatsbahnen

Foto: Deutsche Bahn

Bei der ersten Abfahrt des Nachtzugs nach Stockholm am Montagabend will auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in Berlin dabei sein. »Im europäischen Jahr der Schiene 2021 ist der privat betriebene Snälltåget ein wichtiges Signal«, so Scheuer. Anders als etwa die österreichische ÖBB will die Deutsche Bahn bislang nicht in neue Nachtzüge mit Schlaf- und Liegewagen investieren.

Stattdessen soll sich der Staatskonzern mit seinen Sitzwagen an den Nachtzugverbindungen seiner europäischen Partner beteiligen, so die Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. »Die DB Fernverkehr AG verfügt über keine Schlafwagen mehr und plant auch nicht, neue Schlafwagen zu kaufen oder zu leasen«, hieß es darin.

Während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft hatte der Verkehrsminister im vergangenen Herbst die Wiederbelebung des »TransEuropExpress« angekündigt. »Abends in München oder Berlin in den Zug steigen und morgens entspannt in Paris oder Brüssel ankommen«, warb Scheuer bei einem Schienengipfel für die Idee. Damit werde der grenzüberschreitende Verkehr in Europa klima- und umweltfreundlicher.

fww
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