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Walter Röhrl wird 75: Stark am Steuer

Rallye-Ikone Walter Röhrl wird 75 Dichter und Lenker

Manche halten Walter Röhrl für den besten Autofahrer auf dem Planeten. Der zweimalige Rallye-Weltmeister ist aber auch ein Freund klarer Worte. Zum Geburtstag feiert ihn ein neues Buch.

»What means Röhrl«, soll mal ein britischer Motorsportjournalist einen deutschen Kollegen gefragt haben. Der erklärte ihm was von einer kleinen Röhre, worauf der Brite entgegnete: »Oh no, he’s not a röhrl, he’s a pipeline.«

Gemeint war Walter Röhrl, geboren am 7. März 1947 in Regensburg. Der Pipeline-Vergleich beschreibt das bisherige Leben Röhrls treffend. Der Mann war zweimal Rallye-Weltmeister, gewann viermal die legendäre Rallye Monte Carlo für vier unterschiedliche Marken (1980 mit Fiat, 1982 mit Opel, 1983 mit Lancia, 1984 mit Audi) – und gilt als bester Rallyefahrer der Welt. Der vor drei Jahren verstorbene österreichische Formel-1-Held Niki Lauda nannte den Deutschen »ein Genie auf Rädern«.

Zum 75. Geburtstag von Walter Röhrl erscheint jetzt ein opulent bebildertes Buch, in dem Weggefährten den Jubilar hochleben lassen. Christian Geistdörfer, viele Jahre Co-Pilot auf dem »heißen Stuhl« rechts neben Röhrls Arbeitsplatz am Lenkrad, stellt im Prolog des Bandes die Frage: »Gibt es noch etwas, das nicht schon zigmal geschrieben worden ist? Von intergalaktischen Fahrkünsten, Driftwinkeln jenseits jeder physikalischen Haftgrenze, deftigen Sprüchen oder seiner unerschütterlichen Geradlinigkeit bei Aussagen und Meinungsbekundungen zu den verschiedensten Themen?«

Gibt es vermutlich nicht. Trotzdem ist es eine Freude, in der Eloge auf »den Langen« – Röhrl ist 1,96 Meter groß – zu schmökern.

Da finden sich viele bislang unbekannte Fotos aus dem Leben Walter Röhrls. So organisierte Geistdörfer Schnappschüsse aus dem privaten Archiv Röhrls. Dazu erinnern sich Motorsportgrößen wie Jean Todt, Rauno Aaltonen, Ari Vatanen und Hans-Joachim Stuck an ihre Erlebnisse mit Röhrl, auch der Ex-Radrennfahrer Eddy Merckx ist dabei.

Hinter dem Lenkrad, das wird bei der Lektüre deutlich, war Röhrl einzigartig. Seinen ersten WM-Lauf, die Akropolis-Rallye 1975, gewann er mit einem Vorsprung von 35 Minuten und 42 Sekunden auf den Zweitplatzierten. Da war er im dritten Jahr Profi. Berühmt aber wurde Röhrl nicht nur durch seine sportlichen Erfolge. Er zeigte oft genug Größe. Etwa, als er 1977 als Gaststarter bei der Rallye San Martino di Castrozza, an dritter Stelle liegend, direkt vor dem Ziel anhielt, um einem hinter ihm liegenden Fahrer, der um EM-Punkte kämpfte, diese nicht wegzunehmen.

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Und er klopfte oft genug Sprüche. »Beim Beschleunigen müssen die Tränen der Ergriffenheit waagerecht zum Ohr hin abfließen.« Oder: »Gute Fahrer haben die Fliegenreste auf den Seitenscheiben.« Oder: »Man kann ein Auto nicht wie ein menschliches Wesen behandeln. Ein Auto braucht Liebe!« Aphorismen dieser Art produzierte Röhrl zuhauf. Auch sich selbst wusste er pointiert zu charakterisieren »Es ist mir egal, ob ich Erster oder Zwölfter bin. Wenn ich jemals das Gefühl bekomme, nicht mehr perfekt zu fahren, hänge ich den Helm an den Nagel.«

Sein Wille zur Perfektion – ob im Auto, auf Skiern oder auf dem Rennrad – war und ist legendär. Im Buch erinnert sich der ehemalige belgische Radprofi und fünfmalige Tour-de-France-Gewinner Merckx: »Das ständige Streben nach Perfektion – auch auf dem Fahrrad – und die Begeisterung für Radtechnik zeichnen ihn aus (...). Er wollte alles über Technik, die Position auf dem Rad, mein damaliges Training und meine Vorbereitung auf die Tour de France (...) wissen.«

Röhrl wusste natürlich um seine Obsession. In einem Buchbeitrag vor einigen Jahren schrieb er: »Heute würde ich sagen, diese Sucht nach Perfektion war schon fast krankhaft. Es kam so weit, dass ich mich über einen Rallyesieg nur zehn Minuten freuen konnte. Gewinnen war praktisch selbstverständlich. (...) Ich war mitunter wirklich unausstehlich.«

Podcast

Am Montag, 14. März, startet eine Serie über Walter Röhrl auf dem Podcast »Alte Schule – die goldene Ära des Automobils«  von Karsten Arndt, einem der Autoren des Buches.

Manchmal ist er das wohl auch heute noch. Röhrl steht seit 1993 bei Porsche als Testfahrer und Repräsentant unter Vertrag. Sein Urteil über neue Modelle und Technologien gilt in Zuffenhausen als sakrosankt.

Und nicht immer werden es die Entwicklungsingenieure gern hören. »Das E-Auto ist und bleibt für mich ein Irrweg«, gab Röhrl immer wieder zu Protokoll. Dennoch war er an der Entwicklung des vollelektrischen Porsche Taycan beteiligt und lobt einerseits dessen »Power, Dynamik, Handling«, gibt sich zugleich aber auch störrisch gegenüber der neuen Antriebstechnik. In einem Interview mit dem österreichischen Portal motor.at erklärte er Ende vergangenen Jahres, privat fahren würde er den Taycan eher nicht. »Ich bin in meinem Leben neun Millionen Kilometer gefahren und noch nie länger als fünf Minuten bei der Tankstelle gewesen. Und das bleibt auch so.«

Im neuen Buch schreibt der finnische Rallye-Haudegen und einstige Röhrl-Förderer Rauno Aaltonen, es sei typisch für Röhrl, »mit wenigen Worten genau das zu sagen, was er denkt«. Also dann, Schlusswort Walter Röhrl: »Der Sport hat mir unbeschreibliche Erlebnisse gegeben. Geld hat mich nie interessiert. Und berühmt sein ist lästig.«

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