Wasserstoffautos ...da waren's nur noch zwei

Viele Autofahrer halten Brennstoffzellen-Pkw für komfortabler als Batterie-Elektroautos. Doch der Durchbruch scheint fern: Diese zwei Modelle gibt es noch - und diese sollen kommen.
Vier Pkw-Modelle mit Brennstoffzelle und Wasserstoffantrieb waren in Deutschland mal im Angebot - doch aktuell sind nur noch zwei der Fahrzeuge hierzulande bestellbar

Vier Pkw-Modelle mit Brennstoffzelle und Wasserstoffantrieb waren in Deutschland mal im Angebot - doch aktuell sind nur noch zwei der Fahrzeuge hierzulande bestellbar

Foto: Max Jackwerth

Wer wissen will, wie viele Wasserstoffautos es in Deutschland gibt, muss in der amtlichen Statistik etwas länger suchen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) listet den alternativen Antrieb nicht in den Übersichten zu Neuzulassungen und Bestand.

Die Anzahl sei dafür viel zu klein, heißt es bei der Behörde. Erst wer sich durch die Modelllisten arbeitet, findet heraus: Insgesamt sind in Deutschland 507 Wasserstoffautos zugelassen. Das sind umgerechnet 0,001 Prozent aller hierzulande fahrenden Autos.

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Diese Autos fahren mit Wasserstoff

Foto: DPA

Die Zahlen zeigen, dass die Brennstoffzelle in der deutschen Autoindustrie einen schweren Stand hat. Während Volkswagen, Mercedes und BMW zahlreiche Batterie-elektrische Modelle auf den Markt werfen, fristet Wasserstoff weiterhin ein Nischendasein.

Weltweit gibt es immerhin etwa 18.000 Fahrzeuge, die mit einer Brennstoffzelle unterwegs sind, die meisten von ihnen in Asien und den USA. Vorreiter in dieser Technologie sind Konzerne aus Fernost.

Die Autoindustrie steht indes auch in Europa unter starkem Druck, CO2 einzusparen. Solche Modelle könnten auch hier helfen, Emissionen im Verkehr zu senken. Wasserstoff lässt sich aus Ökostrom und Wasser herstellen. Die Fahrzeuge haben eine Brennstoffzelle an Bord, in der Wasserstoff in Strom umgewandelt wird. Der treibt den Elektromotor des Wagens an. Der emittiert lediglich Wasserdampf.

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Doch die deutschen Hersteller hadern mit dem Antrieb. Er sei zu teuer und zu kompliziert, es gebe zu wenig Tankstellen.

Das klang mal ganz anders. Zwischen 1994 und 2002 präsentierte Mercedes fünf Prototypen und eine Kleinserie auf A-Klasse-Basis mit Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff betrieben wurde.

BMW stellte 2006 das Modell BMW Hydrogen 7 vor. Die Bayern verzichteten auf eine Brennstoffzelle, und speisten den flüssigen, -253 Grad Celsius kalten Wasserstoff aus den Spezialtanks des Autos direkt in die Verbrennermaschine. Dort wurde der Wasserstoff zur Explosion gebracht und bewegte die Kolben nach herkömmlicher Art. Eine charmante Idee - die jedoch aufgrund der hochkomplexen Wasserstofflagerung bei Extremtemperatur derart alltagsfern war, dass sie nicht weiterverfolgt wurde.

Nur drei Modelle auf deutschen Straßen, zwei davon käuflich

Moderne Wasserstoffautos verfügen über eine Brennstoffzelle und Tanks, in denen gasförmiger Wasserstoff gespeichert wird. Inzwischen kommen Hochdrucktanks zum Einsatz, in denen der Wasserstoff mit einem Druck von 700 bar gespeichert wird.

In Deutschland sind derzeit lediglich drei Pkw-Modelle dieser Bauart auf den Straßen, von denen allerdings nur noch zwei Typen weiterhin angeboten werden. Hier der Überblick:

Toyota Mirai

Toyota Mirai

Foto: Toyota/ dpa

Toyota Mirai: Der Marktführer

Der Toyota Mirai ist mit 12.000 abgesetzten Autos das derzeit weltweit meistverkaufte Brennstoffzellen-Modell. Der Tank fasst fünf Kilogramm Wasserstoff. Das reicht nach Angaben von Toyota für etwas mehr als 500 Kilometer Fahrstrecke mit einer Füllung. Seit 2015 gibt es den Wagen in Deutschland zu kaufen. Anfang 2019 waren hierzulande 138 Mirai zugelassen. Inzwischen hat sich die Anzahl nach Angaben von Toyota auf gut 300 Exemplare erhöht. Weniger als 30 Exemplare sind in privater Hand. Das dürfte vor allem am hohen Preis liegen. Aktuell kostet der Mirai knapp 80.000 Euro. Genutzt werden die Mirai-Modelle hauptsächlich von Kommunen, Bürgermeistern und Firmen. 2021 soll die zweite Generation des Mirai auf den Markt kommen. Dann mit einem zusätzlichen Wasserstofftank, sodass insgesamt sechs Kilogramm Wasserstoff in dann drei Tanks gespeichert werden können. Die Reichweite erhöht sich so auf knapp 700 Kilometer.

