VW ID.3 Das »30.000-Euro-Elektroauto« von VW kostet jetzt fast 44.000 Euro

Elektroautos werden deutlich teurer, jüngstes Beispiel ist Volkswagens ID.3. Bald schmilzt zudem die staatliche Förderung. Branchenexperten sehen schwere Zeiten auf die E-Mobilität zukommen.
Der VW ID.3 sollte eigentlich den Volks-Wagen Golf ablösen

Der VW ID.3 sollte eigentlich den Volks-Wagen Golf ablösen

Foto: Matthias Rietschel / REUTERS

Er war das erste richtige Elektroauto von Volkswagen: Der ID.3, als eine Art Golf für das Elektrozeitalter 2020 auf den Markt gebracht. Ursprünglich sollte der Preis für die Basisversion »unter 30.000 Euro«  liegen – als Signal, dass sich auch die Massen den neuen Antrieb leisten können. Nun wird das Modell jedoch deutlich teurer, zeigt ein Blick in den aktualisierten Konfigurator  des ID.3. Der Listenpreis für das günstigste verfügbare Modell Life beträgt seit dem 1. Dezember 43.995 Euro, 6000 Euro mehr als bisher. Das berichtet der Branchendienst für Elektromobilität Electrive.net .

Erschwingliche Alternativen mit vergleichbarer Leistung werden rar. Auch andere Hersteller haben ihre Verkaufspreise für Elektroautos stark erhöht, Tesla in diesem Jahr bereits mehrfach. Die Basisversion des Tesla Model 3 wird derzeit für 49.990 Euro angeboten , 10.000 Euro mehr als im Vorjahr. Damit setzen die Hersteller Aufschläge durch, die selbst die üppige staatliche Förderung in Deutschland aufwiegen. Anscheinend finden sie auch so noch ausreichend Nachfrage für ihren Absatz, auch weil sich die Fahrzeuge als junge Gebrauchte aus steuerlichen Gründen immer noch teurer nach Skandinavien weiterverkaufen lassen .

Für Kundinnen und Kunden in Deutschland jedoch wachsen die finanziellen Hürden zum Umstieg auf E-Mobilität. Hinzu kommt, dass der Bund die Kaufprämie zum Jahreswechsel um bis zu 3000 Euro kürzt. Die Innovationsprämie ist zudem auf ein festes Budget begrenzt, wird also nur gezahlt, solange der Vorrat reicht. Für gewerbliche Neuzulassungen fällt sie im September 2023 ganz weg. Außerdem machen sich die drastisch steigenden Strompreise auch in den Ladetarifen bemerkbar, was den Vorteil bei den laufenden Betriebskosten gegenüber Benzin oder Diesel zumindest einschränkt.

»Dürrezeit für das Elektroauto«

»In Deutschland kündigt sich für das Elektroauto eine Dürrezeit an«, warnt Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger Center Automotive Research. Er rechne damit, dass die Zulassungszahlen und Marktanteile von E-Autos in den kommenden beiden Jahren einbrechen. Für 2022 seien noch fast 400.000 vollelektrische Neuwagen zu erwarten, gut 15 Prozent des Gesamtmarkts. Bis 2024 jedoch werde ihr Anteil auf zehn Prozent sinken, während der Markt für die nicht mehr geförderten teilelektrischen Plug-in-Hybride ganz »in die Knie« gehe.

Frühestens 2025, so Dudenhöffer, sei auf günstigere Effekte zu hoffen: dank der sparsameren Massenfertigung von Elektroautos und Batterien in Europa, außerdem dank dann wieder sinkender Strompreise. Bis dahin verliere Deutschland »wichtige Zeit beim Wandel des Mobilitätssektors«. Der negative Preiseffekt sei umso größer, je kleiner und kompakter das Fahrzeug. In der Oberklasse hingegen spiele die Innovationsprämie ohnehin keine Rolle.

Chips und Batterien fehlen

Volkswagen verwies gegenüber dem SPIEGEL darauf, dass die jetzt zu bestellenden 44.000-Euro-Modelle bereits Ausstattungsoptionen enthielten, die normalerweise extra kosten würden. Dazu gehört die mittlere Batterie, die 58 kWh Strom speichern kann. Das Basismodell mit der kleinen 45-kWh-Batterie wurde schon lange aus dem Programm genommen, um die wenigen verfügbaren Akkus in lukrativeren Modelle einzusetzen. In Zukunft solle es aber auch wieder einen Basis-ID.3 geben, der deutlich weniger als 44.000 Euro kosten werde – vorausgesetzt, der Batterieengpass löst sich auf.

Das Unternehmen stellt zudem in Aussicht, dass jetzt bestellte ID.3 bereits in einer verbesserten Version mit anderem Design und besseren Materialien im Innenraum ausgeliefert werden, die Anfang 2023 vorgestellt werden soll. Ohnehin müsse man sich auf lange Wartezeit einstellen: Wer jetzt einen ID.3 bestelle, werde das Fahrzeug in den meisten Varianten »nicht vor dem vierten Quartal 2023« geliefert bekommen. Gründe dafür sei die Versorgungssituation mit Halbleitern und der bereits bestehende Auftragsbestand.

Die Chips werden zwar auch für Autos mit Verbrennungsmotoren benötigt. Vor allem wegen der gestiegenen Rohstoffpreise für Batteriematerialien wie Lithium, Kobalt oder Nickel treffe die Versorgungskrise Elektroautos aber stärker als Benziner oder Diesel, erklärt Dudenhöffer.

Seit Ende 2020 leiden die deutschen Autohersteller unter Lieferschwierigkeiten, insbesondere bei Halbleitern. Seit Oktober verbessert sich die Lage für die Branche allmählich – was sich beim Absatz bemerkbar macht. 208.642 Neuzulassungen verzeichnete die Branche Oktober, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte. Das waren rund 17 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Der monatelange Rückgang bei den Auslieferungszahlen ist somit vorerst gestoppt. Der Absatz von Elektroautos legte ebenso stark zu wie der Gesamtmarkt.

koe/ahh
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