BMW-Forschung Bediensystem reagiert auf Gestik, Mimik und Stimmung

Sensibler als so mancher Beifahrer reagiert das "Man Machine Interface" auf die Launen und Wünsche des Autofahrers: Ist die Stimmung mau, wechselt der neue Freund im Cockpit den Radiosender; über verspätete Flüge gibt er bereitwillig aktuelle Auskunft. So die Visionen der BMW-Techniker.


München - Autos sollen in Zukunft nicht nur auf Knopfdruck und Sprache, sondern auch auf Gestik, Mimik und Stimmungen reagieren. Das zumindest ist die Vision für das so genannte "Man Machine Interface" (MMI), die BMW am Mittwoch in München vorgestellt hat. MMI soll als Schnittstelle zwischen Fahrer und Fahrzeug funktionieren. Ziel ist die Vereinfachung Komfort- und Infotainment- Funktionen durch zusätzliche Kommunikationskanäle. Noch befinden sich diese Ansätze laut BMW jedoch im Forschungs- und Erprobungsstatus. Über erste mögliche Einsatztermine machte das Unternehmen keine Angaben.

Am weitesten sind die Techniker laut Projektleiter Klaus Bengler mit der Spracherkennung. Während Kommandos für Radio oder Navigationssystem bislang wie eine Fremdsprache gelernt werden mussten, "verstehen" die Prototypen bei BMW jetzt frei gesprochene Sätze. "Die Elektronik im Hintergrund filtert dabei automatisch alle Schlüsselwörter und Informationen heraus und streicht dafür Floskeln", erklärt Bengler. "Außerdem fragt das System so lange nach, bis es alle nötigen Angaben für eine Aktion zusammen hat." So werde etwa aus der Anfrage "Ich brauche Informationen zum Flug nach Hamburg" ein Dialog, bei dem der Fahrer Flugnummer, Abfluggate, Zeit und Verspätung erfährt.

Titelwechsel per Handwedeln

Um die Kommandos der Sprachsteuerung schneller erkennen zu können, will BMW auch die Gestik des Fahrers erfassen. "Wer bei einer Anfrage des Systems den Kopf schüttelt, der meint sicherlich Nein, auch wenn die Spracherkennung ihn zum Beispiel im offenen Cabrio nicht versteht", sagt Bengler. Darüber hinaus werden in einem weiteren Projekt auch die Melodie, der Tonfall und die Geschwindigkeit der Kommandos analysiert. Daraus könnte die Elektronik künftig auf die Stimmungslage des Fahrers schließen, und zum Beispiel automatisch den Radiosender wechseln.

Doch die Forscher konzentrieren sich nicht nur auf den Kopf des Fahrers. Auch seine Gesten wollen sie in Kommandos umzusetzen. So hat BMW in einem Prototypen bereits eine Infrarotkamera am Dachhimmel montiert, mit der laut Bengler die Bewegungen der Hand auf der Mittelkonsole registriert werden: "Sobald sich der Finger dem Schalter für den CD-Player nähert, geht die Musik an. Und wenn der Fahrer mit der Hand wedelt, wechselt er automatisch zum nächsten Titel."



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.