Flüssiggas-Nachrüstung Sparbüchse im Kofferraum

Immer mehr Autofahrer schlagen den hohen Benzinpreisen ein Schnippchen und tanken alternative Kraftstoffe. Während bei Neuwagen Erdgas im Trend liegt, wird bei der Nachrüstung Flüssiggas favorisiert. Selbst betagte US-Schlitten werden so zu einem bezahlbaren Vergnügen.


Fabio Endrizzi hat ein Problem: Wann immer er mit seinem Dodge Charger zu einer Spritztour startet, säuft ihm der 6,3 Liter große Achtzylinder seines 37 Jahre alten Oldtimers im übertragenen Sinn die Taschen leer. Weil die 350 PS einen gewaltigen Brennstoffbedarf haben, ist er schon bei gemächlichem Tempo mit gut 20 Litern dabei. Und wenn er dem Big Block die Sporen gibt, dann laufen auf 100 Kilometern auch mal 30 oder mehr Liter durch die Vergaser. Dabei gönnt sich "General Lee" natürlich nur das gute Superplus, das zudem mit einem Bleizusatz vermischt wird und deshalb jede Fahrt zu einem teuren Vergnügen macht.

Doch mittlerweile kann Fabio Endrizzi über den Durst seines alten Chargers im Design einer US-Fernsehserie (deshalb die "General-Lee"-Bemalung) wieder lachen. Denn erstens ist ihm der Klang des Achtzylinders jeden Liter Sprit wert, und zweitens fährt der passionierte Dodge-Sammler die meiste Zeit mit Flüssiggas, das in einem speziellen Tank im Kofferraum gelagert wird. Zwar lässt dabei die Leistung ein wenig nach, und der Verbrauch geht um 10 bis 20 Prozent in die Höhe. Doch weil das "Autogas" nicht einmal halb so viel kostet wie der übliche Sprit fährt "General Lee" nun für ungefähr die Hälfte der sonst üblichen Kosten.

Benzinpreise verstärken den Trend zum Gasantrieb

Wie Endrizzi machen es nach Angaben von Rudolf Schneiderbanger, dem Geschäftsführer des Deutschen Verband Flüssiggas (DVFG) in Berlin, nicht nur viele andere Fahrer ebenso klassischer wie durstiger US-Autos, sondern auch immer mehr Menschen mit gewöhnlicheren Fahrzeugen. Er beziffert den Bestand an Autos mit Flüssiggasantrieb in Deutschland mit rund 70.000 - und die Tendenz ist steigend.

Das musste auch Günther Sommerlad lernen, der in Deutschland die Geschicke des koreanischen Teils von Chevrolet lenkt. Als er vor Jahresfrist angekündigte, dass künftig für alle Modelle zum Pauschalpreis von knapp 2000 Euro auch eine Flüssiggas-Nachrüstung verkauft würde, rechnete er mit etwa 300 Kunden. Mittlerweile fahren mehr als 1400 Chevys mit einem zusätzlichen Tank in der Reserverad-Mulde durchs Land. Die Kollegen von Lada und Subaru machen es Sommerlad nun nach und bieten ebenfalls eine entsprechende Umrüstung an. Und selbst Smart hat jetzt einen Forfour vorgestellt, der in diesem Frühjahr ohne Aufpreis auch als Autogasmodell angeboten werden soll.

Für Neuwagen Erdgas, für Gebrauchtautos Flüssiggas

Der Betrieb eines Flüssiggas-Autos ist unkompliziert. Der Tank wird über einen separaten Einfüllstutzen mit dem Kraftstoff gefüllt, der als Nebenprodukt bei der Rohölförderung sowie in der Raffinerie als ein unter niedrigem Druck verflüssigtes Gemisch aus Propan und Butan entsteht. Und mit einem Schalter in der Mittelkonsole wählt der Fahrer, ob er nun mit Benzin oder Gas fahren möchte. Geht ein Tank zur Neige, schaltet das Auto automatisch mit dem anderen Kraftstoff um. So reichen die 47 bis 60 Liter "Liquified Petroleum Gas" (LPG) in den Chevrolets je nach Fahrweise für bis zu 500 Kilometer und machen den kreisrunden Tank auf der Hinterachse buchstäblich zur Sparbüchse im Kofferraum.

Trotz allem aber sind Neuwagenkäufer nach Einschätzung vieler Experten mit einem Erdgasauto besser bedient. Sie haben mehr Auswahl, weil mittlerweile ein rundes Dutzend Fahrzeuge von Opel bis Mercedes mit Erdgasantrieb angeboten werden. Sie tanken noch etwas billiger als Flüssiggasautos und sind wegen der höheren Energiedichte des Treibstoffs um die Hälfte günstiger als Benziner, während Flüssiggas-Fahrer 30 bis 40 Prozent an Kosten sparen. Außerdem ist Erdgas noch bis 2020 vom Finanzminister begünstigt, und nicht nur wie Flüssiggas bis 2009.

