Fahrziel Zukunft (VIII) Effektiver zutreten

Sensotronic Brake Control nennt Mercedes eine neue Bremsanlage, die künftig in die Pkw-Modelle der Stuttgarter eingebaut werden soll. Sie soll die hohe Kunst des Verzögerns perfektionieren.


Stuttgart - Tritt ein Autofahrer aufs Bremspedal, bewegt er mit seinem Fuß eine Kolbenstange, die mit dem Bremskraftverstärker und dem Hauptbremszylinder verbunden ist.

Sensotronic Brake Control: Weiterer Baustein zum fahrerlosen Auto?

Sensotronic Brake Control: Weiterer Baustein zum fahrerlosen Auto?

Das bedeutet: Je fester der Tritt, desto höher der Druck in den Bremsleitungen, desto größer die Kraft der Bremsbeläge auf der Bremsscheibe. Ein einfaches Prinzip. Bei der Sensotronic Brake Control (SBC) gibt es zwar noch ein Bremspedal und einen Hauptbremszylinder, aber ansonsten ist doch einiges anders.

Denn die Bremsbefehle des Fahrers werden von einem Computer verarbeitet, der zugleich ständig Sensorsignale von jedem einzelnen Rad und von der Lenkung erhält. Aus diesen Daten wird für jedes Rad einzeln der optimale Bremsdruck errechnet. Und das, so verspricht Mercedes, bietet Vorteile bei Vollbremsungen, beim Bremsen in Kurven oder auf glatter Fahrbahn.

Der Fahrer spürt von alldem nichts. Der Tritt aufs Bremspedal fühlt sich an wie sonst auch. Nur geht es vom Hauptbremszylinder nicht mehr hydraulisch weiter, sondern elektronisch. Sensoren erfassen den Druck und die Schnelligkeit, in der er sich aufbaut. Diese Informationen werden als elektrische Impulse an den Rechner weitergegeben, der dann die Bremskraft - wie oben beschrieben - errechnet. Sollte ein Stromausfall das SBC lahm legen, wird wieder auf die gute alte Hydraulik zurückgegriffen und das Auto über die Vorderräder verzögert.

Die "Soft-Stop"-Funktion ermöglicht ruckfreies Anhalten

Die "Soft-Stop"-Funktion ermöglicht ruckfreies Anhalten

Das System bietet neben einem effektiveren Bremsverhalten dank des Elektronengehirns auch einige neue Zusatzfunktionen: So bremst der Wagen im Kolonnenverkehr automatisch, wenn der Fuß vom Gaspedal genommen wird. Im Stadtverkehr ermöglich die "Soft-Stop"-Funktion ein weiches, ruckfreies Anhalten. Ein "Anfahr-Assistent" verhindert, dass am Berg oder bei steilen Auffahrten der Wagen vor- oder zurückrollt.

Ein fester Tritt aufs Bremspedal, und das Auto steht so lange still, bis der Fahrer Gas gibt und der Wagen anrollt. Und schließlich gibt es noch die so genannte Trockenbremsfunktion. Die wird immer dann aktiviert, wenn der Scheibenwischer läuft. Das System weiß dann, dass es regnet und sorgt mit kurzen, für den Fahrer nicht spürbaren Bremsimpulsen für stets trockene und voll einsatzfähige Bremsscheiben.

"Anfahr-Assistent" verhindert Zurückrollen

"Anfahr-Assistent" verhindert Zurückrollen

Im Grunde ist SBC ein weiterer Baustein zum fahrerlosen Auto. "Auch ihrem Traumziel, die Automobile von übermorgen mit Hilfe von Videokameras, Abstandsradar und moderner Telematik vollautomatisch über die Straßen zu lenken, sind die Mercedes-Ingenieure durch SBC ein großes Stück näher gekommen", heißt es in der Erklärung zum neuen Bremssystem. Ob das auch das Traumziel der Autofahrer ist, teilen die Stuttgarter allerdings nicht mit.



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