Hyundai Nexo

Hyundai Nexo

Foto: Uli Sonntag / Hyundai

Hyundai Nexo: Der Herausforderer

Der koreanische Hersteller Hyundai hat bereits zwei Wasserstoffmodelle in Deutschland auf den Markt gebracht. Zunächst ab 2015 den Hyundai ix35 Fuel Cell, seit 2018 dann dessen Nachfolger Nexo. In den drei Wasserstofftanks des Nexo können 6,33 Kilogramm Wasserstoff gespeichert werden. Die Reichweite nach NEFZ-Norm beträgt damit etwa 750 Kilometer. Die E-Maschine des Nexo leistet 120 kW (163 PS), der Basispreis des Wasserstoff-SUV liegt bei 77.000 Euro. Etwa 250 Nexo-Modelle wurden in Deutschland bislang zugelassen. Hyundai verfolgt eine stringente Brennstoffzellen-Strategie. 700.000 Brennstoffzellensysteme will das Unternehmen bis 2030 jährlich produzieren können, wurde jüngst bekannt gegeben. Die sollen jedoch nicht nur in Autos, sondern auch in Drohnen, Schiffen und Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommen.

Mercedes GLC Fuel-Cell

Mercedes GLC Fuel-Cell

Foto: Daimler

Mercedes GLC F-Cell: Der deutsche Versuch

Als erster deutscher Hersteller brachte Mercedes einen Wasserstoffwagen in Kleinserie auf den Markt: den SUV GLC F-Cell. Zusätzlich zur Brennstoffzelle verfügte das Auto auch über einen extern aufladbaren Lithium-Ionen-Akku, es ist also eigentlich ein Plug-in-Hybrid-Fahrzeug. Zu kaufen gab es den Wasserstoff-Mercedes nie, ausschließlich ein Mietangebot für 799 Euro im Monat wurde ausgeschrieben. Das Angebot richtete sich jedoch lediglich an einige Wirtschaftspartner und Politiker. Die zwei Hochdrucktanks des GLC F-Cell nahmen insgesamt 4,4 Kilogramm Wasserstoff auf, was etwa 430 Kilometer Reichweite ermöglichte. Hinzu kamen bis zu 50 Kilometer aus dem 13,5 kWh-Lithium-Ionen-Akku. Im April 2020 gab Mercedes das Ende des Projekts Brennstoffzellen-Pkw bekannt. Die Produktion des GLC F-Cell wurde eingestellt. Als Gründe für das Aus nach zwei Jahren nannte Mercedes die geringe Anzahl der Wasserstofftankstellen und hohe Technologiekosten.

Das Tankstellen-Argument verwundert etwas, denn 85 der weltweit rund 400 Wasserstoff-Tankstellen befinden sich in Deutschland. Nur in Japan gibt es mehr. "Das Potenzial der Brennstoffzellentechnologie und Wasserstoff als Energiespeicher stehen außer Frage. Dennoch ist aktuell die Batterie der Brennstoffzelle bezüglich einer großvolumigen Markteinführung überlegen", teilte Mercedes auf Anfrage des SPIEGEL mit. Ausgedient hat die Brennstoffzelle bei Daimler nicht. Sie soll in einem Joint Venture mit dem schwedischen Hersteller Volvo für den Einsatz in Schwerlast-Lkw erprobt werden.

Kommt da noch was?

Wer derzeit in Deutschland ein Wasserstoffauto kaufen möchte, hat letztlich also nur die Auswahl zwischen zwei Modellen: Toyotas Mirai und Hyundais Nexo. Wer ein deutsches Wasserstofffabrikat fahren möchte, findet nichts vor. Audi und BMW immerhin bezeichnen die Brennstoffzelle nach wie vor als "weitere Säule im zukünftigen Antriebsportfolio".

Audi befinde sich gerade "in einer Evaluierungsphase, wie der konkrete Ersteinsatzplan des Brennstoffzellenantriebs" künftig aussehen wird, heißt es in Ingolstadt. 2014 präsentierte das Unternehmen das Concept A7 Sportback h-tron-quattro, seither ist es jedoch ruhig geworden um die Brennstoffzellentechnologie bei Audi.

BMW ist offenbar ein paar Schritte weiter. Der Autobauer will 2022 den Brennstoffzellenwagen i Hydrogen Next in Kleinserie auf den Markt bringen. Das Auto wird auf dem SUV-Modell X5 basieren, und die Elektromaschine wird aus dem BMW iX3 übernommen.

Vermutlich wird in den kommenden Jahren auch Honda ein Auge auf den europäischen Wasserstoff-Markt werfen. Der japanische Hersteller hat bereits ein Brennstoffzellenauto entwickelt: die Limousine Clarity Fuell Cell. Sie wird derzeit jedoch ausschließlich in den USA und in Japan vertrieben. Bis mindestens 2022 werde Hondas Fokus auf Batterie-elektrischen Fahrzeugen liegen, heißt es auf Nachfrage. Danach allerdings, so ein Unternehmenssprecher, könnte sich in Sachen Brennstoffzellenauto in Europa etwas tun.

Nach dem großen Durchbruch klingt das alles mal wieder nicht.