Trotz neuer E-Auto-Ziele VW setzt weiter auf den Verbrennungsmotor
Mehr Elektro, aber kein Verbrennerausstieg: VW setzt künftig verstärkt auf E-Autos wie den ID.4
Foto: Hendrik Schmidt / dpaMehr Tempo bei der E-Mobilität und das wachsende Geschäft mit Kundendaten sollen bei Volkswagen die nächsten Jahre bestimmen. Die Kernmarke von Europas größtem Autokonzern hat nun eine neue Strategie bis 2030 vorgelegt.
Darin geht es vor allem um den weiteren Ausbau der Elektroflotte unter dem Druck verschärfter Klimaziele. Bis 2030 sollen in Europa nun 70 Prozent der Gesamtverkäufe auf reine Stromer entfallen, sagte VW-Kernmarken-Chef Ralf Brandstätter.
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Damit verdoppelt die Marke die bisher geplante Quote für batterieelektrische Fahrzeuge von 35 Prozent. In den USA und China will die Marke im selben Zeitraum einen Elektroanteil von mehr als 50 Prozent erreichen.
VWs Entscheidung, noch stärker auf E-Autos zu setzen, ist auch ein Rückschlag für sogenannte E-Fuels, also synthetischen Kraftstoff, der mithilfe von Strom gewonnen wird und Verbrennern so eine Überlebenschance verschaffen soll. Der Branchenverband VDA setzt sich – wie auch der Sportwagenhersteller Porsche – für diese Kraftstoffe ein, VW steht dieser Laufzeitverlängerung für Verbrennungsmotoren dagegen ablehnend gegenüber.
Golf und Passat bekommen noch einen Nachfolger
Anders als etwa Volvo, Jaguar, Ford oder General Motors haben die Wolfsburger aber noch kein festes Datum für einen Abschied vom Verbrenner genannt. Ein verbindliches Ausstiegsdatum gilt vielen Experten jedoch nicht als entscheidend für die Antriebswende. Kurzfristige, ambitionierte Ziele für einen hohen Elektroanteil sind demnach besser als mittelfristige Verbrennerausstiege mit Schlupflöchern, wie zum Beispiel bei General Motors. Ein kurzfristiges Elektroziel verkündete VW jedoch ebenfalls nicht.
Die Marke verkündete zwar, die Pläne für ein Elektroauto unterhalb des ID.3 mit einem Einstiegspreis ab 20.000 Euro um zwei Jahre auf 2025 vorzuziehen. Gleichzeitig will die Marke VW aber wichtige Verbrennermodelle neu auflegen und an den umstrittenen Plug-in-Hybriden festhalten.
So sollen alle Kernmodelle wie etwa Golf, Tiguan und Passat noch einmal einen Nachfolger bekommen. »Wir brauchen den Verbrenner noch auf bestimmte Zeit, aber so effizient wie möglich«, so Brandstätter. Deshalb sollen diese Modelle auch als Plug-in-Hybride mit bis zu 100 Kilometern elektrischer Reichweite erhältlich sein.
VW verkündete jedoch nicht nur neue Elektroziele. Zusätzlich soll das Geschäft mit Daten und dem Herunterladen zusätzlicher Funktionen in der Autosoftware ein Schwerpunkt werden. Beim ID.3 etwa sollen ab dem Sommer drahtlose Softwareupdates möglich sein. Es geht um direkte Kundenkommunikation, aber auch um neue Geldquellen.
So sollen alle möglichen digitalen Funktionen standardmäßig vorinstalliert sein. Nutzer können sie dann je nach Nachfrage und Fahrprofil freischalten lassen. So soll auch die bislang teure Vielfalt und Komplexität zahlreicher verschiedener Grundvarianten sinken. Es sei denkbar, dass ein solches Modell »durchaus dreistellige Millionenbeträge in die Kassen bringen« könne, sagte Vertriebschef Klaus Zellmer. Zudem will VW binnen drei Jahren die Fixkosten um weitere fünf Prozent drücken.