Berlins Doppeldeckerbusse Facelift für die "Großen Gelben"

Sie gelten mittlerweile als ein Wahrzeichen Berlins: Die gelben Doppeldeckerbusse durchkreuzen die Hauptstadt und sind vor allem bei Touristen beliebt. Das neue, preisgekrönte Modell wird jetzt in Berlin montiert.

Berlin - Fast nackt kommen sie in Berlin an, die neuen Doppeldeckerbusse für die Hauptstadt. Dutzende von frei liegenden Kabeln, Dämmmaterial an der Decke und ein fehlendes Fenster erinnern an einen Rohbau. Seit kurzem werden die Busse von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) selbst fertig montiert. 30 Monteure, Elektriker und Tischler, deren Beschäftigung bei der BVG nicht mehr gesichert war, haben hier eine neue Aufgabe gefunden. "So konnten wir Kosten sparen und Arbeitsplätze erhalten", erläutert Werkstattleiter Peter Facius.

"Doppeldecker sind inzwischen zu einem Markenzeichen von Berlin geworden", sagt Projektleiter Horst-Rainer Schröder. Derzeit sind 359 der "Großen Gelben" auf Berlins Straßen unterwegs. In den nächsten Jahren sollen sie durch das neue, preisgekrönte Modell ersetzt und ihre Zahl auf 600 aufgestockt werden.

Als Subunternehmen der Firma Neoman hat die BVG im vergangenen November damit begonnen, die Endmontage der behindertengerechten Fahrzeuge selbst zu übernehmen. Die halbfertigen Busse kommen aus dem sächsischen Plauen, das Material aus dem bayerischen Pilsting. Die Werkstatt auf dem Betriebshof in Berlin-Lichtenberg ist in sechs Arbeitsbereiche unterteilt. Wie am Fließband wird hier jeder einzelne Bus zu Ende gebaut. Kabel werden gezogen, Sitze montiert und Haltestangen angebracht. Jeder hat seinen festen Arbeitsplatz, nur die Busse wechseln die Positionen - ein reibungsloser Ablauf. Doch bis es soweit war, hat es gedauert. "Wir mussten die Arbeitsplätze erst einmal einrichten und kannten die Abläufe selbst noch nicht", erklärt der Projektleiter.

Sitze durch die Fenster

Bis zum Ende des Jahres sollen die ersten 80 Busse auf den Straßen der Hauptstadt unterwegs sein. "Wir peilen zwei fertige Busse pro Woche an", sagt Schröder. Inzwischen wisse jeder, was er zu tun habe. Die Handwerker gehen sehr penibel mit "ihrem" Bus um, alles soll perfekt sein. "Es macht einen schon stolz, wenn man die neuen Busse fahren sieht", sagt Tischler Thomas Hardt. Sein Kollege Dirk Dreger, ein Elektriker, sieht das auch so: "Da steckt schließlich die eigene Arbeit drin."

Der Bus, der am Arbeitsplatz Nummer sechs steht, ist fast fertig. Es fehlen nur noch die letzten Elektroarbeiten, bevor der Bus in die Endkontrolle geht. "Der wird morgen fertig", sagt Mitarbeiter Mike Chen. Nächste Woche ist er dann schon im Einsatz. Draußen steht ein anderer Bus, hier fehlt nur noch eine Scheibe im oberen Teil. "Dadurch werden die Sitze in den Bus geschafft", erklärt Facius.

Kameras gegen Vandalismus

Zuletzt wird die Scheibe eingesetzt. Dann kann der auf Hochglanz polierte Doppeldecker in den Stadtverkehr entlassen werden. Einige Male ist Horst-Rainer Schröder schon "heimlich" auf den Linien 100, 148 und 200 mitgefahren, um zu beobachten, wie die neuen Busse bei den Fahrgästen ankommen. Mit dem Ergebnis war er sehr zufrieden.

Unmut macht sich jedoch bei ihm und den Kollegen breit, wenn sie sehen, wie die Doppeldecker verschandelt werden. Zerkratzte Scheiben, besprühte Wände und angesengte Polster machen sie wütend. In jedem Bus steckten 500 Arbeitsstunden, sagt Schröder. Um besser gegen Vandalismus geschützt zu sein, sind die neuen Busse mit Überwachungskameras ausgestattet. Die ersten Gebrauchsspuren sind jedoch auch an ihnen nicht vorbeigegangen.

Kristin Kleyhauer, ap