Und die Anschaffung, eine Nachrüstung oder der Betrieb eines Erdgasfahrzeugs werden von Kommunen und örtlichen Energieversorgen mit bis zu 3000 Euro gefördert. Auch die Infrastruktur ist kein nennenswertes Problem mehr, argumentiert die Erdgaslobby. Noch gibt es zwar mehr Tankstellen für flüssiges als für gasförmiges Gas, doch wollen die Mineralölkonzerne bald die 1000er-Marke knacken, die von der flüssigen Fraktion bereits erreicht wurde.

Erdgas als Nachrüstlösung lohnt sich kaum

Wer jedoch bei einem Gebrauchtauto Gas geben und Geld sparen möchte, der muss viel fahren, wenn sich Erdgas rentieren soll. Denn eine Nachrüstung kostet bis zu 4500 Euro, nimmt dem Wagen in aller Regel viel vom Kofferraumvolumen und kann zudem nach aktuellen Tests der Dekra ein Sicherheitsrisiko bei Auffahrunfällen sein. Zwar bleibt das Gas in den druckfesten Tanks, doch wurden diese bei den Crashtests so weit in den Innenraum gedrückt, dass es für die Passagiere auf der Rückbank schon gefährlich wurde.

Eine Nachrüstung mit Flüssiggas ist da deutlich einfacher: Die Technik kostet je nach Modell und Mechaniker rund 1000 Euro weniger. Weil der Kraftstoff nicht unter Druck gelagert werden muss, reicht ein konventioneller Tank, der meist in die Mulde des Reserverades passt und das Kofferraumvolumen nicht schmälert. Entsprechend lassen sich eben nicht nur Kombis und Vans nachrüsten, sondern auch Kleinwagen oder Autos wie der rüstige "General Lee".



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1ne2wo3hree, 12.04.2006
1.
---Zitat von sysop--- Ist die Umrüstung auf Flüssiggas die intelligente Alternative? ---Zitatende--- Nicht, solange der Versuch, sowohl die Umwelt als auch das eigene Portemonnaie zu schonen, sofort wieder durch Politiker vereitelt wird.
Robert B., 12.04.2006
2.
Wenn nur genug umgerüstete Autos damit rumfahren, wird die Regierung schon Wege finden die Steuern auf Gas "sozialverträglich" zu erhöhen. Siehe Biodiesel. Robert
Paolo, 12.04.2006
3.
---Zitat von 1ne2wo3hree--- Nicht, solange der Versuch, sowohl die Umwelt als auch das eigene Portemonnaie zu schonen, sofort wieder durch Politiker vereitelt wird. ---Zitatende--- Exakt. Und genau das wird geschehen. Immer wenn der Bürger auf kostengünstige Alternativen ausweicht, "weicht" der Staat mit seinen Steuern hinterher. Ich werde mir wohl auch so ein Teil einbauen lassen. Spätestens ab 2009, wenn die Steuervorteile enden, geht es dann aber Berg auf....mit den Steuern. Das wird sich, wenn "Millionen" Flüssiggas tanken, für die Staatskasse lohnen. Ist also heute bereits beschlossene Sache....behaupte ich mal. Robert B. weist zu Recht auf den Biodiesel hin.
Charles Montgomery Burns, 12.04.2006
4.
---Zitat von sysop--- Welche Möglichkeiten sehen Sie darüber hinaus, wirtschaftlicher Auto zu fahren? ---Zitatende--- Langsamer fahren. Ein Tempolimit ist zwar extrem unpopulär, führt aber zu enormen Ersparnissen. Diejenigen, die stolz an der Tankstelle einen Cent pro Liter sparen, könnten durch ihre Fahrweise ein Vielfaches dessen sparen.
karsten112 12.04.2006
5. Dieser Artikel kommt 3 Jahre zu spät !!!
Hallo , das Fahren mit Autogas eine Alternative zum teuren Sprit ist , ist lange bekannt. Das für und wieder des umrüstens auch. Alles ein alter Hut ! Ich fahre und spare seit über 3 Jahren mit Autogas und hatte noch nie Probleme , weder mit der Technik noch mit der Kraftstoffversorgung. Über dieses Thema hätte ich von SPON vor 3 oder 4 Jahren einen ausführlichen Artikel erwartet. Heute lohnt sich die Umrüstung, aufgrund der 2009 Problematik , nur noch für Vielfahrer ! Schade Schade .......
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