Grüner Kraftstoff Keine Freigabe für Biodiesel mehr

Während die Nachfrage nach Raps-Diesel steigt, haben die Autohersteller die Freigabe ihrer neuen Dieselmodelle gestoppt. Zu uneinheitlich sei die Qualität des umweltfreundlichen Natursprits, zu empfindlich die neuen Motoren. Ein Gütesiegel und ein Biodieselsensor sollen VW und Co. umstimmen.

Berlin/Wolfsburg - Aus Raps gewonnener Biodiesel ist zur gefragten Alternative zu herkömmlichem Diesel geworden: Nach Angaben der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) in Berlin stieg die Absatzmenge in Deutschland in den Jahren 1998 bis 2002 von rund 100.000 auf 550.000 Tonnen. Grund dafür seien vor allem die gestiegenen Spritpreise: Da auf Biodiesel keine Mineralölsteuer erhoben wird, ist er an manchen Tankstellen mitunter fünf bis zehn Cent pro Liter billiger als konventioneller Diesel.

Doch der so genannte Rapsölmethylester (RME) ist nicht unumstritten: Immer wieder kursieren Berichte, wonach er für Schäden an Einspritzanlagen, Spritschläuchen und Dichtungen moderner Dieselmotoren verantwortlich ist. Einige Automobilhersteller wie beispielsweise Ford und Opel verzichten daher generell auf eine Freigabe ihrer Dieselmodelle. Andere wie BMW bieten Kunden auf Wunsch und gegen Aufpreis für einzelne Baureihen eine Umrüstung an. Allein der Volkswagen-Konzern hatte alle ab 1996 gebauten Fahrzeuge seiner Konzernmarken mit TDI-Motoren für den Betrieb mit RME freigegeben.

Doch auch damit ist mit der Einführung der jüngsten TDI-Generation vorerst Schluss. So erhalten nach Angaben von Audi-Sprecher Udo Rügheimer in Ingolstadt etwa die Turbodiesel-Versionen des im Mai auf den Markt gebrachten neuen A3 keine Freigabe für Biodiesel mehr. Auch VW hat laut Sprecher Alexander Skibbe in Wolfsburg die Freigabe der TDI-Modelle des neuen Kompaktvans Touran für RME vorläufig gestoppt. Eine Entscheidung für die neue Golf-Generation, die zur Internationalen Automobilausstellung im September in Frankfurt vorgestellt wird, sei noch nicht gefallen. Ältere TDI-Modelle ab Baujahr 1996 bei VW und 1995 bei Audi sind jedoch den Sprechern zufolge nach wie vor freigegeben.

Als Grund für die neue Zurückhaltung führt Audi-Sprecher Rügheimer Qualitätsprobleme der Biodiesel-Produzenten an. Da RME in Deutschland von vielen verschiedenen Ölmühlen hergestellt wird, sei eine einheitliche Spritqualität noch nicht gewährleistet. Auf Qualitätsunterschiede reagierten die neuen Dieselmotoren jedoch empfindlich. Auch könne Biodiesel, wenn er mit normalem Diesel gemischt wird, im Kraftstoffsystem vorhandene Ablagerungen lösen.

Zwar nehmen Motor und Einspritzanlage laut Rügheimer durch diese Verunreinigungen keinen Schaden: Im schlimmsten Fall setze sich der Kraftstofffilter zu, und das Fahrzeug bleibe unterwegs liegen. Solche Situationen wolle Audi jedoch aus Imagegründen möglichst vermeiden. Betroffenen sei es schließlich schwer zu vermitteln, dass das Problem beim Kraftstoff- und nicht beim Autohersteller liegt.

Darüber hinaus sei "nicht sichergestellt, dass die sehr strenge Euro-4-Abgasnorm mit Biodiesel erreicht wird", so der Audi-Sprecher. Die Turbodiesel-Versionen des neuen A3 sowie des VW Touran sind aber bereits in diese Emissionsklasse eingestuft. Eine mögliche Lösung für dieses Problem könnte ein Biodiesel-Sensor sein, den die RME-Produzenten laut UFOP-Sprecher Dieter Bockey derzeit gemeinsam mit Volkswagen entwickeln: Das Bauteil erkenne, wie hoch der RME-Anteil im Kraftstoffsystem ist und passe gegebenenfalls die elektronische Einspritzung an. Dadurch werde bei hohem RME-Anteil ein zu hoher Ausstoß an Stickstoffoxiden (NOx) vermieden.

Zudem bemühen sich die RME-Produzenten laut Bockey intensiv um eine einheitliche Spritqualität. Dazu haben sie mit der Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement Biodiesel (AGQM) ein eigenes Qualitätssicherungssystem eingeführt. Die AGQM kontrolliert Herstellung, Vertrieb und Lagerung des alternativen Kraftstoffs und wacht darüber, dass der an Tankstellen angebotene Biodiesel der Norm für RME (E DIN 51606) entspricht. Überprüfte Tankstellen erhalten an der Zapfsäule neben dem DIN-Aufkleber ein Kontrollzeichen - ein grünes Q mit goldenem Rapsöl-Tropfen in der Mitte auf blauem Grund. Von den rund 1600 Biodiesel-Tankstellen in Deutschland seien bereits rund 1300 zertifiziert worden, so der UFOP-Sprecher.

Die Biodiesel-Industrie hofft, mit diesen Maßnahmen die Bedenken der Autohersteller ausräumen zu können. Schließlich besitzt der "grüne Diesel" nach UFOP-Angaben neben dem Kostenvorteil auch ökologische Vorzüge: Er sei biologisch abbaubar, praktisch schwefelfrei und verursache geringere CO2- und Partikel-Emissionen als normaler Diesel. Zumindest bei VW ist das Thema RME-Freigabe denn auch nicht gänzlich auf Eis gelegt. Der Hersteller bleibe an dem Thema dran, so Sprecher Alexander Skibbe. Der Biodiesel-Sensor solle beispielsweise helfen, zukünftige Motorgenerationen für den Betrieb mit unterschiedlichen Kraftstoffen abzustimmen.

Die Freigabe eines Dieselmotors durch den Hersteller, die in der Betriebsanleitung nachzulesen ist, bleibe jedoch wichtigste Voraussetzung , sagt ADAC-Sprecher Maximilian Maurer in München. Ist diese nicht erteilt, trage allein der Autofahrer das Risiko möglicher Folgeschäden. In dem Fall rät er vom Biodiesel ab: "Was macht es für einen Sinn, ein paar Groschen beim Tanken zu sparen, wenn man hinterher eine teure Reparatur bezahlen muss?"

Von Felix Rehwald, gms

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